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iVloigeo- u. Abeudausg.Montag, 2. August 1943

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und Handelsblatt

Oelfruchtanbau im Rheinland

Von Dr. E. G. Zitzen,Bonn

Die ölgewinnung aus einheimischen ölpflan-|zen ist in deutschen Landen zuerst am Rhein |aufgekommen und hat hier ihre stärkste Auswei-tung erfahren. Der Anbau von Ölpflanzen un<|das ölschlagen aus Ölsaaten erfolgten erst imlLaufe des Mittelalters, nachdem man vorher fürSpeise- und Brennzwecke Tierfett, und al»Speiseöl das aus den romanischen Ländern ein» Igeführte Olivenöl benutzt hatte. Einheimische»Pflanzenöl wurde nunmehr gewonnen aus Mohn, ISenf, (ölsenf, ölrettich), Raps, Rübsen, öllein,Leindotter, Bucheckern, Traubenkernen, Nüssen |und Sonnenblumen (ölrosen).

Während der Flachs (Lein) überwiegend derFasergewinnung dient (Faserlein), wird der Lein-samen auch zur ölgewinnung verwandt (öllein,Schlaglein). Das Leinöl (mhd. linsatöl) war eherbekannt als das Rapsöl und wird bereits im zwölf-ten Jahrhundert erwähnt. Das Leinöl wird haupt-sächlich für technische Zwecke verwandt; esdient zum Anstrich von Häusern und Schiffenund wird in der Farben-, Firnis-, Lack- undLinoleumindustrie verwandt. Die RheinischenLinoleumwerke in Bedburg erzeugen heute noch Ida& für die Linoleumerzeugung benötigte Leinölin einer eigenen Ölmühle- Früher wurde das |Leinöl auch weitgehend zu Speisezwecken be-nutzt, besonders zum Fetten der Speisen; sowurde zum Beispiel der Buchweizenkuchen mitLeinöl angemacht.

Ein weiteres Gewächs mit ölhaltigem Samenist die Dotter (öldotter). Da die Dotter als Un-kraut besonders im Lein (Flachs) wächst, wird jsie Leindotter (Flachsdotter) genannt. Fernerfindet man für diese Pflanze die BezeichnungenButterraps und Fettblume. Die Leindotter, deren |Anbau sich namentlich in Holland verbreitete, jwird am Niederrhein Höttentöt oder Hippentipgenannt. Der Ausdruck Höttentöt für Leindotterhat einen geringschätzigen Sinn und wird zu-rückgeführt auf Huttegetut (= Gerümpel, Kram,entstanden aus hutje met mutje = mhd. hutte |unde mutte = das gesamte Hauswesen mit Ge-rümpel, Abfällen und Kehricht). Das Dotteröl |wird verwandt als Speiseöl, zur Herstellung vonFirnissen und wegen seiner Schwerflüssigkeitzur Margarine- und zur Seifenherstellung.

Die Kultur des Mohns (ahd. mago, mhd.mage) oder der Magenblume, woraus das zuerstim dreizehnten Jahrhundert erwähnte Mohnölgewonnen wird, hat in' Deutschland vom süd-lichen Rheinland ihrfen Ausgang genommen. Dasaus Mohnsamen (rhein. Magsamen) gewonneneöl wurde früher Magöl oder Magenöl genannt.Je nach der Ausformung der reifen Fruchtkapselnunterscheidet man Schließmohn (blauer Mohn,blinder Mohn, Dreschmohn) und Schüttmohn(grauer Mohn, sehender Mohn, Offenmohn). DerAnbau von Mohn wurde auch empfohlen, weilden Körnern schlafbringende Kraft innewohnt(Schlafmohn). Aus dem weißen Milchsaft der un-reifen Mohnkapseln stammt das Opium (vomgriech. opion = Saft). Aus dem Samen pflegteman früher einen Brei zum Einschläfern der Kin-der zu bereiten. Der Mohn führte auch die Namenölähre, Tintenblume oder Inkblume (Ink Tinte).In einigen Gegenden wird der Feldmohn Feimaggenannt. Man führt den Ausdruck zurück auffeh = bunt und mag = Mohn.

Das aus den Bucheckern gewonnene öl wurdeEckerolig oder Baumöl genannt. Ferner findensich die Ausdrücke Aweel (Awehl, Awöl) und Bi-witz (eine aus Ostdeutschland eingeführte sla-wische Bezeichnung) für Abarten von Raps undRübsen. In einer Beschreibung des ehemaligenKreises Mettmann vom Jahre 1861 heißt es:VonHandelsgewächsen wird Winterraps, Aweel undWinterrübsen, neuerdings auch Biwitz cultiviert."Die ölgewinnung aus Traubenkernen war bereitsim sechzehnten Jahrhundert bekannt und wurdebesonders im siebzehnten und im achtzehntenJahrhundert angewandt.

Als wichtigste heimische Ölpflanzen ent;wickelten sich der Raps und der Rübsen. DerRaps stammt von der holländischen und der eng-lischen Küste und kam durch flämische Koloni-sten in der zweiten Hälfte des sechzehnten Jahr-hunderts zum Rhein. Im sechzehnten Jahrhundertgab es außer im Rheinland im Erfurter Gebietviele Ölsaatfelder, während der Ölfruchtanbauim übrigen Deutschland damals nur spärlich odergar nicht vorhanden war. Außer in den Nieder-landen, in Nordhollapd und in Friesland warder Rapsbau im sechzehnten Jahrhundert beson-ders verbreitet in den Herzogtümern Jülich,Kleve und Berg. Der Rübsen ist zwar wenigerergiebig als der Raps, jedoch ertragsicherer undbescheidener in seinen Ansprüchen. Er wird be-sonders in den klimatisch weniger begünstigtenLagen der Eifel und des Hunsrücks angebaut.

Ihre besondere Bedeutung hatten die pflanz-lichen öle früher auch als Beleuchtungsmittel(Leuchtöl). Bis über die Mitte des neunzehntenJahrhunderts hinaus war das Rüböl (mhd. ruob-satöl) das gebräuchlichste Beleuchtungsmittelund wurde dementsprechend nicht allein in denWohnungen, zur Straßenbeleuchtung, sondernspäter auch im Gewerbebetrieb und auf den neuentstehenden Eisenbahnen in großen Mengen alsT 'chtcfuelle gebraucht. Mit der Einführung derDampfmaschine und dem allgemeinen Aufkom-men der Maschinentechnik kam dazu noch eineausgedehnte Verwendung des Rüböls alsSchmiermittel. Die pflanzlichen Schmiermittel*