Betula.
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Anwendung. So hocli auch der Ruf der Betonie bei den Alten und biszum vorigen Jahrhundert war und trotz des Italienischen Sprichwortes „hapiü virtü che betonica" ist das Betonienkraut heute obsolet und nur bisweilennoch Gegenstand des Handverkaufs. Man rühmte es als Excitans, Nervinum,Expectorans, Sialagogum etc. Man gebrauchte es bei Gicht, Cephalalgie,Epilepsie, Schwindsucht u. d. gl., auch als Wund- und Niesemittel. DieWurzel soll in ihrer Wirkung mit der Ipucacuanha viel Aehnlichkeit haben,ist aber schon seit hundert Jahren ausser Gebrauch. Die Empfehlung desKrautes in Stelle des Chinesischen Thees hat keine Aufnahme gefunden. Dosisdes Krautes 1,0— 2,0—3,0 drei- bis viermal täglich im Aufguss.
Einpiastrum Bctonicac, Betonieupllaster, wird wie Emplastrum Bella-donnae ('S. 580) bereitet, es dürfte aber durch Emplastrum Meliloti vollständigersetzt werden. Man legt das Betonienpflaster bei Cephalalgie auf die Stirn,den Wirbel des Kopfes oder die Schläfe.
Betula.
Betula alba Linn ., Birke, ein bekannter Baum aus der Familie derBetulaceen.
Blätter und Rinde, auch ein wässriges Extract der Blätter waren vorhundert Jahren officinell. Sie enthalten Gerbstoff. Eine Abkochung derBlätter wurde äusserlich gegen Flechten und Scabies gebraucht.
Oleum Betulae empyreumaticum, Oleum s. Pix betulinnm, Oleum Rusei,Oleum floscoviticum, Lithaner Balsam, Dagget, IMrkenol, Birkentheer , der Theer ausWurzel, Holz und Rinde der Birke. Er wird in Polen und Russland gewonnenund von da nach Deutschland gebracht.
Der Birkentheer ist eine dickflüssige, braunschwarze oder röthlich braun-schwarze, eigenthümlich empyreumatisch riechende, in Wasser kaum lösliche,in Aether, Weingeist, Oelen zum grösseren Theile lösliche Substanz. Einenicht flüssige Waare ist zu verwerfen.
Anwendung. Der Birkentheer ist in Polen und Russland ein Volksmittelgegen alle Krankheiten. Einige Aerzte haben ihn innerlich gegen Wechsel-fieber, Wassersucht, Würmer, Menstruationsbeschwerden, Gonorrhoe, äusserlichgegen Rheuma, Gicht, Hautausschläge, syphilitische Geschwüre angewendet.Kostroff machte sogar Wunderkuren damit, indem er ihn zur ErweckungScheintodter nach übermässigem Branntweingenuss, in Folge des Erfrierens,ferner zur Abgewöhnung der Trunksucht in Einreibungen in die Geschlechts-theile (Scrotum und Perinaeum) anwenden liess.
Dosis 0,2 — 0,3 — 0,5 dreimal täglich, am besten in Pillen.
In einigen Gegenden Deutschlands wird der Birkentheer vom Landmannals Wundheilmittel, Wurmmittel, gegen Kolik, Räude der Hausthiere geschätzt.