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[1] (1906)
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GOETHE'S FARBENLEHRE

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wählt wird, rücken die farbigen Ränder näher zusammen, sodaß erst dann, wenn sie sich auf sehr schmaler Fläche völligberühren oder übereinander greifen, auch die Mitte des Bildesfarbig erscheint; 1 hierbei ergeben aber die sich deckendenblauen und gelben Ränder die Farbe Grün, die also als Misch-farbe, und nicht, wie Newton will, als ursprüngliche primäreFarbe auftritt. Statt einer weißen Fläche auf dunklem Grundekann man aber auch eine dunkle auf weißem Grunde be-obachten; in diesem Falle liegen die farbigen Ränder natürlichumgekehrt, und wenn man sie durch Verschmälerung derFlächen in oben beschriebener Weise zusammenrücken läßt,so decken sich schließlich das Rote und Violette, und ergebeneine neue Mischfarbe: Purpur. Man hat also im ganzen zweiGrundfarben, Blau und Gelb, zwei gesteigerte Farben, Violettund Rot, und zwei Mischfarben, Grün und Purpur, und diesesechs Farben bilden einen geschlossenen Farbenkreis,

yPurpui\^

/ \

Rot Violett

I I

I I

Gelb Blau

\ /

\ Grün /

der stetige Übergänge bietet und so beschaffen ist, daß gegen-überstehende Farben stets auch komplementär, polar, oder anta-gonistisch sind.

Zugunsten dieser eigenen Theorie erhob Goethe gegendie Newtonsche eine Reihe von Einwänden, deren haupt-sächlichste folgende sind:

1. Newton vermöge für die dargelegte Lehre vom Farben-kreise keinerlei physikalische Begründung anzuführen; dieseTatsache ist zwar richtig, jedoch insofern leicht begreiflich, als

1Farbenlehre", Bd. IV, S. 396.