Druckschrift 
1 (1876)
Entstehung
Seite
959
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Crotou.

959

flüssiger, aber klar, meist etwas heller oder wie das ursprüngliche Krotonölgefärbt. Die Gegenwart anderer fetter Oele würde eine erstarrte Masse oderstarre Ausscheidungen erzeugen. Auf Beimischung der trocknenden fremdenOele giebt es keine specielle Probe, doch lässt sich eine Verfälschung mitdiesen Oelen und einigen anderen fetten Oelen (ausgenommen Ricinusöl)welches durch die Elaidinprobe erkannt wird) wahrnehmen, wenn man ineinem Probiercylinder 5 8 Tropfen des Oels mit der 18 20fachen Volum-menge conc. Schwefelsäure (1,8371,840 spec. Gew.) kalt schüttelt. Dasreine Krotonöl löst sieh darin und bildet nach einer Minute, gegen das Tages-licht (nicht Kerzenlicht) gehalten, eine dunkle klare durchsichtige Flüssig-keit, dagegen ist diese bei Gegenwart vieler fremden Oele sogleich nach demDurchschütteln entweder nicht klar oder wegen zu dunkeler Färbung nichtdurchsichtig. Gegen das Kerzenlicht gehalten, könnte auch im letzteren Falleeine gewisse Durchsichtigkeit angetroffen werden. Die Prüfung auf denGeschmack unterlasse man!

Anwendung. Mit der Haut .in Berührung gebracht, wird das Krotonölschnell resorbirt, und es erzeugt nach mehreren Minuten lebhaften brennendenSchmerz, dann Rothe, zuletzt einen blasen- und pustelartigen Ausschlag.Selbst auf den Unterleib eingerieben, erzeugt es heftiges Laxiren, sogar blutigeStühle. Innerlich genommen wirkt es, je nach der Gabe, drastisch bis zu denäussersten Graden der Schleimhautentzündung, sogar tödtlich. Eine letaleGabe beginnt schon bei 15 Tropfen. Die Wirkung des Krotonöls ist zuweilenvon Erbrechen begleitet. Innerlich giebt man es zu 0,010,03 0,05 Grm.oder !/ 4 1 i/ 2 Tropfen in Emulsionen, Pillen, Gelatinekapseln, um schnellesAbführen zu bewirken und besonders entzündliche und apoplektische Zuständedes Hirns abzuleiten. Aeusserlich dient es mit fettem Oele verdünnt als einkräftiges Ableitungsmittel. Klystierdosis 0,05 0,1. Im Handverkauf darf esnicht abgegeben werden. Vergl. auch Oleum Crotonis argillatum.

Die stärkste Einzelngabe normirt Pharmacopoea Germanica zu 0,06, dieGesammtdosis auf den Tag zu 0,3. Für Pferde und Rinder sind 12 Tropfenals eine sehr starke Dosis anzunehmen.

% II. Seinen Crotonis, Semen Tiglii, Gratia Till», Grames de Tilly, kroton-

s am eil, sind den Ricinussamen einigermaassen ähnlich, unterscheiden sich aberdadurch, dass sie nicht glänzend, viel-mehr matt, oft wie bestäubt sind undsie nach dem Abreiben der deckendenSchicht ganz oder theilweise schwarzerscheinen. Sie sind 11,3 Ctm. lang,

69 Mm. breit, auf den beiden Haupt-flächen kantig convex, dadurch an-nähernd 4kantig, schmutzig graubraunmit dunkleren Flecken oder hellbraunbis gelblich. Der Samenkern ist gelb-lichweiss oder gelblich, bei alten Samengelbbraun. Der Geschmack desselbenist anfangs mild ölig, hintennach heftig

brennend und scharf. Beim Erwärmen stösst er einen scharfen,reizenden und Entzündung auf der Haut hervorbringenden Dunst aus.

Die Krotonsamen werden in der Reihe der starkwirkenden Arzneistoffevorsichtig aufbewahrt und im Handverkauf nicht abgegeben.

Fig. 242. Crotonsamen, r vom Kücken, s von derSeite, b von der Bauchfläche (mit Samennath), g vonder Grundfläche aus gesehen.

die Augen