PRIORITAS MORTIS
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körperliche Verschiedenheit des Mannes vom Weibe; a. d. Lat. von Wenxel,Mainz 1788. S. 76. Wildberg , Naturlehre des weiblichen Geschlechtes.Berlin 1811. I. Bd. S. 104. Klose, Über den Einfluss des Geschlechtsun-terschiedes auf Ausbildung und Heilung von Krankheiten. Stendal 1829.S. 23, 25, 26 u. m. A.) Pyl (Aufsätze und Beobachtungen aus der gericht-lichen Arzneiwisseuschaft. lierlin 1783. I. Sammlung. S. 1—29) erzähltfolgenden hieher gehörigen Fall: Zwei Eheleute waren durch Ofendunsterstickt und wurden in ruhiger Lage in ihrem Bette neben einauder todt ge-funden. Es entstand nun ein Erbschaftsprocess, wobei die Anverwandtendes Mannes behaupteten, die Frau, und jene der Frau behaupteten, derMann sei zuerst verstorben. Pyl entschied zwar hier — vorsichtig, wie erimmer war, um es mit keiner von beiden Parteien zu verderben, sagtMetzger (Gerichtlich medicinische Abhandlungen. 2. ThI. S. 158) von ihm —nach seiner Meinung seien beide Eheleute plötzlich und ohne einmal rechtzu erwachen, fast in einein Augenblicke durch den subtilen, schädlichenKohlendampf erstickt, und ihres Lebens schleunig beraubt worden ( Pyl a.a. O. S. 28), obschon Pyl Gründe gehabt hätte, zu bestimmen, dass dasWeib zuerst gestorben sei. 3) Sind die Erstickten von ziemlich verschiede-nem Alter, so kann Folgendes als Norm gelten: a) Junge Kinder, beson-ders Neugeborne, haben die altern Personen überlebt, weil das Respirations-bedürfuiss bei ersteren überhaupt geringer, als bei letzteren ist. — Es istdurch mehrere Erfahrungen bewiesen, dass Neugeborne, sowol Thiere alsMenschen lange Zeit hindurch die hachlheiligsten Einwirkungen auf das Re-spirationssystem zu ertragen im'Stande sind. Senac (Tratte de la structuredu coeur. Paris 1749. S. 413) beobachtete bei mehrfach angestellten Versu-chen, dass neugeborne Hunde und Katzen 5:4 Stunden lang fortlebten, ob-gleich ihnen die Luftröhre mittels eines Bandes fest zugeschnürt war. Buf-fon (Histoire naturelle. Paris 1749. S. 446) berichtet, dass eben geborneThiere, die man Stunden lang in warmer Milch untertauchte, dennoch fort-lebten. Roose (Physiologische Untersuchungen. Braunschweig 1 796. S. 66)sagt, dass von 4 neugebornen Katzen, welche einige Stunden lang auf demGrunde eines mit Wasser angefüllten Gefässes erhalten wurden, zwei amLeben blieben. Auch Morgagni (De sed. et caus. morb. Ep. XIX. art. 42,43) behauptet, dass neugeborne Thiere weniger leicht ersäuft werden.Bohn (De renunciatione vulnerum. Lips. 1755. S. 335.) und Bruhier (Ab-bandl. von der Ungewissheit der Kennzeichen des Todes. Leipzig 1754s S.295) berichten ein paar Fälle, dass lebendig begrabene neugeborene Kinderbei gehemmtem Athemholen eine Zeit fortlebten, und das eine sogar 7 Stun-den in dieser Lage ausgehalten hatte. Ein ähnlicher Fall ist in der BerlinerMed. Zeitung vom Verein etc. 1838. Nr. 3. von Wagner mitgetheilt (s.Lungenprobe, p r agm a t is c b - te c h nis c h). b) Greise überlebtenIndividuen von jugendlichem Alter, weil bei ihnen ebenso, wie beim Kinde,das Athmungsbedürfuiss geringer ist. 4) Die Lage, in welcher der eine oderder andere Leichnam gefunden wird, lässt, wenn dieselbe von der Art ist,dass man annehmen muss, der eine Leichnam habe noch längere Zeit derrespirablen Luft zu geniessen Gelegenheit gehabt, schliessen, dass dieserLeichnam der des später Verstorbenen sei. 5) In dem Falle, wo sich zwarin dem einen Leichname stärkere Spuren der Gegenwehr fänden, als in demandern, der Befund es aber wahrscheinlich machte, dass jener durch diesenerstickt worden, und letzterer durch Selbstmord angekommen sei, so muss,nach Klose (System der gerichtlichen Physik. S. 398), der erstere als fürzuerst gestorben betrachtet werden.
III. Bei Ertrunkenen werden, nebst den eben vorausgegangenen,noch folgende Punkte zu berücksicbtigen sein: 1) Solche, die zuerst mitdem Kopfe in das Wasser gestürzt sind, werden eher sterben, als jene, beidenen dieses nicht der Fall ist. 2) Individuen, welche mehrmals auf derOberfläche des Wassers zum Vorscheine kamen, haben länger gelebt, alssolche, die auf dem Grunde geblieben sind. 3) Individuen, welche dasVermögen besitzen, die Respiration ziemlich lange zu guspendireu, werdenMost Staatsarzneikuade, II. 36