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2 (1885) Chavet - Gwinne
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GIRSZTOWT.

GIRTANNER.

Girsztowt, Polycarp G., geboren am 15. Februar 1827 zu Hrynkiszkibei Rosienie in Lithauen, studirte in St. Petersburg, wo er 1852 promovirt wurde.In den Jahren 18531856 war er während des Orientkrieges als Militärarzt inder Krim thätig, nachher wurde er Assistent iu der chirurgischen Klinik ProfessorN emmert's in St. Petersburg. Im Jahre 1857 wurde er als ausserordentlicherProfessor der Chirurgie nach Warschau berufen, seit 1860 war er ordentlicherProfessor und seit 1871 Director der chirurgischen Klinik daselbst, er starb am12. November 1877 in Folge einer schweren Wunde, welche ihm die Hand einesMeuchelmörders einige Tage zuvor beigebracht hatte. Wenn auch G. als Operateurnicht zu den ersten Grössen gezählt werden kann, so hat er sich doch als treff-licher Lehrer die grössten Verdienste erworben, und durch seinen Tod hat dieWarschauer Universität einen sehr schweren, kaum zu ersetzenden Verlust erlitten.G. war der beliebteste Lehrer der Hochschule, trotzdem er oft schroff und barschauftrat, aber durch seine Herzensgüte und durch sein eifriges Streben, seineWissenschaft den Schülern zugänglich und lieb zu machen, gewann er alle in derkürzesten Zeit. Auch um die polnische medicinische Literatur hat sich G. unver-gessliche Verdienste erworben, er schrieb ziemlich viel, ausschliesslich in polnischerSprache und veröffentlichte seine Aufsätze in derGazeta lekarska" und imPamietnik Towarzystwa lekarskiego". Im Jahre 1866 stiftete er ein ärztlichesWochenblattGazeta lelcarska" und leitete es bis zu seinem Tode; er verstandes, dafür die besten Kräfte zu gewinnen. Ein anderes grossartiges Unternehmenwar die Herausgabe seinerBiblioteka umiejqtnosci lekarskich" (Bibliothek derärztlichen Wissenschaften), einer Reihe von guten Handbiicheru (theils Original-arbeiten, theils Uebersetzungen), welche die gesammte Medicin umfassen sollten,bereits waren 20 Bände erschienen, als ihn der Tod ereilte, und das nützlicheUnternehmen, welchem er viel Arbeit und Geld geopfert hatte, blieb unvollendet.

K. & P.

Girtanner, Christoph, den 7. November (oder December) 1760 inSt. Gallen geboren, hatte in Göttingen Medicin studirt, daselbst 1783 die Doctor-würde erlangt und sich darnach als praktischer Arzt in seiner Vaterstadt nieder-gelassen. Nach einer grösseren wissenschaftlichen Reise durch die Schweiz, Frank-reich und England ging er nach Göttingen, wo er Privat Vorlesungen hielt, ohnejedoch in eine amtliche Beziehung zur Universität zu treten, in Anerkennungseiner politischen Schriften vom Herzog von Coburg-Gotha zum Geheimen Hofratheernannt wurde und daselbst am 17. Mai 1800 gestorben ist. G. hat sich fast nurliterarisch beschäftigt und dabei eine sehr umfassende, wenn auch wenig frucht-bare Thätigkeit, und zwar nicht bloss in verschiedenen medicinischen und anderenwissenschaftlichen Gebieten, sondern auch als Politiker entwickelt. Dem grösserenPublikum machte er sich durch seine zahlreichen Arbeiten über die französischeRevolution bekannt, in welchen er als Legitimist und Gegner der revolutionärenBewegungen auftrat, in der medicinischen Welt debutirte er mit einem Plagiat,welches seine Moralität in einem wenig günstigen Lichte erseheinen liess. Währendseines Aufenthaltes in Edinburg war er mit dem BßOWN'schen System der Medicinbekannt geworden, und unmittelbar nach seiner Rückkehr nach Deutschland truger diese Lehre (im Journal de physique, 1790, Vol. XXXVI, Tom. I, 422 undTom. II, 134), wenn auch einigermassen modificirt, als eigene Erfindung vor undohne B roavn's mit einem Worte zu gedenkeu; dass er damit die Absicht verband,sich dem deutschen Publikum als Autor des Systems zu präsentiren, geht daraushervor, dass er in einer Notiz in den Göttinger Nachrichten erklärte, seine Lehrehätte in Edinburg Aufsehen erregt und Beifall gefunden. Erst im Jahre 1795wurde dieses Falsum durch W eikard aufgedeckt und durch die Polemik, welchesich nun zwischen Beiden entwickelte, wurde das deutsche ärztliche Publikum zuerstgenauer mit dem Brownianismus bekannt. Nun trat G. mit seinerAusführlichenDarstellung des Brown 1 sehen Systems der praktischen Heilkunde u. s. w."(2 Bde., Göttingen 1797, 1798) auf, in welchem er eine dasselbe vernichtende