JUNGMANN. — JUNKER.
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die Prager Gebärklinik ohne Assistenten versehen und bis zum Jahre 1849 warenin derselben unter seiner Aufsieht über 50.000 Geburten, darunter sehr schwierige,vorgekommen. Er stiftete, mit nicht unerheblichen Zuschüssen aus eigenen Mitteln,auf der geburtshilflichen Klinik eine eigene Bibliothek und hielt dieselbe auf derHöhe der Wissenschaft. Bereits als Student der Medicin hatte er (1804) einLehrbuch für Hebeammen in böhmischer Sprache geschrieben, das 1842 in 4. Auf-lage erschien. In letzterer Sprache schrieb er ferner zwei thierärztliche Schriften(1826) und gab eine Uebersetzung von Paulitzky's „Hausarzt" (2. Aufl. 1850)heraus. Deutsch erschien von ihm: „Lehrbuch der Geburtshilfe 11 (2 Thle., Prag1812) — „Lehrbuch der Geburtshilfe für Hebeammen" (Ebenda 1824) —„Das Technische der Geburtshilfe, zum Gebrauche bei Vorlesungen überOperationen 1 ' (Ebenda 1824). Ausserdem verfasste er mehrere Abhandlungen überAnthropologie, Thierheilkunde und verwandte Gegenstände, betrieb auch Sprach-studien (Sanscrit, Czechisch) und schrieb als Historiograph der Facultät eineGeschichte ihrer Institute (Oesterr. med. Jahrbb., Bd. XXII). Iö4! hatte er denkaiserl. Rathstitel erhalten; 1850 wurde er auf sein Ansuchen in den Ruhestandversetzt und in den erbländischen Ritterstand erhoben. Er starb zu Prag am10. April 1854.
v. Wurzbach, X, pag. 316. — Cal Iisen, X, pag. 74 ; XXIX, pag. ]94. G.
Junius, Hadrian us J., eigeutlich Adriaan de Jonge , wurde am 1. Juli1511 in Hoorn geboren, ging nach Löwen, um Medicin und Philosophie zu studirenund zog zwei Jahre später auf Reisen durch Deutschland und Italien, um 1540in Bologna zum Dr. med. zu promoviren. Nachdem er darauf nach Parisgegangen, um unter Fernelius zu studiren, siedelte er 1542 nach London überund wurde Leibarzt des Herzogs von Norfolk, jedoch hauptsächlich mit derAbsicht, dessen Sohne eine wissenschaftliche Bildung zu geben. Sechs Jahre blieber da wirksam, darnach reiste er zwischen Holland und England hin und her undetablirte sich 1551 in seinem Geburtsorte, wo er jedoch nur kurze Zeit blieb,um darnach wieder in London und zum Schlüsse in Haarlem zu prakticiren.Auch dies gefiel ihm nicht und so nahm er 1562 den Vorschlag des Königs vonDänemark, den Unterricht des Kronprinzen zu übernehmen, an, jedoch kehrteer schon im folgenden Jahre nach Haarlem zurück, wo er zum Stadtarzte und zumRector der lateinischen Schule ernannt wurde, während im folgenden Jahre (1564)die „Staten van Holland" (Provinzial-Regierung) ihn zum Historiker ernannten,Als im Jahre 1573, bei der Belagerung seines Wohnortes durch die Spanier, seinganzer Bücherschatz verbrannt war, während er selbst zur Behandlung des PrinzenWillem I. sich in Delft befand, kehrte er nicht nach Haarlem zurück, doch wurdeer 1574 Stadtarzt zu Middelburg, wo er am 16. Juni 1575 starb. J. soll einsehr hervorragender Gelehrter gewesen sein, wie nicht allein aus dem Urtheilevieler grosser Männer, wie Lipsiüs u . A., hervorgeht (man nannte ihn „Das LichtHollands, die Zierde seines Jahrhunderts"), sondern noch mehr aus der grossenZahl seiner Schriften erhellt, von denen wir hier nur die wenigen medicinischenerwähnen: „Cassii Iatrosophistae medicae quaestiones" (Paris 1541) — „Com-mentarius de coma" (Basel 1556; Rotterdam 1708 ; holländisch: „Ouden trouwenraad tegen liet lang hair", Middelburg) — „Phallus ex fungorum genere"(Delft 1564; Leyden 1601), während die anderen literarischen und historischensich bei van der Aa aufgezählt finden.
van der Aa. C. E. Daniels.
Junker (Juncker ), Johannes J., zu Halle a. S., war am 23. September1679 in Lehndorff bei Giessen in ärmlichen Verhältnissen geboren, widmete sichseit 1697 in Halle dem Studium der Theologie und Philologie und wurde daraufals Lehrer am königl. Pädagogium in Hallo angestellt. Doch gab er diesen Beruf,beeinflusst durch die Ausbreitung der stahl 'sclien Lehren, auf, begann 1707 dasStudium der Medicin in Erfurt, und nachdem er nebenher, zur Bestreitung seiner