GOETHE'S FARBENLEHRE
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von Licht und Dunkel in Betracht kommen. Zu diesen ge-hört u. a.:
a) die Erscheinung der Irradiation, die bewirkt, daß helleFlächen auf dunklem Hintergrunde bedeutend größer erscheinen,als sie tatsächlich sind;
b) das Phänomen des Nachbildes heller Objekte, wie manes z. B. wahrnimmt, wenn man ein weißes, von der Sonnebeschienenes Fensterkreuz starr betrachtet, und dann rasch dieAugen schließt;
c) das Phänomen der Kontrastbilder, vermöge dessen z. B.eine graue Fläche auf schwarzem Hintergrunde heller erscheintals auf weißem, oder ein anfangs verdunkelter und dann plötz-lich enthüllter Teil einer hellen Fläche für heller gehalten wirdals der andere Teil, der von vornherein sichtbar war.
Etwas verwickelter sind bereits die farbigen Nachbilder.Eine farblose blendende Lichtquelle, z. B. die helle Sonne oderder im Sauerstoff verbrennende Phosphor, erzeugt bekanntlich,wenn man die Augen rasch schließt oder sie plötzlich aufeine dunkle Fläche hinwendet, prachtvolle farbige Nachbilder.Ihre Färbungen sind aber, wie Goethe zuerst beobachtete,keineswegs dem Zufalle unterworfen, sondern klingen nachfesten Oesetzen von der hellen Seite, d. h. vom Gelben bisRoten, zur dunklen, d. h. zum Violetten bis Blauen, und sodannbis zum völlig Schwarzen ab. Auch hier entstehen also dieFarben durch ein Zusammenwirken von Finsternis und Licht,von Dunkel und Hell, von Nicht-Licht und Licht, und zwartritt zunächst dem Lichte das Gelb auf, zunächst der Finsternisdas Blau, und diese beiden Farben verdichten oder steigernsich zum Roten bezw. Violetten hin. Alle Farben lassen sichdemnach als Halblichter oder Halbschatten ansehen, sie ent-halten etwas Schattiges, das sxisprfv (Skieron), und erscheinendaher stets dunkler als Weiß, aber heller als Schwarz. 1
Beim Hinsehen auf helle Flächen zeigen sich dem durch
1 „Farbenlehre", Bd. I, Vorrede S. 34 ff. Bd. I, S. 31 und 105.
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