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PRUNER-BEY. — PRTJS.
Pruner-Bey, Franz P., wurde 8. März 1808 zu Pfreimdt in der Ober -pfalz geb., studirte Medicin in München, wurde Assistent des damaligen Klinikersvon Gkossi , der seine Ausbildung wesentlich förderte. Nach erlangtem Doctor-grad machte er eine Reise nach Paris, wo der berühmte Arzt Étienne Paeiset,den die Regierung nach Aegypten geschickt hatte, um den Ursprung der Pest zuuntersuchen, in ihm die Lust anregte, den Orient kennen zu lernen. Im Begriff,sich einer Gesellschaft anzuschliessen, die unter Führung des aus Regensburggebürtigen Naturforschers Karl Alex . Freih. yon Huegel Griechenland, Palästinaund Indien zum Zweck wissenschaftlicher Untersuchungen bereisen wollte, erhielter einen Ruf als Prof. der Anatomie an die med. Schule zu Abuzabel bei Kairo,dem er 1831 Folge leistete. In dieser Stellung gelangte er zu hohen Ehren undgrossem Einflüsse. Er wurde 1834 zum Director des Militärspitals zu Esbegyehund 2 Jahre darauf zum Director der Centraispitäler zu Kairo und zu Kasr-el-Ainernannt, als welcher er furchtbare Bubonenpest-, Typhus- und Choleraseuchen,die damals Aegypten verheerten, zu bekämpfen hatte. Ende 1839 wurde er Leib-arzt des Yicekönigs Abb as- Pascha mit dem Titel und Rang eines Bey. Allewissenschaftlichen Bestrebungen in Egypten fanden durch ihn werkthätige Unter-stützung und Förderuug. Eine 1839 erschienene Monographie über die Pest, einegleiche 1851 veröffentlichte über die Cholera: „Die Weltseuche Cholera und diePolizei der Natur" (Erlangen), besonders aber seine Schrift: „Die Krankheitendes Orients vom Standpunkte der vergleich. Nosologie betrachtet" (Erlangen1847) enthalten seine ausgedehnten epidemiologischen Beobachtungen. Er benutzteseinen Aufenthalt im Orient auch zu ethnograph. und anthropolog. Forschungen,von denen eine 1846 in München erschienene Abhandlung: „Die Ueberbleibselder altägyptischen Menschenracen", welche er in der dortigen Akademie derWissenschaften vortrug, Zeugniss ablegt. Seine erschütterte Gesundheit nöthigte ihnim J. 1860 Aegypten zu verlassen. Er setzte, nach Europa zurückgekehrt, seineethnograph. und anthropol. Forschungen zu Paris, und als er 1870 als Deutschervon dort vertrieben wurde, in Pisa fort. Daselbst beschäftigte er sich vorzüglichmit Messungen von Menschenschädeln und Studien über die Sprachen der Völkerund starb daselbst 29. Sept. 1882, nachdem er seine Manuscripte der kgl. bayer.Staatsbibliothek und sein beträchtliches Vermögen der Universität München zuStipendien für unbemittelte Studirende vermacht hatte. So hat der meist im Aus-lande lebende Gelehrte in seinem letzten Willen noch seine Liebe zur deutschenHeimath bethätigt und sich in derselben ein bleibendes, dankbares Andenken gesichert.
V. Gietl in Allgem. Zeitung. Jahrg. 1883, pag. 339. — C. v. Voit in den Sitz.-ßer. der bayer. Akad. d. Wissensch. Jahrg. 1883, pag. 241. Seitz
Prus, Clovis-Réné P., geb. zu Noyon 28. April 1793, begann dieRechte zu studiren, wandte sich aber bald zur Med., trat in den Dienst der Armee,machte als Chir. sous-aide den Feldzug von 1813 und die Schlacht bei Leipzigmit, liess sich nach dem Frieden in Gournay (Seine-Inférieure) nieder, kam 1826nach Paris, wurde daselbst 1827 Doctor mit einer Diss., die er weiter ausarbeiteteund die später u. d. T.: „Recherches nouvelles sur la nature et le traitementdu cancer de Vestomac 1 ' (Paris 1828) erschien, ohne jedoch, da sie auf blosseTheorie basirt war, einen erheblichen Werth zu besitzen. Er wurde darauf durchConcurs Arzt des Bicêtre und der Salpêtrière und machte daselbst gediegeneStudien über die Krankheiten der alten Leute, über die er Folgendes publicirte :„Recherches sur les maladies de la vieillesse 11 (Mém. de l'Acad. de méd., VIII) —„ De l'emphysème, considéré comme cause de mort" (Ib. X) — „Mém. sur lesdeux maladies connus sous le nom d'apoplexie méningée " (Ib. XI). Er hatteauch noch anderweitige Beobachtungen in anderen Zeitschriften publicirt, jedochseine ihm am meisten zum Ruhme gereichende Arbeit war sein: „Rapport àV Acad. roy. de méd. sur la peste et les quarantaines" (Paris 1846). Er erhieltnach diesem glänzenden Auftreten und nach Schaffung der Stellen der Sanitäts-Aerzte in den Hauptstädten des Orients, eine der wichtigsten, die in Alexandrien,