572
QUECKSILBER
ttiion). Auch in Dampfform kann das Kaloniel, wie eich dies bei der Sub-limation dessslben ereignet, höchst nachtheilig werden, und nach Orfilakann sich das Mittel, uuter begünstigendem Einflüsse der Temperatur, durchdie Darmsäfte und mittels des sich entbindenden Schwefelwasserstoffgasesim menschlichen Darmcanal, in Schwefelquecksilber verwandeln. Oft ent-stehen durch den langen Gebrauch des Kalomels hysterische und hypochon-drische Krämpfe, oder eine Art Veitstanz (Stockei). Nach Christison be-wirken die auflöslichen Präparate des Quecksilbers, wenn sie verschlucktwerden, Erosion des Magens, und auf jede andere Weise dem Körper ein-verleibt Irritation des Magens und Mastdarmes, Lungenentzündung (doch■wol nur PscudophlogoseV Most), verminderte Thätigkeit und vielleicht Ent-zündung (gleichfalls keine arterielle. M.) des Herzens, Speicbelfluss undUnterdrückung der Harnsecretion. Besonders nachtheilig hält Christisonden Mercur, wenn er in Dampfgestalt in die Lungen gelangt, wo er wolschon durch die Luft oxydirt ist und dann Übelkeiten, Erbrechen, Speichel-fluss, Zittern, anhaltende rothe Ruhr (?) und Gangrän des Mundes, oftmit tödtlichem Ausgange, erzeugt. Auch auf Wunden und Geschwüre,selbst auf die unverletzte Haut gebracht, wirkt das Quecksilber nachtheilig,was die Mercurialfrictionen beweisen. Der Sublimat, der, nach Christison,in Verbindung mit vegetabilischen und mineralischen Säuren weniger, als inreinem Zustande nachtheilig wirken soll, ist das am stärksten vergiftendeMercurialpräparat; sein Missbrauch erzeugt Nervenzufälle mit starker Ma-gen- und Darmentzündung, Kolik, Erbrechen, Entzündung der Speichel-drüsen, starke Ausleerung eines scharfen, stinkenden Speichels (s. u. dieAnsicht Christison 1 ! über denselben), Geschwulst der Zunge und des Zahn-fleisches, erschwerte Sprache, Dyspnoe, Asthma, Blutspeien, Schwindsucht,Gliederschmerz, Gliederzittern, Lähmung, Tod, wobei der Sublimat in dieBlutmasse übergeht. Ganz grosse Dosen dieses Mittels wirken örtlich che-misch, ohne mit dem Übergange des Mittels in den Kreislauf in Verbindungzu stehen, es entstehen darnach: scharfer, tintenartiger Metallgeschmack,weissbelegte Zunge, schmerzhafte Zusammenziehung des Schlundes und derSpeiseröhre, die bei äusserm Drucke zunimmt, Brennen im Munde, Aufge-triebensein desselben und Schmerz bei der Berührung, jedoch nicht in sohohem Grade, wie nach genommenen concentrirten Säuren, oder Alkalien,starker Durst, beständiges Würgen, Erbrechen galliger, wässeriger, blutiger,oder weisslicher, schleimartiger, fadenziehender Massen, welche das Lack-muspapier nur'in geringem Grade röthen, den Veilchensyrup nie grün fär-ben; Verstopfung, zuweilen blutiger, oder galliger, übelriechender Durch-fall mit Tenesmus, Schmerz im hintern Theile des Mundes, im Magen,starkes, stinkendes Aufstossen, Schluchzen, geschwollenes, oder geröthetesGesicht, funkelnde, sehr bewegliche Augen, dunkelrothe, geschwollene, inandern Fällen trockene, aufgesprungene Lippen, Leichengeruch aus demMunde, aufgetriebener Unterleib, kleiner, zusammengezogener, oft zittern-der, schneller, ungleicher, häufig intermittirender Puls, rauhe, heisereStimme, heisse Haut, Dyspnoe, oft Erstickungszufälle, Dysurie, Convul-sionen, Kälte der Gliedmassen, kalte Schweisse, Verzerrung der Gesichts-züge, Ausdruck von Exaltation, Delirium, Sopor (zuweilen nicht erlosche-nes Bewusstsein), Tod durch Gehirnlähmung. Ebenso gefährliche Folgenkann der Sublimat haben, wenn er äusserlich angewandt wird. (Ein Wasch-wasser zu 5j Sublimat in 1 Pfund Wasser gegen Krätze erregte binnen 48Stunden Ohnmächten, Convulsionen und Salivation, NB. bei einem jungen,gerade menstruirten Frauenzimmer, das sich desselben auf Anrathen einesPfuschers bedient hatte. Most.) — Als Nachkrankheiten nach Sublimat-vergiftungen kommen vor: Speichelfluss, unheilbare Neurosen, örtliche Läh-mungen, Kachexie mit Wassersucht, Entartungen der Brust- und Unter-leibsorgane. Nach Christison treten bei Sublimatvergiftung Zufälle, wiebei Arseniktoxication ein, als: Erbrechen, zumal wenn Sublimat verschlucktist, sehr starker Schmerz im Magen und im ganzen Unterleibe, starkerDurchfall, aber mit dem Unterschiede, dass diese Zufälle, was bei genom-