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1 (1876)
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Anisum.

ropten sein und wird gewöhnlich mit dem Oele aus den Früchten gemischt inden Handel gebracht. Das "Russische Anisöl, welches aus Süd-Russlandzu uns gebracht wird, ist eine sehr geschätzte Waare und im allgemeinenauch die officinelle.

Das Anisöl ist bei 20° C. dünnflüssig, farblos oder von strohgelber Farbe.Es hat Anisgeruch und einen angenehm süsslichen, hintennach brennendenGeschmack. Das specifische Gewicht schwankt zwischen 0,976 und 0,985.Mit Jod fulminirt es nicht. In der Kälte erstarrt es mindestens schon bei+ 6° C. und enthält es viel Anisspreuöl, selbst schon bei + 15° C. zu einerkrystallinischen Masse. Dieses Erstarren hat seinen Grund in dem Gehalteeines Stearoptens, welches ungefähr den vierten Theil des Oels ausmacht.Das Stearoptens (Anethol, C 10 H 12 C>2), welches durch Abpressen des Elaeoptensbei 0° abgesondert werden kann, hat ein spec. Gew. von 1,014 und schmilztnngefähr bei 18°. Es -besitzt nicht den Geruch und Geschmack in dem Massewie das Anisöl und ist in Weingeist schwerer löslich als das Elaeopten. Anisölist in 5 Th. 90proc. Weingeist löslich, giebt mit einem 3,5fachen VolumPetroläther eine klare, mit dem 4fachen Volum eine trübe, in 10 Minuten klarwerdende, mit dem 5fachen Volum aber eine länger trübe bleibende Mischung.Im flüssigen Zustande verharzt das Oel an der Luft und verliert seine Eigen-schaft zu krystallisiren. Aus letzterem Grunde ist die Aufbewahrung des Anisölsin dicht geschlossenen Flaschen an einem kalten schattigen Orte nothwendig.

Prüfung. Die Reinheit ergiebt sich aus der Neigung des Oels, bei + 6bis 15° krystallinisch zu erstarren, durch völlige Flüchtigkeit beim Verdampfenund aus der Schwefelsäure-Weingeistprobe. Hier ist das Gemisch mit Schwe-felsäure zum Theil dick und dunkelroth, zum Theil klar und flüssig. Derdicke dunkle Theil bleibt, nach Zusatz des Weingeistes und dem Schüttelndamit, fest am Glase hängen, während die Weingeistschicht klar und kaumgefärbt erscheint. Das Ungelöste bleibt auch nach der Kochung ungelöst undverwandelt sich nach 1 2 Tagen in eine weissliche Masse. Das im Handelweit niedriger im Preise stehende Oleum Anisi stellatz verhält sich ebenso,dieses fordert aber zu seiner krystallinischen Erstarrung eine Abkühlung auf+ 2° bis 0°, und zu einer klaren Lösung weniger als 5 Th. Weingeist.

Zur weiteren Unterscheidung beider Oele giebt man in einen Probircylinder10 Tropfen des Oels, zehnmal soviel Aether und circa 0,15 Gm. Natrium-metall. Unter ruhiger Gasentwickelung hat sich, nach mehrmaligem Agitiren,in 4 5 Stunden eine klare Flüssigkeit mit einem Bodensatz gebildet. Vondiesen ist bei reinem Anisöl die Flüssigkeit farblos oder fast farblos, derBodensatz gelblich weiss, bei Gegenwart von Sternanisöl ist aber Flüssigkeitund Bodensatz gelb.

Anwendung. Das Anisöl wird zu 2 46 Tropfen oder zu 0,10,15 0,25 unter denselben Verhältnissen wie der Anis gegeben, entweder in Pul-vern mit Zucker oder Magnesia verrieben oder gelöst in Weingeist und Tink-turen. Für den äusserlichen Gebrauch verdünnt man es mit fettem Oele(1 auf 20 50). Als Salbe (l auf 10 Fett) hat man es früher gegen Kopf-läuse gebraucht. Seine Lösung in Oel oder Weingeist wurde gegen Scabiesempfohlen.

Das Anisöl ist ein sehr kräftiges Geschmackscorrigens, verdient aber auchals Mittel stinkende Gerüehe zu verdecken alle Beachtung, z. B. für Stinka-sand, stinkende Schwefelverbindungen.