PAULUS.
513
Mitte des 7. Jahrhunderts in Griechenland, von wo er grosse Reisen, wie esheisst, auch in die Länder der Sarazenen, gemacht hat. Ueber seine Lebens-verhältnisse ist nichts Weiteres bekannt. Er ist Verfasser eines (noch vollkommenerhaltenen) medicinischen Compendiums „' Ettitouî ); iáTpodj? ßißXia sic toc ", welches,ähnlich den Sammelwerken des Oribasius und Aëtius , sich als Compilation an-kündigt, aber in dem 7., die Chirurgie behandelnden Buche von dem Verf. sehrselbständig bearbeitet ist und vieles demselben Eigenthiimliehe enthält, dahernicht nur für die Folgezeit bis weit in's Mittelalter hinein sowohl von den arabischen,wie von den abendländischen Chirurgen hochgeschätzt worden, sondern auch fürdas Verständniss der Geschichte der Chirurgie jener Zeit sehr wichtig ist. DieEpitome des P. ist eine der ersten, von den Arabern ( Honein ) übersetztengriechischen Schriften; der chirurgische Theil ist von Abulkasem fast vollständigwiedergegeben. Auch als Geburtshelfer stand P. bei den Arabern in hohem An-sehen, so dass sie ihm dem Titel „Alkawabeli", d. h. Geburtshelfer x.a-r èço/yjvbeigelegt hatten ; ob sich die Verehrung auf die Bekanntschaft mit einem gynä-kologischen Werke P .'s stützte, geht aus den arabischen Schriften nicht hervor.Bezeichnend für die Werthschätzung seiner Epitome unter den abendländischenAerzten ist der Umstand, dass dieselbe neben den Schriften des H ippokratesund Galenus das erste Werk war, welches (Venedig 1528 ; Basel 1538) in demUrtexte im Druck erschienen ist. In lateinischer Uebersetzung ist das ganzeWerk, sowie einzelne Stücke desselben, vielfach herausgegeben (vergl. hierzuChodlant 1. c.), in neuester Zeit ist auch eine englische Uebersetzung von Adams(London 1834) erschienen.
ß. A. Yogel, De Pauli Aeginetae meritis in medicinam, imprimisque chirurgiamprolusio. I, II. Gotting. 1768, 1769. — Chouiant, Handb. 2. Aufl., pag. 141—144.
A. Hirsch.
Paulus von Merida, ein griechischer Arzt, der im 6. Jahrhundert nachEmérita (Merida, Prov. Badajoz) gekommen und dort wegen seiner ausgezeichnetengeistigen und sittlichen Eigenschaften zum Bischof erwählt worden war, soll nachden Mittheilungen („De vita et miraculis patrum Emeritensium") eines übrigensvertrauenswürdigen Chronisten von dort, des Diaconus P a u 1 u s , in der Mitte des6. Jahrh. (zwischen 530 und 560) an einer Schwangeren den Kaiserschnitt aus-geführt haben. Heusinger , der auf diese Mittheilung zuerst aufmerksam gemachtund den Text derselben (in Janus, Zeitschr. f. Gesch. u. Liter, d. Med., 1846,I, pag. 7 64) gegeben hat, glaubt mit Recht, dass es sich hier nicht um eine Sectiocaesarea, sondern um Laparatomie bei Extrauterin-Schwangerschaft gehandelt hat.
Ueber die Chronik des Diaconus Paulus und die betr. Stelle vergl. auch Alexanderin Janus, 1847, II, pag. 618. A jj
Paulus Middelburgius, war 1445 in Middelburg geb., studirte in Löwenund scheint da nicht allein Medicin, sondern auch Mathematik studirt zuhaben, da Scaliger ihn als einen der vornehmsten Mathematiker seines Zeitalterscitirt. Darauf zog er nach Italien, wo er erst Leibarzt des Herzogs von Urbinound später selbst Bischof von Fossombrone, als welcher er zum Vorstande desLateranischen Concils erwählt wurde, geworden ist. Er starb zu Rom im Dec. 1534,während er die Messe celebrirte. Da er keine med. Schriften geliefert hat, könnenwir hier auf seine übrigen (theologischen) Arbeiten nicht weiter eingehen.
C. E. Daniels.
Paulus, Karl Christian Ludwig P., geb. zu Schorndorf in Württem-berg, studirte und promovirte 1797 in Jena mit der „Diss, sistens obs. febrisnervosae mflammatoriae", liess sich in Würzburg nieder, wo er kurze Zeit Prof.der Med. war, siedelte dann nach seiner Vaterstadt über und zog 1808 nachStuttgart. Zuletzt wohnte er in Besigheim, wo er 16. Jan. 1833 starb. Er ver-öffentlichte : „ Versuch einer Gesundheits-Erhaltungslehre" (Bamberg u. Würzburg1804)— „Darstellung einiger Hauptmomente aus ¿1er Heilkunde zur BildungpraJct. Aerzte" (Stuttgart 1811) — „Allgem. verständl. guter Rath, wie manBiogr. Lexikon. IV. 33