OPIUM
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und ein mehr oder minder reichlichen Speichelfluss; sie schreien kläglich.Nach 1 oder 2 Stunden bekommen die Thiere convulsivische Zuckungen;sie strengen sich an aufzustehen, fallen aber wieder nieder; nach einigenAugenblicken von Ruhe stellen sich wieder die Convulsionen ein; der Mundfülllt sich zuweilen mit Schaum an. Folgt der Tod, so beobachtet mannicht selten gegen das Ende der Krankheit einen oder zwei Anfälle der Art,dass die Thiere auf dem Bauche liegen, die Pfoten ausgespreizt, der Kopfnach Hinten gezogen, die Augen starr, das Athmen rauschend und die Glie-der convulsivisch gedreht sind. Grosse kräftige und völlig ausgewachseneHunde können starke Gaben vom essigsauren Morphin vertragen, ohne um-zukommen; sind sie jung und mittler Grösse, so reichen 40 oder 60 Grandieses Giftes hin, um sie zu tödten. Die Wirkungen dieses Giftes scheinendemnach beim Menschen dieselben wie bei den Hunden zu sein, ausgenom-men, dass man eine stärkere Gabe nöthig hat, um die letzteren zu tödten.Bei der Öffnung der Leiche findet man keine Veränderung des Darmcanalsund der übrigen Organe, wahrscheinlich weil die Thiere zu kurze Zeit demEinflüsse des Giftes ausgesetzt waren. Nach Orßla's Versuchen reichen40 Gran essigsaures Morphin, aufs blosse Zellgewebe applicirt, hin, in4—6 Stunden massig grosse Hunde zu tödten. Kurze Zeit nach der An-wendung des Giftes ist das Hintertheil geschwächt, und allmälig erscheinendie genannten Symptome ganz so, wie nach der innerlichen Anwendung.Wenn man in die Venen grosser und starker Hunde 12—15 Gran in Wasseraufgelöstes essigsaures Morphin, oder in einer Unze Wasser schwebendesMorphin einspritzt, so erleiden die Thiere alle Symptome der Vergiftung,ohne aber in der Regel darnach zu sterben; doch kann der Tod bei wenigerstarken Dosen eintreten, wenn die Thiere jünger und kleiner sind.
Die Symptome der Opiumvergiftung sind sehr verschieden. DerKranke bekommt zuweilen ein Delirium, welches ihn DÖthigt mit seinenIdeen auszuschweifen, und er versinkt hierauf in tiefe Schlafsucht. Unterandern Uniständern zeigt sich Schwindel, Neigung zum Schlafe, Schlaf-sucht (Koma); jedoch kann der Kranke durch ein starkes Rütteln, durchZiehen an den Haaren und Ohren aus dem Schlafe erweckt werden, woreiner aber bald wieder zurückfällt; die Augen sind trübe, unbeweglich undmatt, die Pupillen erweitert, mitunter zusammengezogen, oder sie befindensich im natürlichen Zustande; die Iris ist unempfindlich gegen das Licht;die Muskeln der Glieder und des Rumpfes sind im Zustande der Erschlaf-fung, mitunter ohne Bewegung und Empfindung; dabei Übelkeit, Erbrechen,erschwertes oder ganz verhindertes Schlingen; das Athmen ist leise, wenigbemerkbar, zuweilen mühsam, röchelnd und aussetzend; der Puls variirtausserordentlich; bald ist er sehr langsam und voll, bald schnell und klein,90 —100 Schläge in der Minute; zuweilen schlagen die Temporalarterien miteiner Art Zittern; das Gesicht ist bleich, leichejiartig, auch wol dunkel ge-röthet; krampfhafte Verziehungen der Gesichtsmuskeln, bisweilen allgemeineConvulsionen und selbst trismusartige Erscheinungen, sodass die Zähne nurmit Mühe von einander zu bringen sind. Hülfsmittel bei Opiumver-giftung. Man suche 1) das Gift so schnell als möglich aus dem Magenzu entfernen. Dieses bewirkt man a) durch Darreichung eines Brech-mittels; wozu hier, wie überhaupt bei den narkotischen Vergiftungen, dasschwefelsaure Zinkoxyd am geeignetsten ist, etwa 30 Gran in 2—3 UnzenWasser gelöst und davon alle 5 —10 Minuten so lange 1 Esslöffel voll ge-reicht, bis starkes Erbrechen folgt; auch kann man zur Verstärkung dieserLösung Ipecacuanha zusetzen. Ist jedoch das Schlingvermögen ganz auf-gehoben, so muss man b) mittels der Magenpumpe das Gift zu entleerensuchen. Die schnelle Anwendung derselben macht selbst das Vomitiv ent-behrlich. — Hat man dieselbe nicht zur Hand, so bleibt in solchen Fällennichts anders übrig, als dem Kranken am Arme eine Ader zu öffnen, Brech-weinstein (1—2 Gran in einer wässerigen Lösung) in dieselbe einzuspritzen,wobei man darauf sehen muss, dass keine atmosphärische Luft in die Venedringt. (S. Infusio etTransfusio im Nachtrage.) 2) Muss darauf ge-