FABRICE. — FABEICIUS.
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und schrieb eine „Prolusio de cystocele vaginali" (Norimb. 1802, 4.). Nachder Aufhebung der gedachten Universität wurde er 1809 königlich bayerischerLandgerichts-Physicus und verfasste noch: „Media.-chirurgische Bemerkungenund Erfahrtingen" (Nürnberg 1816). Er starb am 9. September 1833.
v. Wurzbach, Bd. IV, pag. 129. — Callisen, Bd. VI, pag. 152; XXVII r, pag. 3.
Gr.
Fabricius, Hieronymus F., nach seiner Geburtsstadt gewöhnlich„ab Aquapendente " genannt, oder Girolamo Fabrizj (Fabrizi, Fabrizio),wurde im Jahre 1537 in Acquapendente (Aquila Tuscia) bei Orvieto in densüdlichen Ausläufern des Apennin als Sohn armer Eltern geboren. Seine humanistischeAusbildung (alte Sprachen und Philosophie) erhielt F. in Padua. Gerühmt wirdsein scharfer Verstand, der, was bekanntlich selten, mit einem ausgezeichnetenGedächtnisse sich verband. Auf der Universität Padua wurde F. Schüler desberühmten Anatomen Falloppio , mit dem er auch bald in innige persönlicheBeziehungen trat. Die Früchte des häuslichen familiären Verkehrs mit Falloppiosoll F. in „Commentaren" gesammelt haben, die uns verloren gegangen zu seinscheinen. Ausserdem assistirte er seinem Lehrer bei chirurgischen Opera-tionen und sonstigen praktisch-medicinischen Hilfeleistungen, vor Allem aberbei den damals noch selten vorkommenden anatomischen Sectionen. Nachdem F.in Padua den Doctorhut erworben, prakticirte er einige Jahre dort als Arzt undbesonders als Wundarzt, behielt aber sein Hauptaugenmerk auf die Anatomiegerichtet. Nach dem Tode seines Lehrers Falloppio (1565) wurde er, zunächstals Dissector, sein Nachfolger im anatomischen Lehramte, während anfangsHieronymus Cappivaccius als Lector fungirte. Später erbaute F. auf seine Kostenein grosses anatomisches Theater, in dem er unter gewaltigem Zulauf von Studirendeiiaus Italien und dem Auslande, besonders aus Deutschland, seine Sectionen anstellte.E* wurde ihm von der Republik Venedig ausser dem Lehrstuhl der Anatomieauch noch der der Chirurgie übertragen, welche beiden Aemter er, gleichzeitigals praktischer Wundarzt mit grossem Erfolge thätig, lange Jahre verwaltete.1604 wurde F.'s Schüler Casserio auf des Ersteren Wunsch sein Nachfolger imLehramte. F. scheint indess bis zu seinem Tode noch praktisch und literarisch thätiggewesen zu sein. Er starb am 20. Mai 1619. — Besonders gegen Ende seinesLebens, von der Wende des 16. Jahrhunderts an, hat F. eine grosse Anzahl vonanatomischen, embryologischen, physiologischen und chirurgischen Arbeiten ver-öffentlicht, in denen theilweise Entdeckungen ersten Banges mitgetheilt wurden.Die bis in die neuere Zeit ihm meist zugeschriebene und merkwürdigerweise vonihm selbst in Anspruch genommene Entdeckung der Venenklappeu ist allerdings,wie eine unparteiische Durchforschung der älteren Anatomen aus der Mitte des16. Jahrhunderts ergiebt, n i c h t sein Verdienst. Sehen wir ganz von Erasistratosab, so sahen die Venenkl-ippen vor F.: Charles Estiennes in der Azygos,Giovan Battista Cannani an derselben und einigen anderen Venen. Fernerhaben die Venenklappen vor F. noch gesehen und zum Theile beschrieben: Sylvius,Vesalius, Eustachius, Amatus Lusitanus und Paulus Carpi (Cerpa, PaulusVenetus ), dessen Anregung F. vielleicht die erneute und gründliche Untersuchungdieser Frage verdankte. Dagegen soll F. das Verdienst ungeschmälert bleiben, dieVenenklappen zuerst monographisch behandelt und vor Allem ziemlich richtigabgebildet zu haben. Dass er trotzdem das Blut in den Venen nach der Peripherieströmen lässt, erscheint heute sonderbar. Harvey war ein Schüler F.'s. — Dieunsterblichen Verdienste F.'s liegen auf dem Gebiete der Entwicklungs-geschichte. Er ist der Erste gewesen, der hier vergleichend-anatomisch resp.vergleichend-enibryologisch verfuhr. In seinem auffallenderweise wenig im Originalbekannten, oft falsch citirten, oft auch mit einem anderen Werke verwechseltenOpus „De formato foetu" (vgl. unten) hat F. die Entwicklung des Embryo undder Eihäute bei einer grossen Reihe von Säugethieren (Mensch, Kaninchen,Meerschweinchen, Maus, Hund, Katze, Schaf, Schwein, Pferd, Rind, Ziege, Hirsch,
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