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JULIUS. — JUNG.
sittliche Zustände. Nach eigenen Anschauungen in den Jahren 1834, 1835und 1836" (2 Bde., Leipzig 1839). 1840 fand, wie schon erwähnt, seineBerufung nach Berlin statt; indessen wurden seine Erwartungen allmälig sehrherabgestimmt, da die Ausführung seiner Vorschläge in den verschiedenen Ministeriengrossen Schwierigkeiten begegnete; wohl aber fanden seine in dieser Zeit erschienenenSchriften die verdiente Anerkennung, namentlich die von ihm zusammen mitFriede. Noellner und G-eorg Varrentrapp herausgegebenen „Jahrbücher derGefängnisskunde und Besserungsanstalten" (6 Bde., Frankfurt a. M., Darmstadt1842—45). Er verfasste ferner: „Schleswig-Holsteins künftiges Strafsystem,u s. w." (Altona 1840) — „Beiträge zur britischen Irrenhtilkunde, aus eigenenAnschauungen im Jahre 1841" (Berlin 1844, m. 2 Taff.) und versah die vonA. y. Treskow übersetzte Schrift des Kronprinzen Oscar von Schweden: „UeberStrafe und Strafanstalten" (Leipzig 1841) mit einer Einleitung und Anmerkungen.1849 wurde er aus der Zahl der Angestellten des königlichen Cabinets, lediglichmit dankender Anerkennung seiner bisherigen Wirksamkeit, entlassen und kehrtenach Hamburg zurück, wo er die letzten 13 Jahre seines Lebens zubrachte, fort-während eifrigst mit schriftstellerischen Arbeiten beschäftigt und vielfach von Nahund Fern in Gefängniss- und IIospitalbau-Angelegenheiten consultirt. Es fällt indiese Zeit namentlich seine Uebersetzung von des Amerikaners George Ticknor„Geschichte der schönen Literatur in Spanien" (2 Bde., Leipzig 1852, 53) undeine Schrift: „Zeugnisse deutscher Irrenärzte für die Notwendigkeit einerbesonderen Irrenanstalt und gegen einen Anbau an das Allgemeine Kranken-haus in Hamburg, gesammelt" (Hamburg 1855). Am Abend seines Lebens (1850)sah er sich genöthigt, da im Laufe desselben sein früher nicht unbeträchtliches, ihmweniger zum Genuss, als zum Wohlthun dienendes Vermögen zusammengeschmolzenwar, seine äusserst werthvolle und umfassende, in 40 Jahren in Europa und Amerikazusammengebrachte Bibliothek zu versteigern. Dennoch blieb er thätig undarbeitsfroh bis an sein am 20. August 1862 erfolgtes Lebensende, nachdem ertestamentarisch eine Reihe von Wohlthätigkeitsanstalten im Hamburg mit Legatenbedacht hatte. — Der in ganz Europa und Nord-Amerika bekannte und berühmteMann war, wie ein Nachruf von ihm sagt: „einer der edelsten, reinsten, uneigen-nützigsten, aufopferndsten Charaktere . . . dabei aber voll unendlicher Milde gegenalle und jede Personen, gegen jeden ihm nicht geradezu verwerflich dünkendenStandpunkt", dagegen haben: „Mangel an kritischer Schärfe, an praktischemVerständniss der Verhältnisse, unbedingtes Vertrauen in den Einzelnen, . . . ihmin seiner friedfertigen aufopfernden Lebensbahn manche schwere Prüfung, mancheschmerzliche Täuschung verursacht, auch vielfach den Erfolg abgeschnitten oderdoch sehr vermindert."
Hans Schröder, III, pag. 513. — Alberti, I, pag. 426. — Beneke inAllgem. Deutsch. Biographie. XIV, pag. 686. •— Callisen, X, pag. 53; XXIX, pag. 190.
G.
Jung ( Jünge, Jüngiüs ), Joachim J. , gelehrter Arzt, Philosoph undMathematiker des 17. Jahrhunderts, war am 21. October 1587 in Lübeck geboren,bezog um 1606 die Universität zu Rostock zum Studium der Mathematik undging später nach Giessen, wo er den Lehrstuhl der Mathematik erhielt. 1614gab er diese Stellung auf, ging nach Augsburg zum Studium der Medicin undpromovirte 1618 in Padua zum Dr. med. Nach Rostock zurückgekehrt, erlangteer hier 1624 die Professur für Mathematik, ging aber, nachdem er ganz vorüber-gehend Professor der Medicin in Helmstädt gewesen war und eine Zeit lang alsArzt in Braunschweig prakticirt hatte, 1629 als Rector des Johanneums undGymnasiums nach Hamburg, wo er am 23. September 1657 starb. J. war einsehr bedeutender Mathematiker und Naturforscher, der von Leibniz in Bezugauf wissenschaftliche Bedeutung dem Copernicüs , Galilei , Kepler u . A. alsebenbürtig zur Seite gestellt wird. Uebrigens war J. einer der wichtigsten Ver-treter des durch Locke begründeten Sensualismus. Er schrieb: „Doxoloscopiae