ICARD. — IDELER.
339
Uber seine Operationen und die von ihm erfundenen Instrumente Mittheilungen inden Journalen von Vandermonde und Roux. Er starb im Vendemiaire des Jahres XII.
Audonard in Actes de la Soc. de medecine-pratique de Montpellier, annees 1804ä 18C6. Montpellier 1807, pag. 137. „
Vjr.
Icher, Pierre I., französischer Physiker, war am 11. Januar 1658 alsSohn eines Procurators der Rechnungskammer in Montpellier geboren. Er studirteAnfangs Literatur und Sprachwissenschaften in seiner Vaterstadt, widmete sichaber später physikalischen Studien und der Medicin auf der Genfer Akademie.1680 zum Dr. med. promovirt, begann er die ärztliche Praxis als Anhänger derPrincipien Barbeyrac's , musste aber bald aus Gesundheitsrücksichten der prak-tischen ärztlichen Laufbahn entsagen und nahm mit Eifer seine früheren sprach-und schönwissenschaftlichen Studien wieder auf. Er wurde einer der Gründer derSoeiete royale des sciences seiner Vaterstadt, um die er sich grosse Verdiensteerworben hat. Ausser zahlreichen wichtigen Randbemerkungen zu den Werken desAristophanes scheint I., der am 22. Mai 1713 zu Montpellier gestorben ist,keine Schrift von Bedeutung hinterlassen zu haben.
Biogr. med. V, pag. 325. Pgl,
Ideler, Karl Wilhelm I., ein Neffe des Astronomen und Mathematikersgleichen Namens, wurde zu Bendwisch bei Perleberg in der Mark Brandenburgam 25. October 1795 geboren, kam 1810 nach Berlin, wurde nach einem Jahremit noch ganz unvollkommener, weil unvollendeter Ausbildung in das FriedrichWilhelins-Institut aufgenommen, machte 1815 den Feldzug als Compaguie-Chirurgusmit und kam als solcher nach Paris. Nachdem er dann noch weiter seiner Militär-pflicht genügte, kehrte er 1818 nach Berlin zurück, um seine Studien wiederaufzunehmen und dabei den Abschluss seiner allgemeinen Bildung herbeizuführen,der früher versäumt worden war. 1820 promovirte er mit der Diss.: „De prin-cipio nervorum activo imponderabili", liess sich 1821 in Bernau als praktischerArzt nieder, siedelte aber bald nach Rathenow und dann nach Genthin über. Daer indessen weder grosse Neigung, noch besonderes Geschick zur Ausübung derärztlichen Praxis besass, vielmehr von einem unbesiegbaren Drange zur Lehrthätig 1 -keit erfüllt war, suchte er diesem mit aller Macht seines Strebens Genüge zuverschaffen. Er schrieb deshalb 1826 seine „Anthropologie für Aerzte" undwurde wirklich in Folge davon zum ärztlichen Leiter der Irrenabtheilung an derkönigl. Charite in Berlin berufen. Hier wurde er mit Laxgermann näher befreundetund von Demselben noch mehr in die Psychiatrie eingeführt, als es ihm bis dahinmöglich gewesen war. Im Jahre 1831 habilitirte er sieh als Privatdocent mit derAbhandlung: „De moxae efficncia in animi morborum medela". In demselbenund folgenden Jahre (1831, 32) erschien seine „Theorie der Heilhunde" und1835—38 sein „ Grundriss der Seelenheilkunde". Im Jahre 1839 wurde er zumProf. e. o. und 1840 zum Director der psychiatrischen Klinik ernannt, als welcherer schriftstellerisch in hohem Maasse thätig, aber sonst nicht gerade mit grossemErfolge wirkend, die letzten Jahre kränkelnd und hypochondrisch verstimmt, am29. August 1860 auf einer Erholungsreise zu Kumlosen, in seiner heimathlichenPriegnitz, an den Folgen eines Schlaganfalles verschied. — I. war eine durchausideale Natur und legte dies auch in seiner Auffassung der Psychosen, beziehungs-weise der Psychiatrie an den Tag. Zwar hielt er das Gehirn für die Werkstättedes denkenden Geistes und seinen Zustand nicht für gleichgiltig für diesen, ja dieBethätigung desselben geradezu für abhängig von jenem ; dennoch waren ihm dieGeisteskrankheiten gewissermassen nur Verirrungen des Geistes selbst, Ausschrei-tungen der Leidenschaften, bezüglich deren Folgen, für welche er so. gut wieallein verantwortlich sei. I. nimmt damit eine ganz eigene Stellung in derPsychiatrie ein, doch hat er trotz seiner äusseren Stellung wenig Anklang gefundennnd kaum Schüler und Nachfolger von einiger Bedeutung gehabt. Unter seinenvielen Schriften sind noch zu nennen: „Allgemeine Diätetik für Gebildete"
22*