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2 (1840) L - Z. Supplemente A - Z
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SCHEINTOD

Asphyxie durch Schwefelwasserstoffgas. Erfolgt am häufigstendurch die Luft aus Abtritten, Kloaken. Zufälle. Gleich nach dem Ein-athmen gehen die Unglücklichen ein brüllendes Geschrei von sich, die Hautist kalt; dabei bläulicbrothes Gesicht, Übelkeit, Neigung zum Erbrechen,weite Pupille, Krämpfe, Emprosthotonus, Verlust des Bewusstseins, desAthemholens. Diese Art Scheintod kann viele Stunden anhalten, und den-noch ist Wiederbelebung möglich; dagegen tödtet kohlensaures Gas weitschneller, doch gelang auch hier die Wiederbelebung noch nach drei Stun-den ( Bourgeois ). Cur. Frische Luft, Waschen mit Essig, mit oxygenir-ter Salzsäure, besonders unter der Nase, ein Brechmittel aus Tart. emetic.,Essigkly stiere, s. Gasarten.

Asphyxie durch kohlensaures Gas, s. Gasarten.

Asphyxie durch L u ften t z i eh un g. Findet statt bei Erhängten,Erwürgten, beim Ersticken durch Betten, Verschütten mit Sand, beim Auf-fliegen von Pulverminen u. s. w. Der Tod erfolgt hier durch Mangel anSauerstoff und an Oxygenation der Säfte. Behandlung. Man entfernedie Ursachen und behandle den Unglücklichen, wie bei Asphyxie durchSchwefelwasserstoffgas angegeben worden ist. In den meisten Fällen passtein Aderlass am Halse oder am Arme.

Asphyxie durchs Ertrinken. Auch hier ist die aufhörende Oxyda-tion des Körpers wegen Luftmangels die vorzüglichste Ursache des Schein-todes oder des wirklichen Todes; Manche sterben auch durch Schreck, oderapoplektisch. Cur. Die Rettung beruht hier wieder auf HerbeiscbafTungvon Sauerstoff (Lufteinblasen, Waschen mit Essig u. s. w.) und aufErwärmung (Reiben und Bürsten des Körpers mit warmem Flanell, mitBürsten, warmes Bad). NB. Mit dem Aderlassen sei mau vorsichtig; in100 Fällen passt es nicht fünfmal. Übrigens die Behandlung wie beiAsphyxie der Neugeborenen.

Asphyxie durchs Erfrieren. Die Sy m p t o me und \V i rkungender Kälte auf den Körper sind: zuerst Schmerzen, Kältegefühl, darauf bren-nende Hitze, dann Schmerzlosigkeifc, grosse Gleichgültigkeit, unwidersteh-liche Neigung zum Schlafen, weiterhin Aufhören der Respiration uud Blut-circulation, Erstarrung und Steifheit des Körpers. Der Tod erfolgt hier1) durch Ueizentziehung, 2) durch Blutandrang nach Innen, 3) zuletzt auchdurch Starrheit und aufhörende Verschiebbarkeit der Theile, wodurch dasAthemholen früh gehemmt wird. Prognose. Ist oft günstig; man hatBeispiele, dass bei richtiger Behandlung Erfrorne noch am fünften Tagewieder ins Leben gerufen worden sind. Behandlung. 1) Man transpor-tire und entkleide den Verunglückten vorsichtig, damit um Körper nichtszerbrochen wird. 2) Man bringe ihn in eine Temperatur, die nicht vielhöher ist, als die des gefrornen Körpers, sonst entstehen Brandblasen oderwirklicher Tod. Man lege den Körper in Schnee oder in eiskaltes Wasser,worein man von Zeit zu Zeit noch Eisstücke wirft. Dies muss selbst Tagelang fortgesetzt werden. Zeigen sich Spuren des Lebens: Biegsamkeit,Weichheit, Wärme der Glieder, Rothe u. s. w., so bringe man den Krankenin ein kaltes Bette, in ein kaltes Schlafzimmer, blase Luft ein, nachdemman den Kehldeckel des Kranken mittels dessen Zunge aufgezogen hat, reibeden Körper noch mit Schnee, mit kalten Tüchern, gebe Nieseinittel, kitzleden Schluod, bürste die Fusssohlen, gebe alsdann, sobald der Krankeschlucken kann, kaltes Getränk zu trinken, aber nichts Warmes, nichtsReizendes, sonst entstehen Brandblasen im Munde und Schlünde. Dennochentstehen auch ohne angewandte Reizmittel oft heftiges Herzklopfen undEngbrüstigkeit nach zurückgekehrtem Leben, welche häufig seihst einenAderlass erfordern. Reisende schützen sich im Winter am sichersten vordem Erfrieren durch Vermeidung von Überladung mit Speisen, Vermeidungaller geistigen Getränke. Starker Kaffee und warmes Bier sind nützlich,beim Fahren abwechselndes Gehen und Fahren, bei Müdigkeit das Kauen ei-oes kleinen Stücks Kampher, welcher belebend wirkt uad wieder munter macht.Asphyxie durch Blitzstrahl, s. Blitz.