Druckschrift 
Deutsches homöopathisches Arzneibuch : Aufzählung und Beschreibung der homöopathischen Arzneimittel nebst Vorschrift für ihre Bereitung, Prüfung und Wertbestimmung
Entstehung
Seite
7
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

7

gesagt, der ausgepresste Pflanzensaft für ihn die Einheit an Arznci-gehalt, die durch den Znsatz der gleichen Gewichtsmenge Weingeisteine Verminderung auf die Hälfte erfährt. Er nimmt deshalb vonden nach dieser Kegel hergestellten Essenzen zur 1. Centcsimalpotenz2 Tropfen und potenziert diese mit 98 Tropfen Weingeist (R. A. M. L3. Autl. I. S. 13). Er nimmt 6 Tropfen zu 94 Tropfen Weingeist,wenn die Essenz aus der frischen Pflanze nach der im gegenwärtigenBuche sub § 3 angegebenen Regel hergestellt ist, da der Gehalt anArzneikraft nur ein Sechsteil beträgt (R. A. M. L. 2. Aufl. III. S. 265),und von den nach § 4 aus trockenen Substanzen hergestellten Tink-turen nimmt er 10 Tropfen zu 90 Tropfen Weingeist (R. A. M. L. 2. Aufl.V. S. 238 u. 291), da diese Tinkturen mit 1 Gran der Substanzauf 10 Tropfen (5 Gran) Weingeist bereitet werden, ihr Ge-halt also ein Zehntheil beträgt. Diesen Grundsätzen entsprechendwerden auch die Decimalpotenzen hergestellt. Man erhält also durchBerücksichtigung des Gehalts eine sichere Grundlage für die Potenzie-rung und rechnet nicht mehr mit unbekannten Grössen.

Betreffs der Tropfenverhältnisse von Weingeist und Wasser zu denGewichtsverhältnissen nahmen Hahnemann und seine Schüler an, dass

2 Tropfen Weingeist = 1 Gran (Nürnbg. Gew.) (0,062)1 Wasser = 1 (0,062)200 Weingeist = 100 (6,2)100 Wasser = 100 (6,2)seien, und diese Angaben mussten hier festgehalten werden 1 ). Ebensomusste der Nürnberger Gran als Gewichtseinheit beibehalten wer-den da, wo es sich um das Potenzieren von Arzneistoffenhandelt. Dieser Gran ist gewissermassen ein homöopathisches Ge-wicht, welches wir vor der Hand nicht entbehren können, wenn wirdie Potenzierungstheorie leicht und übersichtlich darstellen wollen.

Zur Potenzierung solcher Mittel, welche durch Weingeist eineUmwandlung erfahren, verwenden wir in den niedrigen Verdünnungendestilliertes Wasser, nur in den höheren Weingeist, um mit den

*) Dass diese Annahme Hahnemanns fast absolut genau ist, wurde in jüngsterZeit durch Harnack bewiesen, der das Gewicht eines Tropfens Alkohol von 'J1Xzu 0,02501 Gramm und dasjenige eines Tropfens 52Xigen Alkohols zu 0,03087 Grammfand. (Pharm. Zeitg. 1899, p. 187.)