BERZEL1US.
im Verein mit einigen anderen Aerzten im selben Jahre die schwedische ärztlicheGesellschaft. Nachdem er 1808 das Herausgeben eines grossen Werkes, desLehrbuches der Chemie (Bd. I—VI, 1808- 1830), angefangen hatte,welches in die meisten europäischen Sprachen übersetzt wurde, und nachdem er12 Jahre lang alleinstehende mineral-aualy tische und physiologisch-chemische Unter-suchungen veröffentlicht hatte, stand er auf dem Gipfel seines Ansehens. Mitgliedder schwedischen Wissenschaftsakademie 1808 , wurde er deren Präsident schon1810 und deren beständiger Secretär 1818. Er besuchte England 1812, wurde1817 zum Professor in Berlin als Nachfolger Klaproth's berufen und 1818 inden Adelsstand erhoben. Er gründete die nunmehr äusserst werthvolle mineralogischeSammlung der schwedischen Wissenschaftsakademie und gab pünktlich 1821—1847einen vollständigen und theilweise sehr ausführlichen Bericht über sämmtlicheim Laufe des Jahres herausgegebenen chemischen Schriften heraus, eine Arbeit,die mit ihren 26 Bänden nicht nur den Ueberblick Uber die sehr weitläufigechemische Literatur erleichtert, sondern dieselbe auch wissenschaftlich prüft. Krbesuchte Frankreich 1818, Karlsbad 1822 seiner Gesundheit wegen, welcherletztere Besuch Veranlassung zu einer Analyse des Mineralwassers dieses Orteswurde, iu welchem er mehrere vorher darin nicht entdeckte Bestandteile fand.Noch einige Male besuchte er sowohl Deutschland als Frankreich, widmete auchseine Wirksamkeit mehreren öffentlichen Angelegenheiten, erhielt vom König KarlJohann 1836 am Tage seiner Vermählung mit der Tochter des StaatsrathesP o p p i u s das Freiherrndiplom , wurde speciell wegen seiner Behandlung derwissenschaftlichen Sprache einer der „Achtzehn" der schwedischen Akademie undwar Mitglied von 81 ausländischen gelehrten Gesellschaften. Er starb kinderlosden 7. August 1848. Sein ehernes Standbild von Zvarn ström wurde in Stock-holm 1858 enthüllt.
B.'s Ausdauer und Arbeitskraft waren unglaublich gross. Die Klarheit undSchärfe, mit der er die factischen Entdeckungen für sich selbst sprechen lässt.sind mustergültig'. Er ging nie eher von einer älteren zu einer neueren Ansichtin der Wissenschaft über, als bis er fand, dass sichere Gründe für die letzterenals für die ersteren aufgestellt werden konnten. „Um über B.'s Arbeiten eineselbständige Uebersiclit zu geben", sagt Kopp in seiner Geschichte der Chemie,„miisste man das ganze Gebiet der Chemie durchgehen; es giebt keine einzelneLehre in dieser Wissensehaft, zu dessen Ausbildung er nicht beigetragen hat, esgiebt keinen einfachen Körper, für dessen Verbindungen durch B. nicht besondersbessere Erkenntniss erlangt worden ist." Er ersann und wendete mit seltenerConsequenz die elektrochemische Theorie an, welche während der ersten Hälftedieses Jahrhunderts in der Chemie alleinherrschend war, und in Uebereinstiminunghiermit bildete er eine neue Nomenclatur und Classification der chemischen Ver-bindungen , welche wahrscheinlich einen bestehenden Werth haben werden. Erentdeckte Selen, Coriuni und Thorium, er stellte < 'alciuni, Barium, Strontium,Tantal, Silieium, Zirconium zuerst als einfache Körper dar und untersuchte ganzeClassen von Verbindungen; er begnügte sich nämlich liicht mit dem blossen Auf-suchen vereinzelter Facta, sondern er streckte seine Untersuchungen immer übergrössere Gebiete aus. Seine Darstellung der Lehre von den bestimmten chemischenProportionen wird jedoch sein grösstes wissenschaftliches Verdienst ausmachen, undin Zusammenhang hiermit stehen seine Atomgewichtsbestimmungen, die bis dahingenauesten. Er reformirte auch die Mineralogie, indem er für diese Wissenschaftdie neuentdeckten Gesetze chemischer Verbindungen anwendete, und bereicherteunsere Kenntniss der Mineralien durch äusserst genaue Analysen nach neuen, vonihm ausgearbeiteten Methoden. Seine 1820 herausgegebene Schrift „Om bläsröretsanvändande i kemien och mineralogien" wurde auch in's Deutsche übersetzt(Von der Anwendung des Löthrohrs in der Chemie und Mineralogie, Nürnberg,4. Aufl., 1844), wie auch in's Französische, Englische, Italienische und Russische.Auch auf dem Gebiete der organischen Chemie war der Einfluss B.'s sehr gross.