GIRTANNER. — GISSLER.
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Kritik giebt, die er mit den Worten schliesst: „Nunmehr, da ich meinenmächtigen Gegner durch die Waffen der Vernunft bekämpft und ihn so zu Bodengeworfen habe, dass er nicht wieder aufstehen kann, trete ich mit dem angenehmenGefühle des Siegers vom Kampfplätze ab und hänge gleich den Gladiatoren desalten Roms meine Waifenrüstung auf." In seiner ersten medicinisehen Arbeit:„Abhandlung über die venerischen Krankheiten" (3 Bde., Göttingen 1783—89;2. Aufl. 1793 ; 3. Aufl. nur der erste Band von Cappel mit Noten. Göttingen1802 herausgegeben) vertritt er, auf fabelhafte Gerüchte gestützt, die Ansichtvon dem amerikanischen Ursprünge der Krankheit und erlaubt sich dabei dieunwürdigsten Ausfälle gegen Hensler, wegen deren er sich in der 2. Auflageder Schrift entschuldigt. Später hat er „Abhandlungen über die Krankheitender Kinder" (Göttingen 1794) und zuletzt „Ausführliche Darstellung desDarwinschen Systems der praktischen Heilkunde, nebst einer Kritik des-selben" (2 Bde., Göttingen 1799), demnächst auch einige Artikel in der vonBlumenbach herausgegebenen medicinisehen Bibliothek, in Hufeland's Journalund einigen anderen medicinisehen und chemischen Zeitschriften veröffentlicht. —G. hatte sich eine, wenn auch nicht tiefgehende, doch viel umfassende Bildungangeeignet, auch zeichnete er sich durch ungewöhnlichen Fleiss aus, aber dieseEigenschaften wurden durch Eitelkeit, welche ihn wiederholt dazu verführte, sichfremde Leistungen anzueignen und fremde Verdienste für sich auszubeuten, durchLeichtsinn in der Forschung und in der Aufstellung mangelhaft begründeterHypothesen und durch sein stürmisches, rücksichtsloses, zumeist ganz unberechtigtesAuftreten gegen seine wissenschaftlichen Gegner verdunkelt. „Noch nie," äussertsich ein Kritiker ironisirend über ihn, „hat ein Mensch, auch in der längstenLebensperiode, so viel Neues gesagt, so viel erfunden und entdeckt als HerrGirtanner in wenigen Jahren." — Denselben Charakter, wie seine medicinisehen,tragen auch seine chemischen Arbeiten, die ebenfalls reich an willkürlichen Be-hauptungen und Hypothesen sind. Das Verdienst kann ihm allerdings nicht ab-gesprochen werden, dass er nächst IIermbststädt der Erste gewesen ist, der durchseine „Anfangsgründe der antiphlogistischen Theorie" (Göttingen 1792; 2. Aufl.Ebenda 1795) die deutschen Gelehrten mit dem Systeme Lavoisier's bekanntgemacht hat.
Allgemeine Deutsche Biographie, IX, pag. 190. A. Hirsch.
Griseke, Paul Dietrich G., geboren 1745 in Hamburg, studirte undpromovirte in Göttingen und war Arzt seiner Vaterstadt bis zu seinem Lebensende,am 26. April 1796. Seine zahlreich hinterlassenen Schriften betreffen fast nurGegenstände aus dem Gebiete der Botanik, welche sein Lieblingsstudium war.Ausserdem gab er anonym heraus: „Abhandlungen und Beobachtungen ausder Arzneygelahrtheit, von einer Gesellschaft von Aerzten in Hamburg"(Hamburg 1776).
Biogr. med. IV, pag. 434. • P g 1.
Grissler, Nils G., Lehrer der Naturgeschichte und Logik in Hernösand(Schweden), geboren den 22. Februar 1715, studirte in Upsala Chemie, Pharmacieund Medicin, wurde 1744 Doctor der Medicin und 1743 zum Lehrer am oben-genannten Gymnasium ernannt. Er starb den 19. November 1771. Bei demdamaligen Mangel an Aerzten in den nördlichen Theilen Schwedens, war er einsehr beschäftigter und gesuchter Arzt. Er hat über die landwirthschaftlichen undnaturgeschichtlichen Verhältnisse des nördlichen Schwedens zahlreiche werthvolleMittheilungen in den Verhandlungen der schwedischen Akademie der Wissenschaftengemacht und hat genaue meteorologische Beobachtungen mehrere Jahre lang angestellt.Er hegte die Hoffnung, das Vorkommen und Auftreten gewisser Krankheiten inVerbindung mit meteorologischen Erscheinungen finden zu können. Zu Hernösand(62 1 /. 2 Grad n. Br.) hatte er einen botanischen Garten angelegt. q Hielt