184 ZUR GESCHICHTE DES SCHIESSPULVERS U.S. IV.
heblich über jene der beginnenden europäischen Neuzeit hinaus-gingen, — denn weiter oben ist zur Genüge dargelegt worden,in wie später Zeit und mit welchen Schwierigkeiten man esim Abendlande zu nur halbwegs treffsicheren Handfeuerwaffenund Räderkanonen brachte, geschweige denn zu solchen, diemit eisernen Geschossen und bleiernen Kugeln als »hundert-tötende" einzugreifen vermochten. Es bleibt auch zu erwägen,daß unter „indischer Nuß" (die übrigens unmöglich denSchwefel ersetzen kann!) bei den arabischen Kompilatoren in-dische Drogen sehr verschiedener, ohne jedesmalige besondereUntersuchung nicht ohne weiteres zu identifizierender Be-schaffenheit verstanden werden; daß eine Analogie zwischender „blauen Bohne" und der „roten Granate" nicht besteht(da, wie oben dargetan, die Quelle des Namens „Granate" fürdas Geschoß eine völlig andere ist); endlich, daß die Araberselbst sowohl in Spanien (wie gleichfalls weiter oben bewiesen)als auch, soviel man weiß, anderwärts, gegen Ende des 15. Jahr-hundertes Geschütze noch kaum, fahrbare Kanonen und Hand-feuerwaffen aber gar nicht (oder letztere nur als Kuriosität)besaßen, folglich auch nicht in der Lage waren, Sache undNamen schon in weitaus früherer Zeit nach Indien zurück-zubringen.
Aus den Berichten, die über die ersten Entdeckungsfahrtender Portugiesen nach Ostindien vorliegen, 1 ist denn auch zuersehen, daß noch um 1500 sowohl die „Mauren" als die Inderallenthalben mit Säbeln, Pfeilen, Schleudern, Schilden, und„Waffen für Kopf, Leib und Hände" ausgerüstet waren, nichtaber mit Schießgewehren und Kanonen. Der mächtige Samorinvon Calicut besaß zwar einige kleine, bald recht gut, bald ganzungenügend bediente Bombarden 2 , und verfügte sogar (wenndie Übersetzung korrekt ist) über einen „Flintenschützen", derbei festlichen Aufzügen diesen vorausging und Schüsse abgab; 3
1 Hümmerich, „Vasco da Gama" (München 1898). 2 ebd., S. 79und 98. 3 ebd., S. 172.