Amylum.
337
II. Amylum Solani tuberosi, Kartoffelstärke, findet einen weit grösserenVerbrauch als die im Preise höher stehende Weizenstärke. Im Handel giebtes mehrere Sorten, welche sich nur durch einen verschiedenen Grad der Rein-heit und Weisse unterscheiden. Es unterliegt auch keinem Bedenken, einegute reine Kartoffelstärke für pharniaceutische Zwecke in Stelle der Weizen-stärke zu verwenden. Uebrigens ist sie das Material, aus welchem Pharma-copoea Germanica Dextrin bereiten lässt.
Die Eigenschaften der Kartoffelstärke sind bereits oben S. 333 angegeben,begleitet von der Abbildung ihrer Körnchen.
Die Kartoffelstärke wird wie die Weizenstärke zum Steifen der Wäsche,zum Leimen des Papiers, zu Appreturen und Schlichte in der Baumwollen-und Leinen - Industrie, zur Fabrikation von Nudeln, künstlichem Sago, inlän-discher Tapiocca, hauptsächlich aber zur Dextrin- und Stärkezuckerfabricationverbraucht.
Stärkekleister, Stärkekitt, wird iu folgender Weise bereitet: 10 Th.der Stärke werden in einem Topfe mit einer circa gleichgrossen Quantität kal-tem Wasser übergössen und mit einem Stabe zu einer milchähnlichen Flüssigkeitangerührt. Dieser Flüssigkeit werden nun unter beständigem Umrühren 100—150 Th. kochend heisses Wasser zugesetzt. Der consistentere Kleister wirdzu unbeweglichen Verbänden gebrochener Glieder gebraucht. Soll der Kleisterlängere Zeit sich haltbar erweisen, so vermischt man ihn warm mit 1 Th. ge-pulvertem Alaun oder Borax oder mit einem Gemisch aus 1 Th. gepulvertemAlaun und 0,5 Th. Carbolsäure. Ein Kochen des Kleisters stört dessen guteEigenschaften, insofern er. dann auf glatten Flächen getrocknet leicht abspringt.Will man seine Klebekräft vermehren, so setzt man der Stärke 5—10 Proc.Weizenmehl oder 15 — 20 Proc. Roggenmehl hinzu.
Animalisirter Kleister (nach Fr. Sieburger ) von starker Klebekraftfür Papier, Pappe, Leder, wird durch Mischung einer heissen Lösung von 4Th. Leim in 15 Th. Wasser und verdünnt mit 65 Th. heissem Wasser, mit einemheissen Stärkekleister aus 30 Th. Stärke und 200 Th. Wasser und Zusatzvon 2 Th. Carbolsäure bereitet. Er soll sich lange Zeit brauchbar erhalten.
Vegetabilisches Leim pulver von M. Hochstetter fand J. Geisse nuraus schlechter Kartoffelstärke bestehend.
Maranta Indica Roemer et Schult, Maranta arundinacea Linn ., inWestindien heimische, in Ostindien cultivirte Cannaceen.
III. Amylum Marantae, Arrow-root, Pfeilvvunelmelil, Marantastärke wird ausden mit häutigen Scheiden besetzten Wurzelstöcken jener Rohrgewächse iuähnlicher Art wie das Stärkemehl der Kartoffeln gewonnen. Die geschätzte-sten Sorten des Handels sind Bermuda-Arrow-root und St. Vincent-Ar-row.- root.
Unter dem Namen Arrow-root kommen aber auch noch andere ähnlicheStärkemehlarten in den Handel oder die Marantastärke ist damit vermischt,ohne dass damit eine Substituirung oder Verfälschung von Seiten der Verkäuferbeabsichtigt ist. Diese Stärkemehlarten, welche die Marantastärke ersetzen,sind weiter unten aufgeführt.
1. Marantastärke, Bermuda-Arrow-root, St. Vincent-Arrow-root, bildet ein mattweisses, geruch- und geschmackloses, sehr feinesPulver und nur unter der Lupe erkennt man kleine glänzende Bläschen. Siegiebt mit 100 Th. heissem Wasser einen geruch- und farblosen, durch-
Ilager, Pliarmac. Traxis I. 22