Druckschrift 
1 (1876)
Entstehung
Seite
187
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Aether pelargonicus. — Aether valerianicus.

187

Aether pelargonicus.

Aether pelargonicus, Pelaraonsiiiirc-Aethor, Weinäther (C 4 H 5 0, C 18 H 17 0 3 oderC 9 H 17 [C 2 H 5 ]0 2 = 186).

Darstellung. 10Th. Rauten öl (Oleum Rutae graveolentis) werden mit 30 Th.einer 6 — 7procentigen Salpetersäure in einem Kolben mit aufgesetztemGlasrohre (Rückflusskühler) bis zum Kochen erhitzt, nach beginnender Einwir-kung die Feuerung beseitigt, später aber wieder fortgesetzt und ein gelindesKochen längere Zeit unterhalten. Die Oelschicht wird dann abgenommen mitWasser gewaschen, mit Kalilauge gebunden, die Kaliverbindung durch ver-dünnte Schwefelsäure zersetzt und die gesammelte ölähnliche Pelargon-säure mit Wasser gewaschen. 100 Th. dieser Pelargonsäure werden in33 Th. 98proc. Weingeist in der Wärme gelöst und durch die auf circa50° erwärmte Lösung ein Strom Chlorwasserstoff getrieben. Der gebildetePelargonäther wird mit Wasser und Natroncarbonat entsäuert, mit Wasser ge-waschen und mit einem Fünftel seines Volums wasserfreiem Weingeist gemischt.Der Apparat zur Darstellung ist oben S. 181 angegeben.

Statt des Rautenöls kann man eine reine Oelsa ure in gleicherweise be-handeln und daraus Pelargonsäureäther oder Weinäther darstellen. In Englandsoll dieses Verfahren im Grossen in Anwendung kommen. Das Product solldem Pelargonsäure- oder Oenanthäther ähnlich sein.

Eigenschaften. Der Pelargonsäure-Aethyläther ist eine farblose, angenehmnach Quitten und Cognac und Wein riechende Flüssigkeit von 0,86 specifischemGewicht. Siedepunkt bei circa 207°.

QuittenesseiiA, Cognacessenz. Pelargonsäure-Aethyläther 1 Th. und Wein-geist 20 Theile werden gemischt.

Aether valerianicus.

Aether valerianicus, Valeriansäure-Aethyläther, Baldrianiither, Obstäther (C 4 H 5 0,Ci«H90 3 oderC 5 H 9 [C 2 H 5 ]0 2 = 130).

Darstellung. 100 Th. entwässertes Natronvalerianat, gewonnendurch Austrocknen des zerriebenen Natronvalerianats erst bei einer Wärmevon 25 — 35° C., später im Wasserbade, werden in einer tubulirten Retortemit einem Gemisch aus 85 Th. concentrirt er Englisch er Schwefelsäureund 50 Th. eines 95procentigen Weingeistes Übergossen und aus einemSandbade bei allmälig verstärkter Heizung der Destillation unterworfen. EineErhitzung des Sandbades über 145° ist sorgsam zu vermeiden. Das Destillatwird mit einem gleichen Volum Wasser und zerriebenem Natronbi c arbonatim geringen Ueberschuss gut durchschüttelt, nach dem Absetzen der Aetherabgehoben und nochmals mit einem halben Volum destillirtem Wasser geschüt-telt, nach dem Absetzen mittelst Scheidetrichters gesondert und nun mit einemFünftel seines Volums absolutem Weingeist gemischt aufbewahrt. Im Fallein Folge zu starker Erhitzung das mit Wasser gewaschene Destillat nach star-ker Verdünnung mit Weingeist keinen angenehmen Aepfelgeruch aufweist, oderwenn es gefärbt ist, muss es einer Rectification aus dem Sandbade unterworfenwerden. Ausbeute circa 110 Th.