218 Eigenschaften des Chloralhydrats.
aus Alkohol, Aether, Chloroform oder Schwefelkohlenstoff rhomboedri-sche, bei 127 bis 128° C. schmelzende Krystalle von Chloralhydro-sulfid: (CC1 3 —CH.OH) 2 S, liefert.
Erwärmt man das Chloralhydrat längere Zeit am Rückflusskühlermit concentrirter wässeriger Blausäure, so entsteht unter Abspaltung von
/CN
Wasser Chi oral cyanhydrat: CC1 3 — CH\^ , welches nach dem
Verdunsten im Vacuum als blumenkohlartige Masse zurückbleibt. Con-centrirte Salzsäure führt das Chloralcyanhydrat in Trichlormilch-säure: CC1 3 —CH.OII—CO.OH, über; Kalihydrat bildet in alkoho-lischer Lösung aus demselben Di chlor essigsäur e: CHC1 2 —CO. OH.
Trägt man in eine alkoholische Lösung von 1 Mol. Chloralhydrat(165,5 Gew.-Thle.) 1 Mol. Cyankalium (65 Gew.-Thle. J ) ein, oder fügtman umgekehrt zu 1 Mol. Cyankalium, welches sich unter abso-lutem Alkohol befindet, 1 Mol. Chloralhydrat, so vollzieht sich unterheftigem Aufkochen und Entweichen von Blausäure eine lebhafte Re-action, als deren Resultat Diehlo ress ig säu re-Aethyläther:CHC1 2 —CO.OC 2 H 5 (Siedepunkt 154 bis 157° C.), und dichloressig-saures Kalium: CHC1 2 —CO.OK, hervorgehen:
.OH
CC1 3 —CH( -f KCN = CHC1 2 —CO.OH -f KCl + HCN
\oh
Chloralhydrat Cyankalium Dichloressigsäure Chlor- Cyan-
kalium Wasserstoff
CHC1 2 —CO.OH + C 2 H s .OH = CHCl 2 —CO. OC 2 H 6 -f H 2 0
Dichloressigsäure Aethylalkohol Dichloressigsäure- Wasser
Aethyläther
Ferrocyankalium (84 g) liefert die gleichen Producte wie Cyan-kalium , wenn es mit wässeriger Chloralhydratlösung (50 g Chloral-hydrat, 250 g Wasser) am Rückflusskühler gekocht wird.
Mit Campher zusammen gerieben, bildet das Chloralhydrat einedicke Flüssigkeit von der Consistenz des Glycerins, die durch Wasserallmälig wieder in die beiden Componenten zerlegt wird.
Das Chloralhydrat findet im ausgedehnten Maasse als schlaferregendesMittel arzneiliche Anwendung. Man glaubte früher diese Wirkung desChloralhydrats auf die leichte Zersetzbarkeit desselben in Chloroformund ameisensaures Salz (vergl. oben) zurückführen zu sollen, indem manannahm, dass das alkalisch reagirende Blut eine solche Spaltung ver-anlasse. Diese Erklärung der Chloralhydratwirkung hat sich jedoch alsunzutreffend erwiesen.
Nach dem Genüsse von Chloralhydrat tritt im Harne die in seide-glänzenden Nadeln krystallisirende Urochl oral säure: C 7 II 12 C1 2 0 6 , auf.
J ) Entsprechend 83 Gew.-Tliln. käuflichen Cyankaliums.