Name und Geschichtliches. Perubalsam (indischer Balsam, Salvadorbalsam, Sonsonate-balsam) ist eine irrthümliche Bezeichnung; man nahm an, dass der aus dem peruanischen Hafen Callaonach Europa gelangende Balsam aus Peru stamme. Toluifera, Tolubalsam liefernd, von Tolu, einercolnmbischen Stadt am Golfo de Morrosquillo; tolu ist auch der einheimische Name für Balsam.Myrospermum, von /./ roov Balsam und anmtx et Same, weil auch die Samen Balsam liefern. Myroxylon,von fivQOv Balsam und §vXor, Holz. Pereirae nach Jonathan Pereira, Professor der Pharmacie inLondon, gestorben 1853, so benannt. Sonsonate, Stadt in San Salvador, am Rio Grande.
Bei der Eroberung Centraiamerikas fand man den Perubalsam schon als Wundheilmittel inGebrauch und lässt sich annehmen, dass schon lange vor dem Eindringen der Europäer Perubalsambei den Eingeborenen Verwendung fand. Sehr alte Thongefässe, welche den Kopf des mexikanischenFasans (Pajuil) darstellen, eines Vogels, der sich hauptsächlich von den Samen des Perubalsambaumesnährt, werden in den Ruinen der Dörfer an der Balsamküste aufgefunden. In diesen Gefässen wurdenoch zur Zeit des Eintreffens der Spanier den Häuptlingen von Cuscatlan (dem jetzigen San Salvador)Perubalsam als Tribut geliefert. Monardes (1493—1578 in Sevilla), widmet dem Balsam in seinemBuche „Dos libros etc." eine besondere Abhandlung, beschreibt die Gewinnung eines weissen Balsamsdurch Einschnitte in die Rinde (wahrscheinlich Liquidambar) und eines schwarzrothen Balsams, ge-wonnen durch Auskochen des zerkleinerten Holzes und der Zweige des Baumes Huitziloxitl (Peru-balsam). Don Diego Garcia de Palacio bereiste 1576 San Salvador und erstattete an Philipp II.einen Bericht, in dem auch von dem Perubalsam und seiner Gewinnung durch Erhitzung der Stämmemittelst Feuers die Rede ist. Um den in der katholischen Kirche gebräuchlichen, in Amerika nicht zuerlangenden Balsam von Balsamodendron gileadense Kunth in der neuen Welt zu ersetzen, gestatteteder Papst Pius V. durch Bulle vom 2. August 1571 die Verwendung des „wunderbar angenehm riechendenund wundenheilenden" Perubalsams zum geweihten Salböl (Chrisma principale). Der Preis für den Balsamwar zu jener Zeit ein sehr hoher; in Rom wurden anfänglich für die Unze 100, dann 20, 10, zuletztfür das Pfund 3—4 Dukaten bezahlt. Flückiger berichtet, dass Monardes Gott pries für diesenErsatz des orientalischen Balsams, dessen Entdeckung schon allein die Mühe lohnte, die seine Lands-leute bei Entdeckung der Neuen Welt aufwendeten. Francisco Hernandez, welcher längere Zeitin Mexiko lebte, bildete in seinem 1651 zu Rom erschienenen Werke „Thesaurus rerum medicarumNovae Hispaniae" den Perubalsambaum ( Huitziloxitl) ab. Unter der spanischen Herrschaft wurde derBalsam nach dem peruanischen Hafen Callao gebracht und deshalb mit dem Namen Balsamum peru-vianum bezeichnet, unter welchem Namen er beispielsweise schon in der Arzneitaxe der Stadt Wormsvom Jahre 1609 (1582 verfasst) auftritt. Andere Taxen enthalten Balsamum hispanicum, Balsamumindicum nigrum, in denen gleichfalls mit ziemlicher Sicherheit Perubalsam zu erkennen ist. Auch derweisse Perubalsam ( Balsamito oder Balsamo catolico), welcher aus den Fruchthülsen gewonnen wird,war bereits dem Palacio bekannt. Ebenso hatte schon Monardes Kenntniss von den Fruchthülsen,die in den deutschen Apothekertaxen des 17. Jahrhunderts unter dem Namen Fructus Baisami indiciauftraten. Derjenige Baum, welcher in früheren Zeiten als Stammpflanze des Perubalsams angesehenwurde, ist von Linne fil., der 1781 ein Exemplar von Mutis erhielt, mit dem Namen Myroxylonperuiferum belegt und von De Candolle als Myrospermum peruiferum, von Allemao als Myro-spermum erythroxylum bezeichnet worden. Es ist dies Toluifera peruifera Baillon, ein Baum, derin Bolivia, Peru und Columbia einheimisch ist und einen dem Tolubalsam ähnlichen Balsam liefert.
Offlzinell ist der aus dem Stamme gewonnene Balsam, der sogenannte schivarse Perubalsam:Balsamum peruvianum nigrum {Balsamum indicum nigrum).
Der weisse Balsam: Balsamum peruvianum album (Balsamo blanco der Heimath) kommt seinerGeringfügigkeit wegen nicht in den Handel, ist daher nicht offizineil.
Der schwarze Balsam, gemeinhin Perubalsam genannt, wird in 9 kleinen, am Südabhangeder Vulkanenreihe in San Salvador gelegenen Indianerdörfern gewonnen; nach Flückiger sind dies:Chiltiupan, Comasagua, Jayaque, Jicalapa, Juisnagua, Talnique, Tamanique, Teotepeque und Tepecoyo(Coyo). Die Bäume, welche schon vom 6. Jahre ab zur Balsamgewinnung herangezogen werden, ge-hören bestimmten Eigenthümern; sie sind gewöhnlich gruppenweise eingefriedigt oder sonst irgendwiebezeichnet und bilden das eigentliche Vermögen der dortigen Eingeborenen. Nach den BerichtenFlückiger's, welche auf Mittheilungen des Dr. Dorat in Sansonate und des Apothekers Wyss inSan Miguel La Union (San Salvador) beruhen, ist die Gewinnung folgende: Bei Eintritt der trockenenJahreszeit, also im November und Dezember, beginnen die Indianer mit der Gewinnung des Balsams.Zu diesem Zwecke wird mit dem Rücken der Axt oder einem Hammer die Rinde des Baumes an4 Seiten oder nach Wyss an 20—30 Stellen weich geklopft, so dass sie sich vom Holze ablöst.Hierdurch wird schon etwas Balsam zum Austritt gebracht, den man in gereinigten Lappen oderLumpen (trapos) auffängt. Der eigentliche Safterguss erfolgt erst, nachdem man 5 oder 6 Tage späterdie verwundeten Stellen mit aus den Zweigen eines harzreichen Rohres (Chunaliate) hergestelltenFackeln angebrannt hat. Die hierdurch abfallende Rinde wird beseitigt und der nun reichlich aus-fliessende Balsam in Lumpen, mit denen man die verwundeten Stellen einhüllt, aufgefangen. Habensich die letzteren vollgesogen, was in einigen Tagen der Fall ist, so werden sie in irdenen Töpfen mitWasser ausgekocht. Der Balsam sinkt zu Boden; die Lappen werden in einem aus groben Schnürenhergestellten Netze vollends ausgepresst, gereinigt und zur Saftgewinnung von neuem verwendet. ImApril erfolgt eine zweite Anbrennung. Von dem ausgekochten Balsam, dem der ausgepresste hinzu-gesetzt worden ist, wird nach dem Erkalten das Wasser abgegossen, etwaige Unreinlichkeiten entferntund der Balsam nach kurzem Absetzen in flaschenförmige Fruchtschalen von Crescentia cucurbitina L.,