Druckschrift 
1 (1876)
Entstehung
Seite
884
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

884

Cigaretae.

Cigaretae.

Cigaretae, Cigarren, Cigaretten, haben als eine Arzneiform in neuerer ZeitEingang gefunden. Die Art und Weise ihrer Anfertigung und ihre Form isteine sehr verschiedene je nach Art und Beschaffenheit des Arzneikörpers odernach der Art des Gebrauchs. Unter Cigarren- versteht man das Pflanzenblattoder die zu einem grösseren Blatte gepressten Pflanzenblätter in die Form derbekannten Tabakcigarren gebracht. Die Cigaretten dagegen werden aus Papiergeformt, welches Papier entweder mit dem Arzneistoff geschwängert ist oderals cylindrische Hülle von Arzneistoffen dient.

I. Die Aufgabe, Cigarren aus Pflanzenblättern darzustellen, dürfte höchstselten an den Pharmaceuten herantreten. Sie ist gewöhnlich Specialistenvorbehalten.

II. (Jigaretae lierltatae, Kriiutereigaretten, Cigaretten mit medicinischenKräutern, wie Herba Belladonnae, Digitalis, Hyoscyami, Stramonii, Lobeliae,Salviae etc. Von dem trocknen und klein geschnittenen Vegetabil werden100,0 mit einer Lösung von 2,0 Kalinitrat in 15,0 Wasser und versetzt mit10,0 Weingeist besprengt und in lauer Wärme trocken gemacht. Je 1,52,0dieses nitrirten Vegetabils werden in 8 bis 10 Ctm. lange, 68 Ctm. breiteRechtecke aus dünnem, mit einer gleichen Salpeterlösung getränktem und ge-trocknetem Fliesspapier eingerollt, so dass 810 Ctm. lange und circa 6Millim. dicke Cylinder daraus hervorgehen. Mit Stärkekleister (nicht Gummi-arabicumschleim) giebt man dem Papiercylinder den nöthigen Schluss.

Das vorstehend erwähnte salpetrisirte Papier, Charta parce nitrata,wird in der Weise bereitet, dass man 3 Bogen übereinanderlegt und mittelstSpritzflasche mit der erwähnten Salpeterlösung besprengt, so dass der obereBogen gerade befeuchtet erscheint. Dann wendet man die untere Seite derSchicht von 3 Bogen nach oben und besprengt auch diese in derselben Weise.Dann lässt man die Schicht trocknen und nimmt die drei Bogen voneinander.

III. Cigaretae chartaceae, Cigaretten aus medicamentösemPapier, aus Papier mit Extractlösungen, Salzlösungen, Tincturenwerden aus jener Charta parce nitrata in der Weise bereitet, dass man dasPapier entweder (bei Darstellung weniger Cigaretten) mit einem Tropfglase,in grösserem Maassstabe vermittelst einer Spritzflasche anfeuchtet, aber niemalsin dem Maasse netzt, dass die Flüssigkeit an dem perpendiculär gehaltenenPapier herabläuft. Die Papierrechtecke werden nach dem Trocknen zu jeeiner Cigarette locker zusammengerollt und mittelst Stärkekleisters (nichtGummiarabicumschleim) geschlossen.

Die Cigaretten dieser und der vorigen Art werden gewöhnlich mit Beihilfeeines Mundstücks aus Glas, Holz, Rohr (Cigarrenspitze) gebraucht und in derbekannten Weise geraucht, bald mehr, bald weniger, oder auch nicht denDampf einziehend, je nach Anordnung des Arztes.

IV. Syphonetae, Sjphoncigaretten, sind circa 10 Ctm. lange, offeneRöhren aus Glas, harter Pappe, Rohr, E'ederkielen, welche mit einer Patroneirgend eines flüchtigen Arzneistotfes z. B. Kampfer (vergl. S. 693, sub 15),Jodoform, Zinkhypermanganat beschickt sind. Die Patrone ist ein Cylinder