Druckschrift 
1 (1887)
Entstehung
Seite
11r
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Hyoscyamus niger L.

Schwarzes Bilsenkraut, Hühnertod, Zigeunerkraut, Teufelsauge Henbane

Jusquiame noire.

Familie: Solaneae. Gattung: Hyoscyamus Tonrn.

Beschreibung. Die ein- oder zweijährige, weisse, ästige Wurzel treibt einen einfachen oderästigen, stielrunden Stengel, welcher eine Höhe bis zu 0.6 m erreicht. Stengel, Blätter und Kelchklebrig, drüsenhaarig. Die schmutzig grünen, bis 20 cm langen, 10 cm breiten Blätter länglich-eiförmigoder oval, tief buchtig, zuweilen auch eckig gezähnt oder fast fiederspaltig-buchtig; die unterstengestielt, die oberen sitzend, lialbstengelumfassend. Blüthenstand in einseitswendigen, abwärts gekrümmten,beblätterten Scheinähren. Bliithen fast sitzend, achselständig. Kelch krugförmig-glockig, netzig geädert,mit 5 stachelspitzigen Zähnen. Die 5 lappige Krone schmutzig-gelblich, violett-netzaderig, mit weicli-haarigem, dunkel-violettem Schlünde. Oberlippe kürzer als die 3 lappige Unterlippe. Staubgefässezu 5, in der Mitte des Kronenrohres eingefügt, niedergebogen. Fruchtknoten 2fächerig, Griffel faden-förmig, mit kopfförmiger Narbe. Die vom Kelche eingehüllte Kapsel 2 fächerig, von dem eingeschlossenenSamen höckerig, mit 2 fächerigem, gewölbtem, 1 / 4 J / 3 des unteren Theiles betragenden Deckel. Samenklein, flach - nierenförmig, hellgraubraun oder gelblich, feinnetzgrubig.

Es kommen folgende 2 Varietäten vor:

a. agrestris Kit. (als Art) einjährig, niedrig, Stengel einfach, Blätter weniger buchtig, Krone

zuweilen einfarbig - blassgelb.ß. pallidus Kit. Krone blassgelb nicht geädert, ohne violetten Schlund. Syn. Hyoscyamusniger ß. pallidus Koch.

Anatomisches: Die Epidermiszellen des Blattes zeigen (nach Flückiger) beiderseits wellenförmige Umrisseund sind von Spaltöffnungen und langen weissen Haaren unterbrochen. Die letzteren schliessen, ähnlich den Haarender Tabaksblätter und der Belladonna, mit einem ein- oder mehrzelligen Drüsenkopfe ab. In der Mittelschichtzwischen dem Palissadengewebe der oberen und dem Schwammparenchym der unteren Blattseite befinden sich dieziemlich ansehnlichen Krystalle von Calciumoxalat, welche beim Faulen der Blätter in Form von Tafeln und kurzenPrismen in ziemlicher Menge ausgeschieden werden. Die Epidermiszellen der Samenschale sind (nach Luerssen}. indem oberen Theil der Seiten wände gar nicht, in den Aussenwänden nur schwach verdickt. Der untere grössere Theilder Seitenwände verdickt sich dagegen sammt Innenwand sehr stark, zeigt Schichtung aber keine Tüpfelkanäle underhält gelbe oder braune Färbung. Der obere Theil der Zellen schrumpft bei der Reife des Samens zusammen, oftvon dem klumpigen Inhalte der Zellen undeutlich gemacht, wodurch die scharfe, netzige Zeichnung auf der Oberflächehervorgebracht wird.

Verbreitung. Auf wüsten Plätzen, Schutt, Angern, Triften, auch auf Aeckern, an Dorf-strassen, Zäunen durch fast ganz Europa mit Ausnahme, des äussersten Nordens; Sibirien; Kaukasus-länder und Nordindien.

Name und Geschichtliches. Der Name Bilsenkraut ist abgeleitet von dem Althoch-deutschen bilisa oder piliza , womit unsere Pflanze bezeichnet wurde. Letztere Bezeichnung stammtwiederum von dem keltischen bilinuntia, welches Wort von dem Keltengotte Belenus, dem das Krautgeweiht war, abgeleitet worden ist. Hyoscyamus von dem griechischen iogxvauog Schweinsbohne(vg Schwein und v.vanog Bohne) stammend ist der Name, womit Dioscorides das Bilsenkraut belegteund soll nach Aelian deshalb gewählt worden sein, weil die Schweine nach dem Genüsse des Krautesin Krämpfe verfielen und gelähmt wurden.

Das Bilsenkraut ist schon frühzeitig bekannt gewesen und zu medizinischen Zwecken benutztworden, denn schon Dioscorides und Plinius erstatten über diese Pflanze ausführlichen Bericht.Bei den Römern wurde sie Apollinaris, bei den Galliern Belinuntia und bei den Arabern Alter cumgenannt. Plinius unterschied schon das schwarze und weisse Bilsenkraut und giebt Nachricht überdie äusserliche und innerliche Anwendung des aus dem Samen gepressten Oeles. Alexander Trallianus(römischer Arzt aus dem 6. Jahrhundert) verordnete Kraut und Samen, jedoch war die Anwendungdieser Pflanze eine sehr vorsichtige. Vom Jahre 1715 an tritt die Anwendung allgemeiner ein underst nach den 1762 veröffentlichten Erfahrungen Störck's über die Wirkungen verschiedener Gift-pflanzen wich die Scheu vor der arzneilichen Benutzung des Hyoscyamus niger.

Blüthezeit. Juni bis October.

11