VERWANDTSCHAFT — VORGEFÜHL 313
liden erblickt. Der Eindruck war sehr heftig gewesen, doch hatte sie spä-ter dessen nie mehr gedacht. Dennoch fand sich jetzt diese Missbildungbei ihrem Kinde genau so vor, wie sie bei dein invaliden sieh zeigte. —Iis spricht dieses Beispiel um so kräftiger für den Eiufluss der Psyche aufdie Formation, da beim Embryo sich die oberu Extremitäten zuerst mitihren Händchen hervorbilden und Ober- und Vorderarm alimäiig nachwach-sen. — 2) Die Frau des Musikers VV. wurde von einem Kinde entbunden,das eine Hasenscharte hatte. Auch dieser Frau war gegen den dritten Mo-nat ihrer Schwangerschaft ein Bettler mit diesem Bildungsfehler plötzlichvor Augen getreten. Sie konnte während ihrer ganzen Schwangerschaftdieses, ihr so widrige Bild nicht los werden und sprach zum öftern vollBesorgniss davon, dass gewiss ihr Kind einst diesen Fehler mit zur Weltbringen würde, wie leider die Folge es zeigte. (Dr. C. A. Tutl.~)
Verwandtschaft» Cogr.ation, Blutsverwandtschaft istdie Verbindung mehrerer Personen, welche sich auf Einheit des Bluts ( jussanguinis') gründet, indem sie entweder von einander (Blutsverwandtschaftder geraden Linie) oder sämmtlich von einem Dritten abstammen. (Bluts-freundschaft der Seitenlinie). Die Verwandten der geraden Linie führennach oben (Linea superior) den Namen Ascendenten, nach unten (Lineainferior) den Namen Descendenten, wobei die Römer unter parentesalle Ascendenten und unter liberi alle Descendenten begreifen, was manauch wol auf die deutschen Ausdrücke Eltern und Kinder übertragen muss,wenn gleich der Ausdruck Vater und Mutter, Söhne und Töchter beschränktist. Linter mehreren Descendenten findet sich auch noch der Unterschiedzwischen Erst- und Nachgebornen, welcher selbst bei Zwillingen durch diefrühere Geburt bestimmt wird, wenn gleich das römische Recht keine Vor-rechte des Erstgebornen anerkennt (s. Primogeni t n ra). Die Blutsfreundeder Seitenlinie (Linea transversa) heissen Seitenverwandte, unter wel-chen die Geschwister die nächste Stelle einnehmen, tbeils die Vollbürtigenvon denselben Eltern, theils die Halbbürtigen, blos von demselben Vateroder blos von derselben Mutter, wobei der Ausdruck Geschwister immerBeide umfasst. Die Nähe der Blutsfreundschaft bestimmt sich durch dieZahl der zwischen zwei Personen in der Mitte liegenden Zeugungen (gradus),wobei in der Seitenverwandtscbaft eine Zusammenrechnung der Grade bei-der Linien eintritt. Die mögliche Erzeugung in oder ausser der Ehe be-gründet die Unterscheidung der ehelichen und unehelichen Verwandtschaft,worauf auch die Eintheilung der Kinder in die ehelichen (justi, legitimi)und in die unehelichen (spurii, vulgo quaesiti , sog. illegitimi), und wennsie aus einer Blutschande oder einem Ehebruche herrühren (bei den Neue-ren: incesluosi, adullerint) beruhet, zwischen welchen die Kinder aus demConcubinat ( naturales ) in der Mitte stehen. (Vergl. Jus civile. Th. I.S. 975.) Lässt sich über die Beschaffenheit der Verwandtschaft nichts aus-initteln, so ist die eheliche anzunehmen. In Rücksicht der Mutter und derenVerwandte, ist zwischen ehelicher und unehelicher Verwandtschaft kein Un-terschied (mater Semper certa est); dagegen in Rücksicht des Vaters unddessen Verwandte blos die eheliche von Wirkung ist (pater est, quemuuptiae demonstrant). (Vergl Sckweppe , Privatrecht. §. 690.)
Vielizucfatnnstalten , s. Veterinärwesen.
Viehtränke, s. Ebend.
Vis naturae conservatrlx et inedicatrix, s. Th. I. S.
634, und Th. IL. S. 76t.
Vision, s. Vorgefühl (Nachtrag)u. Zoomagnetismuä. Th. II. 1180.
Vorsefiilll, I eb h a f t e A h n un g, Vision, zweites Gesicht,Praesagium, (Kogl, second sight, Franz. pressentiment). Im schottischenHochlande, auf den Hebriden, (früher auch auf der scandinavischen Halb-insel) etc. (s. Zoomagnetismus. Tb. II. S. 1180) giebt es ungebildete simple