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[1] (1906)
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ALCHEMISTISCHE POESIE AUS DEM13. JAHRHUNDERTE 1

nicht nur in der spärlichen naturwissenschaftlichen,sondern auch in der umfangreichen scholastischen undtheologischen Literatur des 13. und 14. Jahrhundertesalchemistische Lehren häufig den Gegenstand ver-einzelter Anspielungen, mitunter auch den breitgedehnter Aus-führungen bilden, dürfte jedem geläufig sein, der in den Kom-pendien jenes Zeitalters auch nur einige Umschau gehalten hat;weniger bekannt ist es aber, daß alchemistische Ideen auchEingang in dieschöne" Literatur fanden, und doch bietetdiese Tatsache besonderes kulturgeschichtliches Interesse, weilsie beweist, wie sehr der allgemeine Zeitgeist sich mit solchenAnschauungen befreundet hatte, und wie vertraut diese, bis zugewissem Grade, auch jener großen Menge geworden waren,die, wie heute, so auch damals, den empfänglichen Leser- undHörerkreis volkstümlicher Dichtungen bildete.

Eines der lehrreichsten Beispiele dieser Art sei dem alt-französischenRoman de la Rose« entnommen, der um 1237von Guillaume de Lorris begonnen und um 1277 von JeanClopinel (genannt de Meung) vollendet wurde 3 und nachFrancisque-Michel (dem berühmten Literaturhistoriker, demwir die beste Textausgabe dieses Werkes verdanken) fast fünfJahrhunderte lang eines der vielgelesensten, verbreitetsten und

1 »Chemiker-Zeitung" 1905, S. 323. 2 Q. Paris,La litterature

franqaise au moyen äge", Paris 1890, S. 160.