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1 (1877) Anorganische Chemie
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625
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Gryps. 625

calcium und Ausziehen der langsam erkalteten Schmelze mitWasser erhalten. Der Anhydrit nimmt Wasser nur äusserstlangsam auf, indem er dabei in Gyps übergeht.

Der Gyps, CaS0 4 -f- 2H 2 0, bildet klinorhombische Kry-stalle, oft Zwillinge, von 2,30 bis 2,33 specif. Gew., die in aus-gezeichneter Weise parallel den Längsflächen spalten und dannbei vollkommener Durchsichtigkeit Marien glas genannt wer-den. Auch in faserigen Aggregaten (Fasergyps), in compactenmikrokrystallinischen durchscheinenden (Alabaster) bis fast der-ben Massen (Gypsstein) findet er sich in grossen Mengen, zuwei-len mächtige Gebirgslager bildend, welche in Folge ihrer Löslich-keit in Wasser der Auswaschung und Höhlenbildung, sowiehäufigen Zusammenstürzen ausgesetzt sind. Künstlich entstehtfein krystallinischer Gyps beim Fällen nicht zu verdünnterCalciumsalzlösungen mit Schwefelsäure oder löslichen Sulfaten,und bei Zersetzung von anderen unlöslichen Calciumsalzen (FIuo-rür, Carbonat und Phosphat) mit wasserhaltiger Schwefelsäure.

Schon unterhalb 100°, schnell bei etwas höherer Temperatur,verliert der Gyps sein Krystallwasser vollständig, so dass sichMarienglas beim Erhitzen schnell trübt, und zerfallt dabei zueinem weissen Pulver, welches „gebrannter" Gyps genannt wird,und beim Anrühren mit etwas Wasser zu einem Brei dasselbeunter sehr bemerkbarer Wärmeentwickelung und Erstarrungwieder bindet. Solcher Gypsbrei, dessen Erhärtung eine Folgeder Verfilzung der entstehenden nadeiförmigen Gypskryställchenist, findet zur Herstellung von Gypsabgüssen und Stuckarbeitenvielfache Verwendung.

Wird Gyps beim Entwässern bis auf 400° erhitzt, so nimmtdas pulverisirte Product das Wasser nur sehr langsam, ohnebemerkbare Erwärmung, auf, erstarrt dabei aber, vorausgesetztdass nur die erforderliche Menge zugegeben wird, noch zueiner harten alabasterartigen Masse (hydraulischer oder todt-gebrannter Gyps).

Die Löslichkeit des Gypses in Wasser steigt mit der Tem-peratur bis etwa 35° bis 41°, und nimmt dann wieder langsam ab,bis sie bei 100° auf etwas weniger als den Betrag von 0° sinkt.lOOTheile Wasser lösen nämlich bei 0° 0,2-11 Theile, bei 20° 0,259Theile, bei 38° 0,272 Theile, bei 53« 0,267 und bei 99° 0,222 TheileCaS0 4 4- 2II 2 0. Entwässerter, aber nicht todtgebrannterGyps löst sich beträchtlich reichlicher, auf 100 Theile Wasser0,909 CaS0 4 , und scheidet sich dann beim Stehen der filtrirtenLösung nur langsam bis zur normalen Menge krystallinisch ab.

Strecker-Wislicenus, Anorganische Chemie. 40