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2 (1840) L - Z. Supplemente A - Z
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RECRUTIRÜNG

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s*4ten verschwindet eine solche Anlage für immer und dergestalt, dassnicht irgend eine aufreizende Ursache sie wieder zum Ausbruch brin-gen könnte. Auch muss er nachforschen, ob es vielleicht ein Familienübe]sei; denn der Erfahrung nach giebt es selten einen Wahnsinnigen, von demnicht irgend einer der Verwandten auch wahnsinnig gewesen wäre. Ermuss ferner den gegenwärtigen, wie den vorhergegangenen Körper- undGeisteszustand möglichst zu erforschen suchen und dabei die physischen undpsychischen Krankheitsursachen, welche auf ihn einwirkten, die äussern Ver-hältnisse, sein Benehmen vergleichen; er muss seine persönlichen Beobach-tungen sorgsam wiederholen, und so oft es sein kann, ihn unbemerkt oderüberraschend beobachten und beobachten lassen, damit der angeblich Kranke,wenn er ein Betrüger ist, seine Fassung verliere. Zugleich prüft er auchden Blick und die Gesichtszüge, ob diese den Wahnsinn ausdrücken, welchenicht leicht nachzuahmen sind; ferner die Schärfe oder Schwäche der Sinne,die Unempfindlichkeit gegen Kälte u. s. w., die Unempfindlichkeit gegeaArzneimittel (namentlich Purgir- und Brechmittel in den gewöhnlichen Do-sen), die Antworten und das ganze Betragen bei seinen wiederholt angestell-ten Untersuchungen. 2) Die Melancholie. Sie ist ein dem Wahnsinnganz entgegengesetzter Zustand des Gemüthes, in welchem dasselbe nieder-gedrückt, von allen äussern Gegenständen abgezogen und in sich selbst ver-sunken ist, oder wie Heinroth sagt: „Unfreiheit des Gemüthes mit Depres-sion der Empfindungen und der Phantasie," zugegen ist. Eine aufmerksameBeobachtung wird diese Seelenstörung sehr bald an folgenden Erscheinun-gen wahrnehmen: der Melancholicus hat einen Hang zur Einsamkeit, istniedergeschlagen, in sich selbst verschlossen, hängt nur einer düstern Vor-stellung nach, und alles Übrige bleibt von ihm gänzlich unbeachtet. Da-her bemerkt man an ihm auch eine Unreinlichkeit in der Kleidung, über-haupt Schmuzigsein und Vernachlässigung in seinem ganzen Äussern. SeineGestalt ist gewöhnlich hager, das Gesicht verfallen, blass, schmuzig-gelb,das Ansehn verstört, die Augen liegen tief in ihren Höhlen, sind ohne Feuerund Leben, meistens niedergeschlagen, starr und auf einen Punkt sehend,den Anblick anderer Menschen vermeidend. Seine Gesichtszüge drückenGram, Angst oder Verzweiflung aus, und in der ganzen Haltung des Kör-pers zeigt sich meistens eine gewisse Ängstlichkeit und Misstrauen. Er isst,trinkt und schläft wenig, seine Respiration ist ängstlich, mit Seufzen unter-brochen, sein Puls geht langsam und träge, und bei einer genauen Unter-suchung des Unterleibes zeigen sich gewöhnlich Unordnungen im Verdauungs-systeme, sowie auch eine Aufgetriebenheit und Härte, oder eine Zusammen-gezogenheit de» Bauches. Sein Gang ist schleichend und seine Stimme mattund schleppend. (S. Melancholia.) c) Krankheiten des Willen s$dahin gehört: die Tollheit, Raserei (Mania furibunda , b . Mania).Sie besteht in einer Unfreiheit des Willens mit blinder, zerstörender Wuthgegen äussere Gegenstände und gegen sich selbst, wobei gar kein sinnlicheroder verständiger Zweck stattfindet, und die Muskelkraft oft bis zu einemunbegreiflich hohen Grade steigt, daher auch eine Heftigkeit in allen Be-wegungen. Alles sittliche Gefühl und jeder Charakter der Menschheit istim Anfalle gänzlich erloschen, und man sieht im Rasenden nur ein wildesThier. Sie gesellt sich oft zu andern psychischen Krankheiten, ist auchzuweilen vorübergehend, dauert nur Tage oder Stunden, und kehrt zu ver-schiedenen oder bestimmten Zeiten wieder. Wenn die Tollheit nach einererwiesenen, voraufgegangenen psychischen Krankheit ausbricht, so kann ihrDasein nicht zweifelhaft erscheinen; ist dies aber nicht der Fall, so wirdeine genauere Erforschung des früheren und eine gründliche Untersuchungdes gegenwärtigen psychischen und physischen Gesundheitszustandes, sowieauch eine sorgfältige Erkundigung nach dem Temperamente und den gewöhn-lichen Leidenschaften des Verdächtigen nothwendig, und zwar um so mehr,wenn die Tollheit plötzlich ohne irgend eine vorausgegangene Seelenstörungausbricht. Hier sind glaubwürdige Zeugnisse von Nachbarn, Ortsvorstehernund sonstigen Bekannten über das frühore Leben des Recruten von Wichtigkeit.