Zündrequisiten.
1197
Nach der Entdeckung der rothen Modification des Phosphors(Bd. VI, S. 258) glaubte man hierin das Mittel zu finden alle Mängelder Phosphorzündhölzer zu beseitigen. Man versah Schwefelhölzchenmit einer Schwefelmetall und chlorsaures Kali enthaltenden Zündmasse,die jedoch so zusammengesetzt war, dass dieselbe sich nur sehr schwerdurch Reiben auf rauhen Flächen entzünden lässt und gab als Streich-flache ein Papier dazu, welches mit einer aus rothem Phosphor, Sand undMetalloxyden zusammengesetzten mit Leimwasser befestigten Masse*)überzogen war. Die besonders mitzufahrende Streichfläche, die sichan der Stelle, wo einmal gestrichen wurde, abgenutzt zeigt, wird dieallgemeine Verbreitung dieser sogenannten Antiphosphor-Zündhölzerverhindern. Von Bombes") wurden die sogenannten Zwitterzündhöl-zer (alumettes androgenes) erfunden. An dem einen Ende ist eine chlor-saures Kali enthaltende Masse, auf dem anderen eine mit rothem Phosphorgemengte aufgestrichen; beim Gebrauch zerbricht man das Hölzchen undreibt die beiden präparirten Spitzen gegen einander. Kinder werden aufdiese Weise freilich nicht leicht Feuer erzeugen können, Erwachsene abersicher auch nicht leicht und bequem. Albrigth undCanouille») Hessensich Ziindmassen aus chlorsaurem Kali und rothem Phosphor bestehend,zum Theil mit Glaspulver gemengt patentiren, sie haben der Erwartungnicht entsprechen können, da der rothe Phosphor sich zu schwer entzün-det und die grosse Menge chlorsauren Kalis explosionsartige Entzündungbedingt. Hochstätter 4 ) hat später eine Zündmasse patentirt erhal-ten, welche chlorsaures Kali, rothes Schwefelantimon (Goldschwefel)als wesentlichste Bestandtheile enthält; nach Wieder hold 5 ) müssendie Verhältnisse der Bestandtheile folgende sein: 14 Thle. chlorsauresKali, 4 Thle. chromsaures Kali, 4 J / 2 Thle. Bleisuperoxyd, 12 Thle.Kermes, 6 Thle. Bimsstein, 4 Thle. Gummi. Abweichend in den Men-genverhältnissen sind die Canouille patentirten von Vaudaux undPaignou 6 ) angegebenen Massen, sie enthalten noch Blutlaugensalz oderCyanblei. Wiederhold?) zeigt, dass diese Zündmassen sehr viel zuwünschen übrig lassen, dass aber einer Masse, welche neben Schwefel-antimon und chlorsaurem Kali unterschwefligsaures Bleioxyd und etwasPulverkohle enthält in keiner Beziehung eine geringere Leistung alsden phosphorhaltigen Massen nachgewiesen werden kann, und dass diesedaher bestimmt scheinen die giftigen Phosphormassen zu verdrängen.Er giebt folgende Vorschrift: 10 Thle. chlorsaures Kali, 8 Thle. grauesSchwefelantimon, 5 Thle. unterschwefligsaures Bleioxyd, 2 Thle. Pul-verkohle, 2 Thle. Gummi. Wiederhold hat Nitromannit und pikrin-saures Kali als explosive Körper zur Herstellung phosphorfreier Zünd-hölzer versucht, ohne jedoch eine geeignete Vorschrift aufzufinden.Wagner 8 ) hat Zucker, Weinsäure, Gerbsäure, welche man mitBleisuperoxyd vermischen soll, vorgeschlagen. Es scheint nicht alsob damit brauchbare Resultate erhalten worden seien. Die Bemü-hungen, den Phosphor für die Zündrequisiten entbehrlich zu machen,
l) Dingler's polyt. Journ. Bd. CXLI, S. 450; Bd. CXLII, S. 396. — 2) Dingler'spolyt. Journ. Bd. CLXI, S. 148. — ») Dingler's polyt. Journ. Bd. CXLV. S. 388.— *) Dingler's polyt. Journ. Bd. CXLVIII, S. 79. — 5 ) Dingler's polyt. Journ.Bd. CLXI, S. 221 i. 2G9; Bd. CLXIII, S. 203 u. 297. «) Payen, Pre'cis dechim. ind. [4.] T. II, p. 737 u. Dingler's polyt. Journ. Bd. CLXI, S. 148. —1) Dingler's polyt. Journ. Bd. CLXI, S. 284. — 8 ) Jährest), d. ehem. Technol. 1856,S. 465.