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1 (1876)
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1002
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Digitalis.

samsten. Das frische Kraut der Digitalis wird entweder alsbald zu einemExtract verarbeitet oder es werden die Blätter gesondert und auf schattigenBöden schnell übertrocknet, dann in der 30° C. nicht überschreitenden Wärmeder Backstube oder eines Trocken raumes getrocknet und alsbald geschnitten,unter Verwerfung der sich absondernden wolligen Flocken grob- und feinge-pulvert vor Licht wohl geschützt in der Reihe der starkwirkenden Arznei-mittel aufbewahrt. Als Aufbewahrungsgefässe der geschnittenen Blätter sinddichtschliessende Blechgefässe zu empfehlen, die gepulverten bringt man introckne Glasflaschen. 5 Th. frische Blätter geben 1 Th. trockene. JedesJahr erneuert man den Vorrath durch eine Waare, welche man von Apothekerndes Harzes, aus Westphalen, Thüringen etc. bezieht. Die Waare kann alsbrauchbar gelten, wenn das wässrige Infusum durch Gerbsäurelösung sofortstark, durch eine Kaliumferrocyanidlösung innerhalb 15 Minuten getrübt wird.

Bestandteile. Die lufttrocknen Blätter der Digitalis bestehen aus 45 bis50 Proc. mit Wasser ausziehbaren und 8 9 Proc. mit starkem Weingeistausziehbaren Stoffen. Sie enthalten in 100: Faserstoff 48, Feuchtigkeit 5,schleimige und gummige Stoffe 11, Harz 6, Extractivstoff 21, HoMOLLE 'schesDigitalin 1 (bis 1,3), Inosit, digitalinsaure, antirrhinsaure, phosphorsaure, wein-saure, kleesaure, schwefelsaure Kali- und Kalksalze 8. Das Digitalin ist inden Samen in grösster Menge enthalten.

Das Digitalin, welches Homolle 1845 zuerst darstellte, fand W t alz alsein Gemisch aus Digitalin, Digitasolin und Digitalacrin. Walz glaubtein dem Digitasolin den wirksamen Stoff der Digitalis zu erkennen und nanntedaher diesen Digitalin und den Körper, den er zuerst Digitalin nannte,Digitaletin. Diese Körper sind Glykoside. Die Digitalis enthält jedenfallsmehrere bittere und scharfe Stoffe, von denen die einen Glykoside (Glykodi-gitaline) sind und in der Spaltung Zucker geben, andere wieder solche, welchekeinen Zucker liefern (Akrodigitaline). Schmiedeberg fand vier verschiedeneStoffe, welche er als wirksame Digitalisbestandtheile erkannte: 1) Digitonin,eine saponinartige Substanz, 2) Digitalin, eine in Wasser unlösliche Substanz,aber wirksamer Bestandtheil der HonoLLE'schen Digitaline, 3) Digitalei'n,eine in Wasser leichtlösliche Substanz und Hauptbestandtheil des DeutschenDigitalins, 4) Digitoxin, ein Digitalisbestandtheil von stärkster Wirkungund hauptsächlicher Bestandtheil des NATivELLE'schen Digitalins. Nativelle'sDigitin ist unlöslich in Chloroform, Aether, Benzol. Digitoxin ist nichtlöslich in Wasser und Benzol, reichlich löslich in Chloroform, leicht löslichin absolutem Weingeist, wenig löslich in Aether. Es krystallisirt in farblosenglänzenden Nadeln oder Tafeln.

Anwendung. Die Digitalis ist ein Narcoticum. Sie mindert den Blut-umlauf und daher die Pulsfrequenz und Körperwärme, wirkt deprimirend aufdie Nerven der Geschlechtsorgane und vermehrt die Harnabsonderung. Ingrossen Gaben wirkt sie toxisch. Man wendet sie in Gaben von 0,030,1 0,2 Gm. an bei entzündlichen Herzleiden, bei Hypertrophie und Erweiterungdes Herzens, Schlagadergeschwülsten, bei Entzündungen der Hirnhäute undBrustorgane, bei Fiebern, Blutungen, Tuberkulose, wassersüchtigen Leiden,Reizungszuständen der Genitalien, krampfhaften Neuralgien, Wahnsinn etc.Die Pharmakopoe normirt die stärkste Einzelndosis zu 0,3, die Gesammtdosisauf einen Tag zu 1,0 Gm.

Die äusserliche Anwendung ist eine sehr seltene. Das frische Kraut zuBrei zerstossen wird zu Breiumschlägen, der Presssaft zu Einreibungen und