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2 (1840) L - Z. Supplemente A - Z
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BAPHANIA

Oberhaut von ilcn leidenden Theilen, es entstehen Lähmungen, Pemphigus,Gangrän, Nekrose an Händen und Füssen, colliquative Durchfälle, und derTod folgt unter Erschöpfung, Brand, Apoplexie, auch vvol unter Krämpfen.Das Bewusstsein bleibt fast immer bis zum Tode ungetrübt; kurz vor letz-tem tritt oft noch ein Zustand von scheinbarer Besserung ein, was bei deracuten Form weit seltener der Fall ist. Erfolgt Genesung, so geht auchdiese nur höchst langsam von Statten; nicht ganz selten bleiben Nachkrank-heiten, besonders Lähmungen, Blödsinn, Epilepsie, zurück. Diagnoseder Raphania acuta et chronica. Vom Veitstanze unterscheidet sichdas Übel dadurch, dass es ain häufigsten epidemisch, und zwar bald nachder Ernte erscheint, während die Chorea sich an keine bestimmte Jahreszeitbindet und ihre Anfälle deutlicher intermittiren. Auch fehlen bei der Ra-phanie die bei Chorea fast constanten Erscheinungen eigentümlicher Exal-tation, verbunden mit Somnambulismus und Clairvoyance, desgleichen da»-panische Ansehn, die gesteigerte Seh- und Gehörkraft, der Trieb zu klet-tern, sich zu verstecken. Dagegen leidet bei Raphanie mehr der Kopf, da-her mehr Stumpfsinn, Stupidität, und das Übet erscheint nicht vorzugsweisebei Kindern oder bei in der Pubertät begriffenen Mädchen. Die Choreakommt stets sporadisch vor, ist ohne Fieber und nie so tödtlich, als dieKriebelkrankheit, hat auch nie Brand der Glieder zur Folge, sowie sie dennauch ganz andere Ursachen hat (s. Chorea St. Viti). Mehr Ähnlichkeithat die Raphanie mit dem in Frankreich bekannten Ergot, d. i. ein trock-uer Brand ( Necrosis uslilaginea ), der vom Genuss verdorbenen Getreidesherrührt und ohnstreitig eine Varietät der Kriebelkrankheit ist (s. Sauvagei,Nosol. method. T. II. P. 2. S. 40. Edit. 1763). Auch die indische Beri-berie unterscheidet sieh hinreichend von der Raphanie. Ursachen. DieRaphanie entsteht nie, wie man wol gemeint, durch den Genuss eines mitTrespe, Lolium teinulentuin, Raphanus raphanistrum, Agrostemma, Nigellaetc. vermischten Mehls und des daraus gebaokenen Brotes, sondern durchden Genuss des mit Mutterkorn (Secaie cornutitm ) vermischten Getrei-des und des daraus gebackenen Brotes, welches, gleich einem Miasma, wieein Gährungsstoff, ja fast wie ein Contagium, auf die organische Mischungeinwirkt und besonders eine Alteration in der Vegetation der Nerven mittödtlichem Erfolge herbeiführt, wenn es anders in zu grosser Menge genos-sen und nicht durch Hülfe der Naturkraft kritisch durch Exantheme, durchAusleerungen u. s. w. aus dem Körper geschieden wird. Mit Recht nenntSundelin daher die Raphanie eine auf den menschlichen Organismus über-getragene Pflanzenkraukheit, und zwar deshalb, weil das Mutterkorn, umdie Krankheit zu erzeugen, nicht verdorben sein darf. Ist letzteres der Fall,ist es alt, so zeigt es sich ziemlich unwirksam, und hierin findet Jahn'iBeobachtung vom Genüsse des Mutterkorns ohne darauf folgende Kriebel-krankheit ihre Berichtigung. Auch spricht Berendt ' Beobachtung für dasEntstehen der Raphanie durchs Seeale cornutum fast zu deutlich; denn Alle,die dasselbe nicht genossen, blieben in der von ihm beobachteten Epidemieverschont (s. auch Dictionnaire des sciences medicales. Art. Ergot). Dassaber ungewöhnliche atmosphärische Einflüsse gleichzeitig mitwirken, ist wolnicht zu bezweifeln, denn sonst würde ja in einzelnen Jahren nicht mehrSeeale cornutum wachsen als in andern. Cur. Die prophylaktische Cur,als Gegenstand der Sanitätspolicei, besteht darin, dass die Regierungen dasVolk belehren, wie das Mutterkorn beschaffen sei, wie es aus dem Korneentfernt oder unschädlich gemacht werde; denn das Verbot, solches Korunicht mahlen zu dürfen, reicht nicht hin. Am besten ists, den Roggen u. s. w.mit reinem Wasser oder Aschenlauge abzuwaschen, das oben aufschwimmendeMutterkorn zu entfernen und dann die Körner vor dem Mahlen im Back-ofen zu trocknen. Hier verflüchtigt sich das narkotische Princip. Auchist beim Genüsse solchen Brotes und in solchen Zeiten der Rath, viel fetteSpeisen und Essig nebenbei zu gemessen, sehr gut. In nassen Jahren, wofiel Mutterkorn unter dem Getreide gefunden wird, sind beeidigte Korn-beschauer anzustellen, welche nur das gesunde oder gereinigte Korn zum