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[1] (1906)
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126
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126 ZUR GESCHICHTE DES SCHIESSPULVERS U.S.W.

stand die Geschichte des Schießpulvers und die eng mit dieserverbundene der älteren Feuerwaffen sein soll, beansprucht daherkeineswegs, Entscheidendes oder auch nur Abschließendes zubieten; er bezweckt vielmehr allein, die Aufmerksamkeit einesweiteren Kreises auf den gegenwärtigen Stand der erwähntenForschungen zu lenken, und so manches, nur dem FachgelehrtenGeläufige, auch allgemeinerer Kenntnis und weiterer Kritik zu-gänglich zu machen.

Der Behauptung, das gewöhnliche, bekanntlich aus Schwefel,Kohle und Salpeter bestehende Schießpulver sei schon denVölkern des Altertums bekannt gewesen, hat es bis in ziemlichnaheliegende Zeiten hinein nicht an Anhängern gefehlt, undaus verschiedenen Stellen der alten Schriftsteller glaubte mandie gewünschten Beweise herauslesen oder wenigstens heraus-deuten zu können. Prüft man jedoch die fraglichen Unterlagenin unbefangenerWeise, so zeigt sich, daß sie keinerlei ernstlichenBeleg bieten. Von dem mythischen vorrömischen Könige Alladeserzählt allerdings Dionysius von Halikarnaß, 1 und vomKaiser Caligula auch Dio Cassius, 2 sie hätten, um die Götterzu verhöhnen, während eines Gewitters Donner und Blitz durchMaschinen nachgeahmt, und Appolonius von Tyana 3 meldet,die indischen Brahmanen vermöchten Blitz und Donner gegenihre Feinde zu schleudern; alle diese Historiker schweigen abervollständig über die hierzu angewandten Mittel. Die angeb-lichen Berichte des Thukydides 4 über Sprengungen durch einschwarzes Pulver bei der Belagerung von Delion (424 v. Chr.)betreffen in Wirklichkeit nur das Anzünden feindlicher Holz-werke durch Kohlenpulver und andere brennbare Stoffe mittelseiner Art großen Lötrohres, und ein ähnliches Verfahren, dasAusstreuen brennenden Kohlenpulvers durch mächtige Blase-bälge, empfahlen noch Appolodor, der Architekt des KaisersHadrian und Erbauer der ersten steinernen Donaubrücke, sowie

1 I, cap. 71. 2 lib. 59, cap. 28. 8 II, cap. 3. 4 IV, cap. 100.