Viertes Buch.
§. 2. Cs gibt aber des Salats viel und mancherleyArten / als kraußen/ röchlichten / grünen / braunlichtenund langen: lcem Lattich/ Haubtlein Salat/Endivien/Acker-Salat und andere mehr. Der Lattich wird beywarmen Sommer-Tagen / wann die Erde schon ziemlichaufgetrocknet / im Ianer oder Hornung / und zwar in ei-nen frischen vonKüh-Dungwohl-gedungten/ und unterfreyen Himmel liegenden Grund und Boden fein dick ge-streuet/ und nachmals öffters begossen: damit die Wür-mer denselben nicht aus der Erden werffen. Darauf wirder/ wann er aufgegangen / und vier oder fünffBlatterbekommen / in einen guten festen Grund versetzet / und da«miter fein schmackhafft werde/ dessen Wurzel mitKüh-Misi umleget: Ja / wo man ihn schön weiß und gelb ha-benwill/ so muß man ihn zween Tag vorhero zusammenbinden / hernach versiutzen / und Sand darauf streuen:Worbey dieses zu mercken/ daß/so man ihn weit ausein-ander streuet/ er nur desto grösser werde- Dieser Salatwird zum össtern in der Küche gebrauchet/ und nicht alleinmit Essig/Baumöl / Saltz und Pfeffer zubereitet/son-dern auch an Hüner und Lamb-Fleisch warm gekochet/wovon das Koch - Buch mehr zu reden wissen wird. Diebesondern Regeln / daran mansick beyLuKivirung desLattichs insgemein zu halten/sind fürnehmlich diese: derFeder-krauße Lattich muß nur Biatter-weis / nicht mitStumpfund Stiel abgeschnitten werden/damit immernach und nach mehr Blätter nach wachsen. Der Capuci-ner Lattich und der gemeine weisse will wie der andere Kn-riivia aufgebunden seyn/ davon mehr ilN4.§. dieses IZ.Cap. Häuft man den Grund / und bedecket die Staudenoben? so kan man sie um wie viel geschwinder haben. Fälltkaltes Wetter ein ? so muß man ihm einen Pelz durch dieStrohdecke anlegen. Er will anfänglich dick gesaet / her-nach zur Verpflanzung oder zum jungen Salat desto öff-ter erzogen seyn. Wer den Saamen nicht dahinten lassenwill/ der sammle ihn/ wann er den Stengel ausdie Heissteverblühet siehet/ schneide den Saamen mit dem Stengel/doch nicht zu tief/ ab / henckeden auf/daß er gar reise.Wolte man warten/bis er gar und völlig ausgeblühet/so wurde das meiste von diesem Saamen zu Schandengehen.
§. z. Der HZ ibtle:n --S6lat verlanget eine gute/feiste/geschlachte Er-'e/ und wird 8-Tag vor Ostern beydem Vollmond gejaet / desgleichen im zunehmendenMond / wann er au5s wenigste 4. Blattlein hat / undzwar jedes Stöcklein einen Schuh weit von dem andernversetzet/und zwarAeil-weis/ einer Spannen weit von-einander. Die Wurzeln stutze man vorher ein wenig ab/sonderlich / wo sie faul werden oder brechen wollen / mansprenget sie mit laulichtem Wasser; wer aber kaltes undfrisches Regenwasser nehmen wollte / der würde machen/daß dieHaupter gleich in den Saamen schiessen / so fernenur ein wenig dürres Wetter einfallen sollte. Um St.Johanmswird der Saame ordentlich zeitig. Hieher ge-höret auch der AckersGalae oder Feld-Lattich / welchenman an etlichen Orten Schafmäuler nennet / welcherenttveder runde oder lange Blätlein hat / und im ^u-Lukc» vom Feld ansgehoben / und in die Garten ver-pflanzet werden kan. Dessen Behandlung ist bey jeder-man so gemein/ daß n keinen besondern Handgriffvonnö-then hat.
§. 4. Die heutigen Kräuter-Künstler wissen vomEndivien viercrley Geschlechte / da die Alten mehr nichtals zwey gekennt. Ihr Unterschied ist in der ersten Artnach der mannigfaltigen Beschaffenheit der Wurzeln;dann deren etliche haben einefnslickte/etliche eine starckeund bittere Wurzel. Dieser erstmAttBlätter sind dem
I-säuc ahnlich und breit/ der Stengel dick und rund/ sindbey z. Holländische Schuh hoch/an Zincken und Blumendenen Wegwarten / wilder Art/ fast gleich. Die andereAtt kommt mit der ersten durchaus gleich / nur sind derenBlatter etwas schmaler und bitterer/ und der Saamenwie der gemeine von Endivien. Das dritte ist wieder we-nig von anderer Art unterschieden/ ausser der Farbe nach:dann dessen Blumen sind so weiß als Schnee. Die vierteArt ist krauße Endivien/ kommt auch an Wurzeln undBlumen der ersten gleich / nur sind / wie der Name giebt/die Blätter kraußer gewunden / der Stengel ist vieleckichtund krumm - eingebogen. Dieser Lnctivi miteinander er-fordert ein fettes/ wohlgebautes Erdreich/ wird imdrey Tag vor oder nach dem neuen Liecht / und zwar ziem-lich dick gesaet: damit man öffters davon ausziehen kön-ne / und wann er fünff oder sechs Blätter gewonnen / un»gesehr drey Viertel Elen weit voneinander verpflanzet.Ehe aber nicht als bis er etwas starck erwachsen / daßer sich auf der Erden ausbreitet / bey trockenen Wet-ter oben zusammen gebunden : damit er inwendig nichtfaul werde/sondern sein schön gelb und weiß verbleibet/sonsten bleiben die Pflanzen dahinden und verderben;Will man aber geschwind denselben weiß oder gelb haben/so muß man Töpffe darauf stücken/ und mit warmen Mi-ste überschütten. Zum saamen lasst man den schönstenschiessen/der sich selbst ohnevezbinden geschlossen/und weißworden: Jedoch muß er wohl zeitig werden/ Massen erohne dem nicht bald ausfallet: Ja wann er einmal tro-ckenist/ so muß er wohl gar ausgeklopffet werden. Wassonsten noch dabey zu mercken/ bestehet fürnemlich im fol-genden: Die Endivien/ zum Salat dienlich/ wollenderRoß-Dunge müssig gehen/ so wohl sie andern Früchtenbekommen mag. Dann sie werden nicht nur verdrieß-lich bitter / sondern auch so verderbt/ daß man sie zueSpeise nicht gemessen kan. Wer Endivien den Winterüber zu erhalten Willens ist/ der nimmt das Reif-Wet-ter in acht/fasst die Endivien-Stöcke samt denen Wur-zeln/lasst sie etwas erschwelcken/ setzet sie in einen zu demEnd in dem Keller vorräthig angeschafften Sand / feinnach aneinander: So werden sie dergestalt aufbehalten/daß man sich ihrer/ den gantzen Winter durch / zur Tafel»ppecitlich gebrauchen kan. Setzet man von erstermel-deten Stöcken/ nachdem der Winter ausgetobt/ gegenMittag in gute Felder / und lässet sie in Stengel undBlatter fortschiessen?so kan man von ihnen wieder Sa-men zielen. Eben wie man dergleichen doppelten Nutzenvom Krausen und Welschen Köhl und dem gehaubtetenKraut auch haben kan. Wer fonsten Samen habenwill/muß ihn an der Würbet nicht überzeitigen lassen:Vielmehr hat er zur völligen Reifheit zu kommen / gutenVortheil/ erwünschte Gelegenheit/ wann man ihn anlStengel aufhencket; Nachdem man ihn vorher/sobalder milchartig worden / abgeschnitten hat. Die Nürn-berger wissen ihn zum Winter und Herbst Salat zu nu-tzen/ob ihn gleich etliche daselbst/ wiewol noch gemeiner anandern Orten / kochen/ und warm / als was besonder ge-sundes/verspeisen.
ReM-Annmckungen.
i z.
N diesem und nachfolgenden Capp. wird von de-nen RrSuter-Gewachsen gehandelt / von wel-chen die Kraut-Garten ihren Namen haben / diemehr zur Nutzbarkeit als zur Lust angeschaffet werden/Wie zusehen ex I.iZ. F. 4- K'. cls uluk. i/I verb. llt fort-
kortos