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Acldum aceticum. — Liquor pyrotartaricus.
Aufbewahrung. Diese geschieht in gut geschlossenen Gefässen und mög-lichst geschützt vor Sonnenlicht. Nach langer Aufbewahrung wird die Flüssig-keit dennoch dunkelbraun nnd ist dann zu verwerfen.
Anwendung. Den rectificirten Holzessig gebraucht man in Fällen innerlich,wo man neben der Wirkung der Essigsäure auch noch eine antiseptische beab-sichtigt, auch zu Mund- und Gurgelwässern, Einspritzungen, Pinselsäften. Dosis0,5—1,0—2,0 einige Male des Tages in 20—30facher Verdünnung.
VII. Liquor pyro-tartaricus, Spiritus Tartari empyreumaticus, brenzlicheWeinsteinlliissigkeit, Weinsteingeist. Eine Flüssigkeit, welche viele der Be-standteile des Holzessigs, dann aber noch reichlich Brenzweinsteinsäureenthält.
Bereitung. Mit grobgepulvertem rohem Weinstein wird eine eiserne oderirdene Retorte zu 2 / 3 angefüllt und diese über freiem, nach und nach verstärktemFeuer, zuletzt bis zum Glühen erhitzt. Das in der geräumigen und gut abge-kühlten Vorlage gesammelte Destillat, wird durch wiederholte Filtration vondem brenzlichen Oele befreit und aufbewahrt.
Eigenschaften. Der Weinsteingeist bildet eine klare, rothbraune Flüssig-keit von eigenthümlich brenzlichem säuerlichem Gerüche und ähnlichem Ge-schmacke. Er ist etwas specifisch schwerer als Wasser. Bei vorsichtiger Ab-dunstung im Wasserbade hinterbleibt ein krystallinisclier Rückstand, welcherin starker Hitze ohne einen Rückstand zu hinterlassen sublimirt.
Anwendung. Der Weinsteingeist galt vor Zeiten als Excitans, Sudorificumund Diureticum, wird heute aber von den Aerzten nicht mehr gebraucht, da-gegen ist er in manchen Gegenden in der Mischung als Mixtura pyro-tartaricaein beliebtes Hausmedicament, besonders als schweisstreibendes Mittel. Dosis1,0—2,0—3,0 in Verdünnung.
Mixtura pyro - tartarica.
Mixtura simplex. Mixtura bezoardica.Mixtura de tribus s. diatrion. Shnplex-tropfen.
ty- Spiritus Angelicae compositi 120,0Liguoris pyro-tartarici 80,0
Acidi sulfurici concentrati 5,0.Misce. Sit liquor limpidus fuscus.
Diese Mischung vertritt gleichzeitigdie Mixtura pyro-tartarica cam-phorata. Dosis alle 2—3 Stunden einenTheelüffel mit Fliederthee.
Chemie u. Analyse. Die freie Essigsäure ist — 1) dureh den Geruch zuerkennen (Propionsäure hat jedoch einen ähnliehen Geruch), — 2) an denNebeln um den mit Aetzammon befeuchteten Glasstabe. — 3) Freie Essigsäureoder Acetate entwickeln mit Weingeist und concentrirter Schwefelsäure über-gössen den eigenthiimlichen Geruch nach Essigäther. — 4) Acetate oder mitNatron neutralisirte Essigsäure (auch Ameisensäuresalze) werden in ihrer Lösungdurch Ferrisalzlösung dunkelrotk gefärbt, welche Färbung durch freie Schwefel-säure oder Salzsäure wiederum verschwindet (Unterschied von der Mekonsäure).
— 5) Aus der mit Ferrisalz versetzten Lösung fällt Aetzammon Ferrihydrat.
— 6) Trocknes Acetat mit Arsenigsäure, beide in höchst kleiner Menge, imProbircylinder erhitzt entwickeln das unangenehm (knoblauchartig) riechendeKakodyloxyd (ebenso ein Butyrat mit Arsenigsäure). — 7) Freie Essigsäureverändern Lackmusblau in Violett. — 8) Völlig reine Essigsäure entfärbt Kali-hypermanganat nicht.
Die Acetate sind meist in Wasser und Weingeist leicht löslich, eine Aus-nahme machen Silber acetat und Mercuroacetat, krystallinische Nieder-schläge in einer Acetatlösung dureh Silbernitrat oder Mercuronitrat. Silber-acetat bedarf bei mittlerer Temperatur circa 100, Mercuroacetat circa 300 Th.Wasser zur Lösung (die entsprechenden Butyrate sind ebenso wenig löslich).