16
Acidum aceticum — Aceturn.
lata dargestellt. Er wird wie der Weinessig zur Bereitung mehrerer medici-nischen Essige, ferner besonders zu Saturationen verwendet.
Ean d'Hebe, Hygienie vinegar sind cosmetische Essige, filtrirte Mischun-gen von circa 1 Th. Eau de Cologne und 2 Th. reinem Essige.
IV. Acetum, Acetum crudura, Aeetum Yini, Essig, Weinessig (Aeq. Gew. circa1000—1060). Von den vielen Arteii Essig, welche in den Handel gebrachtwerden, soll nur der farblose oder etwas gelbliche Essig mit 5,66—6 Proc.Essigsäurehydratgehalt pharmaceutische Verwendung finden. Der käufliche Essig-sprit ist reicher an Essigsäure (enthält 7— 9 Proc. Essigsäurehydrat) undmuss durch Verdünnen mit Wasser auf einen Säuregehalt von 5,66—6,0 Proc.gestellt werden, so dass nach Vorschrift der Ph, Germ. 20 Th. einen Theilwasserleeren Natroncarbonats sättigen.
Der sogenannte Schnellessig oder Brantweinessig, der nach derMethode der Schnellessigfabrikation bereitete Essig, wird den Anforderungen,welche eine Pharmakopoe an einen guten Essig stellt, genügen. Weinessig,Malzessig, Fruchtessig, Bieressig sind im Allgemeinen von gelber bis brauner Farbe.
Prüfung. Die genügende Reinheit des officinellen Essigs ergiebt sich ausfolgenden Verhalten: 1) Der Verdampfungsrückstand sollte nicht 1 Proc.,2) der Aschengehalt nicht 0,01 Proc. übersteigen;*) 3) der Verdampfungsrückstanddarf keinen scharfen und brennenden Geschmack haben (scharfe Pflanzenstoffe).4) In einem Porcellankasserol giebt man 100 CC. Essig, dazu 0,1 Gm. Kartoffel-Stärkemehl mit etwas Wasser angerührt, bringt die Mischung unter Umrühren insKochen und erhält sie darin circa 30 Minuten. Färbt sich nach dieser Zeit eine Probeder Flüssigkeit auf Zusatz von Jodlösung nicht mehr blau, so sind mineralischeoder andere freie Säuren zugegen, welche nicht Essigsäure sind. Salzsäureund Salpetersäure würden sich zum Theil durch Destillation abscheiden, Schwefel-säure beim Eintrocknen mehrerer Tropfen Essig mit einem linsengrossen StückchenZucker in der Wärme des Wasserbades durch einen zurückbleibenden dunkel-braunen oder schwarzen Fleck erkennen lassen. 5) Mit einem dreifachen VoluinKalkwasser gemischt darf innerhalb von 5 Minuten keine starke Trübung ent-stehen (Oxalsäure, Weinsäure), 6) mit einigen Tropfen verdünnter Ferrichlorid-lösung sich keine violette oder schwarze Färbung einstellen (Gerbsäure), 7) mitSchwefelwasserstoffwasser versetzt keine weisse oder gefärbte Trübung einfinden.— Es ist bei der Prüfung wohl zu erwägen, dass im Essig alle Bestandtheileeines Brunnen - oder Quellwassers, und aus der Bereitung kleine Mengen Wein-säure, Milchsäure, Bernsteinsäure, Aepfelsäure vertreten sein können.
Die Bestimmung des Essigsäuregehalts geschieht am zweckmässigsten mitNormalammon (siehe Liquores volummetrici). Man giebt 51 oder 60 Gm. desEssigs, je nachdem man den Procentgehalt an Essigsäureanhydrid oder Essig-säurehydrat erforschen will, in eine weisse Porcellanschale, tingirt mit wenigenCC. Lakmustinktur und titrirt mit Normal-Ammon. Die Zahl des verbrauchtenCC. Normalammon durch 10 dividirt ergeben die gesuchte Procentzahl. Hatteman z. B. bei Verwendung von 60 Gm. Essig 57 CC. Normal-Ammon ver-braucht, so enthält der Essig 57 : 10 = 5,7 Proc. Essigsäurehydrat. Ist mannicht mit volummetrischen Vorrichtungen versehen, so wird man mittelst stat-methischen Normalammons das gewünschte Ziel erreichen.
Anwendung. Der Essig wird meist innerlich in Form von Saturationengegeben. Im Allgemeinen ist er ein Hausmittel und bereitet man daraus mit
*) In dem guten Speiseessige des Handels findet man gewöhnlich den Ver-dampfungsrückstand bis zu 2 Proc., den Aschengehalt selbst bis zu 0,03 Proc.,letzterer wahrscheinlich in Folge eines Zusatzes von etwas Kochsalz.