Druckschrift 
1 (1876)
Entstehung
Seite
373
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Apomorphinum hydrochloricum. 373

jenigen der vorhergehenden Drogue überein, wird aber in zwei- bis dreimal sogrosser Dosis angewendet. In Virginien gebraucht man sie als Specificum beiKolik. Die Tinctur wird aus 1 Th. der Wurzel und 5 Th. verdünntem Wein-geist bereitet.

Apomorphinum liydrocliloiiciim.

ff Apomorphinum hydrochloricum, Apomorphinliydrocblorat, Chlorwasser-stoff-Apomorphin, salzsaures Apomorpliin, gewöhnlich mitApomorphin bezeichnet(C 34 H 17 N0 4 ,HC1 oder C 17 H 17 N0 2 HC1 = 303,5).

Darstellung. Die Umsetzung des Morphins in Apomorphin wurde 1869von Matthiesen und Wkight entdeckt. Diese Chemiker erhitzten Morphinmit einem Ueberschuss Salzsäure (1 Morphin u. 10 einer 25proc. Salzsäure)in zugeschmolzenen Röhren zwei bis drei Stunden auf 140150° C., ver-setzten dann den Röhreninhalt mit Natronbicarbonat bis zum geringen Ueber-schuss, schüttelten die Flüssigkeit mit Aether oder Chloroform schnell möglichstunter Luftabschluss aus und setzten der Aether- oder Chloroformlösung kleineMengen concentrirte Salzsäure hinzu. Das nun in Krystallen an die Gefäss-wandung angesetzte Chlorvvasserstoff-Apomorphin wuschen sie mit etwas kaltemWasser ab und liessen es aus der heissen wässrigen Lösung umkrystallisiren.Endlich machten sie die Krystalle über concentrirter Schwefelsäure trocken.Der Verlauf dieser Operationen ist nun keineswegs ein so einfacher, und zwarwegen der leichten Zersetzbarkeit des Apomorpliins im Contact mit der atmos-phärischen Luft. Es gehört ein besonderer Grad Gewandheit und Umsichtdazu, um ein befriedigendes Resultat zu erlangen. Die Ausbeute beträgt imgünstigsten Falle 10 Apomorphinhydrochlorat aus 100 Morphin. Die Darstellungdieses Mittels ist Aufgabe der chemischen Fabriken geblieben, welche ineiner öfter wiederholten Darstellung einige Routine erlangt haben. Es dauerteauch längere Zeit, ehe man ein ziemlich farbloses krystallinisches Präparat imHandel erlangen konnte.

Eigenschaften. Das Apomorphinhydrochlorat kommt amorph und auchkrystallisirt, oder als Gemisch beider Formen in den Handel. Farblos ist eshöchst selten, gewöhnlich mehr oder weniger grünlich grau. Es löst sich inungefähr 30 Theilen Wasser von mittlerer Temperatur und in circa 25 Th.Weingeist. Seine Identität ergiebt sich aus dem Verhalten gegen Luft, Lö-sungsmittel und Reagentien. Vergl. unter Apomorphin.

Apomorpliin ist eine farblose amorphe alkaloi'discke Substanz, welchesich aber an der Luft (unter Sauerstoffaufnahme) schnell grün färbt, dabeiweniger in Wasser löslich wird und damit eine smaragdgrüne Lösung giebt.Es ist dann in Weingeist ebenfalls mit grüner, aber in Aether und Benzol mitpurpurrother, in Chloroform mit violetter Farbe löslich.

Vom Morphin unterscheidet sich das Apomorphin zunächst durch seinegrössere Löslichkeit in Wasser und Weingeist, besonders aber durch die Lös-lichkeit in Aether, worin Morphin fast unlöslich ist.

Die wässrige oder weingeistige Lösung des reinen Apomorpliins ist farblos,wird aber an der Luft bald grünlich. Mit Salpetersäure giebt es eine blut-