712
GUYTON-MORYEATI. — GWINNE.
Guyton -Morveau , Louis Bernard G.-M., geboren zu Dijon am4. Januar 1737, wandte sich der juristischen Laufbahn zu und wurde 1755General-Staatsanwalt zu Dijon. Daneben aber trieb er mit Vorliebe physikalischeund chemische Studien und übersetzte unter Anderem die Werke von Bergmann,Scheele und Black . 1773 entdeckte er die desinficirende Kraft des Chlor,worüber er „Nouveau moyen de purifier absolument et en tres-peu de ternpsune masse d'air infectee" (Dijon 1775) veröffentlichte; später fasste er seineersten und weitere Versuche darüber in der Schrift „ Traite des moyens de des-infecter Vair, d'euiter la contagion ou d'en arreter les effets" (Paris 1801;3. edit. 1805 ; deutsch von F. H. Martens , 1805) zusammen. Als Kanzler derAkademie von Dijon richtete er 1774 öffentliche Vorlesungen über Mineralogie,Medicin und Chemie ein und las selbst über den letzteren Gegenstand. Den Bodendazu ebnete er durch die Veröffentlichungen: „Digressions academiques, ou essaissur quelques sujets de physique, de chimie et d'histoire naturelle" (Dijon etParis 1772) und „Defense de volatilite du phlogistique" (Dijon 1772), doch gaber die in der letzten Schrift vertheidigte Stahl'scIic Theorie schon in seinen„f'Aiments de chimie tldorique et pratique rediges dans un nouvel ordre" (Dijon1776—77) auf. 1782 schlug er einen Plan zu einer methodischen Nomenclaturder Chemie vor und Lantoisier vereinigte sich mit ihm und Anderen (L aplace,Monge, Berthollet und Fourcroy ) zur Herausgabe der „Methode d'une nomen-clature chimique" (Paris 1787). Nach dem Ausbruche der Revolution betheiligteer sich eifrigst am politischen Leben, vernachlässigte aber darüber seine Studiennicht; er stellte Versuche über die Lenkbarkeit des Luftballons an, wandte siean, um Wasser aus Bergwerken zu heben und suchte sie im Kriege auszunützen;1794 vervollkommnete er die Herstellung von Pulver und Salpeter, schrieb überdie Verbrennung des Diamanten, stellte Untersuchungen über den Cement an, wieüber die Krystallisation im Allgemeinen und über die der Metalle im Besonderen u. a. m.Er wurde Professor und Leiter der Fcole polytechnique, bei deren Gründung erwesentlich betheiligt war und war von 1800—1814 Direetor der Münzen, welchesAmt er nach der Restauration verlor. Er starb am 2. Januar 1816. Ausser dengenannten Schriften, einem grösseren Gedicht und juristischen Arbeiten veröffentlichteer noch den I. Band des „Dictionnaire de chimie de VEncyclopedie par ordredes matieres" (1786) und eine grosse Reihe in Zeitschriften erschienener Artikel.
Louvet in Nouv. biogr. T. XXIt, pag. 968 ff. —- Hoefer, Hist. de la chimie.pag. 123 — Biogr. med. IV, pag. 555. y
Gwinne , Matthew G., in London, war daselbst geboren, studirte inOxford, wo er 1593 Doctor und bei der Gründung des Gresham College der ersteProfessor der Medicin wurde und von 1598 an Vorlesungen hielt. Im College ofPhysicians bekleidete er von 1600 an verschiedene Aemter, wurde 1605 Physiciandes Tower. 1607 legte er seine Professur nieder und begann in London zuprakticiren. Er starb im October oder November 1627. Unter seinen Schriftengehört kaum eine der Medicin an, vielmehr bestehen dieselben in Festreden, einerTragödie, Versen, oder sind chemischen und magischen Inhalts u. s. w.; anzuführenvon denselben wäre vielleicht: „Aurum von a.urum, sive adversaria in asser-torem chemiae sed verae medicinae desertorem, Fr an. Anthonium"(London 1611).
Aikin, pag. 218. — Hutchinson, I, pag. 391. — Münk, I, pag. 118.
G.
oqpso
Druck von Gottlieb Gistel &, Cie. Wien, Stadt, Augustiiierstrasse 12.