Spiritus ätheris chlorati.
Das Chloralhydrat schmelze bei 58° C. (yergl. I., anorg. TM. S. 18); aufdem Platinbleche erhitzt, verflüchtige es sich vollständig, ohne dass die ent-weichenden Dämpfe sich dabei entzünden: Chloralalkoholat.
In Wasser löse sich das Chloralhydrat leicht auf, ohne dabei ölige Tropfenabzuscheiden. Beigemengtes Chi oral alk oh olat würde sich hierbei in öligenTropfen ausscheiden, die sich nur langsam in "Wasser lösen.
Neutrale Eeaction. Die im Verhältnisse von 1 : 10 bereitete alkoho-lische (Alkohol von 90 bis 91 Proc.) Chloralhydratlösung verändere empfind-liches, blaues Lackmuspapier durchaus nicht. Die wässerige Lösung besitztschwach saure Keaction (vergl. oben).
Die im Verhältnisse von 1 : 10 bereitete alkoholische Cliloralhydratlösungwerde durch salpetersaure Silberlösung nicht getrübt: Salzsäure, Chlor-verbindungen.
Erwärmt man das Chloralhydrat mit reiner concentrirter Schwefelsäure,so finde ohne Braunfärbung eine Zersetzung in Cliloral und Wasser statt:fremde organische Chlorverbindungen, Cliloralalkoholat etc.
Spiritus aetlieris chlorati.
Syn.: Spiritus salis dulcis, Spiritus muriatico aethereus, versüsster Salz-geist, weingeisthaltiger schwerer Salzäther.
Unter dem Namen „Salzgeist" oder „Salzäther" sind seit langerZeit Flüssigkeiten im arzneilichen Gebrauche, welche je nach ihrer Be-reitung sehr verschiedene Zusammensetzung besitzen.
Als sogenannten leichten Salzgeist bezeichnete man ein Productder Einwirkung von Salzsäure auf Aethylalkohol, welches seiner chemi-schen Natur nach im Wesentlichen als eine Lösung von Chloräthyl:C 2 H 5 C1, in Aethylalkohol zu betrachten ist (vergl. S. 116). Die Berei-tungsweise dieser Flüssigkeit durch Destillation von Aethylalkohol mitconcentrirter Salzsäure lehrte bereits Basilius Valentinus im 15. Jahr-hundert kennen. Die späteren Vorschriften von Glauber, Börhave,Pott, Kouelle, Wiegleb, Woulffe und Anderen sind nur Modifica-tionen und Verbesserungen der von Basilius Valentinus gemachtenAngaben.
Von jenem leichten Salzgeiste ist der sogenannte schwereSalzgeist oder schwere Salzäther zu unterscheiden, welcher durchEinwirkung von Chlor auf Aethylalkohol erzeugt wurde und seiner Naturnach als ein Gemenge von Abkömmlingen des Chlorals mit Acetal, Chlor-acetalen etc. zu betrachten ist.
Scheele und Westrumb, welche zuerst die Bereitung desschweren Salzäthers 1783 lehrten, unterwarfen ein erkaltetes Gemischaus 10 Thln. absoluten Alkohols und 10 Thln. concentrirter Schwefel-säure mit 13 Thln. Kochsalz und 6 bis 8 Thln. gepulverten Braunsteinsder directen Destillation, schüttelten das Destillat mit Wasser, ent-wässerten das abgeschiedene Oel mit Chlorcalcium und rectificirten als-dann dasselbe.