Fünfftes Bück. 91z
Das XXI. Capitel.
Vom UntersGied der Pferde ihrer Farbe naZ.
Innhalt. Weil aber nicht alle Rappen gleich schwartz/fo wisse man/
daß man sie in dreyerley Sorten eintheile. Zn die 1.§. I. Gewißheit von den Pferden aus der Färb !U urtheilen. Kohl-schwartze. 2. Licht -schwartze/ und z. die Aschen-Uberei,-treffen der Farben und eomplexionen. 2.Me< »
lanci ol.schc complexion. R«PP«n. Wie vielerley ? §. z. 7^. S' ^ ^ ^
Hholensche. Wüchse. Wie vlelerl>.y? h. 4. Ssnguimsche. Kohl-schwartzen Rippen baben zwar eine
Braune. Wievielerley? ö. 5. Phlegmatische, vcyimmel. harte ^arbe / und wann sie ein weisses Zeichen da oder
W>c vicieriey. dorten haben/ so wollen sie vielen Nicht anstehen. Jmon-
§. 1. Verheil sind viel Leut so abergläubisch/ daß sie diesen Pfer-den bloß wegen der unglücklichen und Trauer Farbe
ist bey Erkanntnus der Pferde kein ge- feind sind. Ohn ist es nicht / ihr tückisches Wesen hat
ringes und zweisselhasstes / sondern ein schon viel Unglück gestiftet / und wann ein Rapp auf sei-
wichtig-und meinst zutreffendes juciicium, nenKopss sitzet/so stutzt er so leichtfertig/daß man viel
aus deren Farbe zu haben: als welche der Starck und Kunst bedarss/ biß man ihn davon abbringt/
Rosse Lomplexion und Natur / die sonst und es hat vielen das Leben ehe gekostet / ehe sie dessen
sobald nit sichtbar wäre/ an den Tag legt / kune einhalten können. Genug gesagt ist/ wann man
und verrathet weiches Element in dem Pferd die Ober- spricht: Gre sind melancholisch. Was aber hierbey
Hand habe und pr-e^mmire. Gleichwienun vier die ^uQores insgemein / vom Glück und Unglück daß
piexioncn und Nsmenren/ nehmlich 1. Melancholisch einerzudieser/deranderezueinerandernFarbehat/mel»
oder die Erde: 2. Cholerisch oder das Feuer: z.Zsngui- dm/ und hierinnen den Herrn Löhneijen so gar vertrau-
nisch oder die Lussr: und 4. Phlegmatisch oder das Was- lich ausschreiben/das ist zwar nicht gar umsonst/ aber doch
ser sind: Also werden auch diePferde darnach eingetheilt/ meinstens ein Aberglaube : Wann ein 5-mi-uimscher
un) aus ikrenFarben ihre Eigenschafft abgemahlt. Dann Mensch / der lebhasst / lustig / hitzig »md hurdg ist / einen
wer einen Rappen siehet/ der wird sich die kalt- und tru- Melancholischen Rappen nach seinem ttumcur brauchen
ckene oder melancholische Vermischung und Erde leicht will/so muß er Gedult haben/die steckt aber gar seltenm
einbilden. Aus denen Füchsen leuchtet die hchg und tru- Sanguinischen Menschen / oder er wird das Melancholi-
kene Cholerische (Iowpiexion und das Feuer deutlich scheRoß rebellisch/unddadurch freylicherwasmachen/
hervor. Im Braunen herrschet 1'cmper»mencum82n. was ihm wenig Gutes bringt. Des Menschen der ein
xuineum, basist/ sie sind feucht und hitzig/ und gleichen Pferd braucht/ Lompiexion, Ut,d des Pferds l'empe.
sich der Lufft. Und endlich im weissen Pterd laßt sich das rawenr müssen sich wahrhafftig in etwas zusammen schi,
kniezma oder die fliessig und kalte Vermischung / deren ckeu/wo nicht osst das beste Pferd für unnütz und unqlück-
Büd dasWasser ist/fast mitAugen sehen.Diese 4.Farben ich soll beschryen werden. Im übrigen weil die Rap-
sind gleichsam die 8implici», aus deren starcken oder ge- pen in denAugen keine weit>dringendeKrafft haben/und
ringen Vermischung und Schattirung die andern alle vonkurtzenSehe-Strahlensind/so muß man sich nicht
. entstehen. Nach dem nun ein Roß von dieser oder jener wundern/ wann sie ob dem erschrecken / was ihnen bald so
Haubt Färb viel oder wenig hat/nack dem wird auch das nahe für die Augen kommt/und welches sie, wie andere
l'empersmcnr starck oder schwach in dem Pferde seyn. Pferde / vorher von fernen nicht gesehen haben : daher
So wollen wir dann eine Färb nach der andern besehen, entstehet ihrvielmaliges Stutzen und Scheuen. Wo-
§. 2. Wir haben oben den ersten Rang der kjeisa- ferne nun einer im Kauss/die Fürstchtigkeit braucht/daß
ckoüe, das ist der Erde/oder dem kalt- und trscke'Ze'I'em- er beym Rappen wol dahin sehe / daß dessen Augen schön
persmenc geaeben/ und mit derselben Haubt-Farb die hell und Castanien-braun seyn/so wird er erfahren / daß
Rappen gezeichnet. Diese Pferde sind / wie der Name sie viel weniger scheu / als die Rappen sind / welche mit
Xl«>2nckoii» oder schrvarye Galle/ im Gl iegischen lau- duncklen und schwartzen Augen von der Natur versehen
tet, gallisch oder zornig/und wie die Erde grob/schwer sind. Finder sich aber um den Aug-Apffelgar ein brauner
und schwermüthig/ auch langsam-gelehrig. Dann merckt Ring/ so mag man sich nicht nur auf ein scheues/ sondern
man auch an ihnen dieses indische / daß sie trag und faul/ auch auf ein Pferd gefaßt m achen / das sich seiner Augen
und doch darneben / wann sie anfangen / kollerisch / und nicht lang werde bedienen können,
bösewerde .Ebenwie die Melancholischen Menschenger, ^ DieLichtsarbe schwartzePserde sind noch weniger
ne zürnen/ und/ wann sie amangen/entweder gar zu aus» Schatz werth/doch halten sie unter denen Rappen noch
gelassen lustig/oder gar zu niedergeschlagen traurig sind, das Mittel/und ich wolte sie viel lieber als die liederliche
jlber das deqreiffen die Rappen gemeiniglich das Böse Mausfarbe haben.
und allerhand tückische Srücklein so bald / als schnell ste ^ Wer wie ^znnulus auf einer Maus zureuten Luft
find das Gut-erlernte wieder zu vergessen. So geht ih- hatte/der könnte sich ein Maussarbes Pferd «ireckren las-
nen auch an Eigensinnigkeit und Untreu / wie mans aber, sen: dann es wird nicht fehlen/ das Roß wird just die Art
mal all MelancholischenMenschen beobachtet / nichts ab. der Mäuse haben / scheu wie die Mäuse / kalt und trocken
Woferne nun bey diesen Pferden die unausgesetzte U- oder melancholisch wie die Mäuse / matt wie sie / und zu
bung nicht das beste thut/ und deren schlimme Narur ver- aller Gefahr auch im Wasser und vor dem geringsten
bessert/ so gehet alles / was man sie / mit vieler Mühe und Graben verzagt seyn. Mit einem Wort unter der Rap,
grossen Unkosten/ gelehret, wie imWind/dahin. Halt pen-Art ist dieses die schlimmste; Kohlschwartz die beste;
man aber mit guter Zucht bey diesen Pferden an/und last und Lick'tschwartz die mittelste Gattung,
solche nicht lang müssig stehen/so kan man auch von dieser §.z. DasPferde welches seine memsteEigenscbafft vom
Farbe die geistigsten und geschicktesienPferde aufführen. Feuer hat/ wird an der Färb ein Fuchs / und einer glüen,
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