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1 (1876)
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1004
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Digitalis. Digitalina.

aus der Digitalis dargestellte Substanzen bezeichnet. Das Digitalin der Fran-zösischen Pharmakopoe ist ein anderes als das der British Pharmacopoeia undauch wiederum ein anderes als das der Oesterreichischen Pharmakopoe. Esist zum Erstaunen, wie diese Pharmakopoen solche gleichsam in der Lufthängende, therapeutisch unsichere Präparate zu officinellen stempeln konnten.

J'J Digitalinnm depuratum Pharmacopoeae Austriacae (1869).10,0 Deutsches (?) Digitalin werden in einem porcellanenen Mörser mit5,0 eines 70procentigen Weingeistes und 5,0 destillirtem Wasser vollständiggemischt, der Brei in ein verscliliessbares Glasgefäss, welches 15,0 Chloro-form enthält, eingetragen und durchschüttelt. Nach Verlauf von 12 Stundendas Chloroform decanthirt und die Durchschtittelung nochmals oder öfter mit15,0 Chloroform in gleicher Weise wiederholt. Der Chloroformauszug wirdin sehr gelinder Wärme verdunstet und der Rückstand über Schwefelsäureausgetrocknet.

Dieses gereinigte Digitalin ist eine neutrale, halb weiche, in dünner Schichtdurchsichtige, gelbbraune Masse von lange haftendem, sehr bitterem Geschmack,vollständig löslich in Wasser, Weingeist, Chloroform und ohne Rückstandverbrennlich.

Da dieses Digitalin in Wasser löslich ist, so scheint es der von Nativelleund Lefobt mit Digitalein bezeichnete, in Wiggers Jahresbericht (1868,S. 304) mit Digitalin bezeichnete Bitterstoff zu sein.

Das oben bemerkte Deutsche Digitalin ist vermuthlich das nach Nati-velle 's älterer Vorschrift bereitete.

Nativelle hat in neuerer Zeit ein verbessertes Bereitungsverfahren desDigitalins mitgetheilt. Zunächst bemerkt er, dass die Blätter der Digitalis imzweiten Jahre bei beginnender Blüthe zu sammeln sind und der parenchymatöseTheil der Blätter oder die Blätter von der starken Mittelrippe befreit dasmeiste Digitalin und zwar 50mal mehr enthalten als der Blattstiel.

Die Bereitung des Digitalins ist folgende:

250,0 krystallisirtes Bleiacetat werden in 1000,0 kaltem destil-lirtem Wasser gelöst, mit 1000,0 feingepulverten Digitalisblätterngemischt und 24 Stunden unter zeitweiligem Umrühren macerirt. Hieraufbringt man das Ganze in einen Verdrängungsapparat, erschöpft mit 50pro-centigem Weingeist, giesst zu den vereinigten Colaturen eine kalt gesättigte,wässrige Lösung von 40,0 Natronbicarbonat, destillirt, nachdem dasBrausen aufgehört hat, den Weingeist ab, engt die rückständige Flüssigkeit imWasserbade auf 2000,0 ein, verdünnt sie nach vollständigem Erkalten wiedermit ihrem gleichen Gewichte Wasser, zieht nach einigen Tagen die klareFlüssigkeit mittelst eines Hebers ab, bringt den Satz auf Leinwand und presstihn aus.

Diesen so weit von der anhängenden Flüssigkeit möglichst befreiten Satz,welcher etwa 100,0 wiegt, vertheilt man in 1000,0 80procentigen Wein-geist, erwärmt zum Sieden, setzt eine Lösung von 10,0 Bleiacetat hinzu,fährt mit dem Sieden noch einige Minuten lang fort, lässt erkalten, filtrirt,wäscht mit Weingeist nach, setzt zum Filtrate 50,0 Hol zkohlenpulver unddestillirt den Weingeist grösstenteils ab. Aus der rückständigen Kohle ver-treibt man den Rest des Weingeistes im Wasserbade; dann sammelt man sieauf einem Tuche, um die anhängende gefärbte Flüssigkeit zu beseitigen, trocknetsie, und erschöpft sie im Verdrängungs-Apparate mit Chloroform, bis diesesungefärbt abläuft. (Im Rückstand ist Digitin enthalten.)