Zeugdruck. 883
einem Trog läuft, worin sich der Farbebrei befindet. Diese Farb-walze reisst Farbe mit sich, trägt sie auf die geprägte Walze über, andie sich eine Metallklinge (Bach) so anlegt, dass der Farbüberschussabgestrichen wird und nur die Vertiefungen gefüllt bleiben.
Ueber einen dritten Cylinder von grösserem Durchmesser läuft dasZeügstück, unterlegt mit einem Wolltuch ohne Ende und damit diesnicht von durchschlagender Farbe beschmutzt werde mit einem andernStück Stoff, das mit dem zu bedruckenden mitläuft und wenn es durchzu viele aufgenommene Farbe unbrauchbar geworden, entweder mitscharfen Flüssigkeiten ausgewaschen oder zum Färben mit dunklenFarben gebraucht wird. Dieser dritte Cylinder hat eine peripherischeGeschwindigkeit, die genau dieselbe ist wie die der Druckwalze, sodass die Zeichnung auf letzterer sich auf dem Zeugstück vermöge desNahaneinanderliegens beider Walzen abdruckt. Es geht der Druckauf einer langen Reihe aneinander genähter Stücke ununterbrochen undmit grosser Schnelligkeit vor sich, so schnell, dass, um das Trocknendes Färbebreis in gleichen Schritt mit dem Auftragen desselben zu brin-gen, die Stücke von der Maschine hinweg unmittelbar in einen starkgeheizten Kaum (hot flute) und im Zickzack durch diesen geführt wer-den müssen.
Die Walzendruckmaschine arbeitet aber gewöhnlich nicht mit EinerFarbe, also nicht mit nur einer Druckwalze, sondern mit mehreren, undzwar hat man es bis zu 20 gleichartig functionirenden Walzen getrie-ben. Bei der Walzendruckmaschine ist es von höchster Wichtigkeit,dass alle Walzen genau cylindrisch seien d. h. überall kreisrundenQuerschnitt von gleichem Durchmesser haben, dass die Axen sämmt-lich genau parallel gestellt, rfnd dass die peripherischen Geschwindig-keiten überall die nämlichen seien. Die Schwierigkeiten, dies zu er-reichen, wachsen begreiflich mit der Anzahl der Walzen, weshalb eine5- bis 6 farbig genau arbeitende Maschine schon ziemlich an der Grenzedes praktisch Bewährten steht. Muster mit mehr als 5 bis 6 Farbensind indess auch in den Genres, die mit Walzendruck gemacht werden,nicht sehr häufig.
Das Verhältniss von Handarbeit zu Maschinenarbeit ist ein nochweit ungünstigeres gegenüber der Walzendruckmaschine als der Perro-tine, es lässt sich aber schwer schätzen, weil es erstens davon abhängt,ob mit der einmal mit einem Modelcomplex versehenen Maschine auchlängere Zeit d. h. auf eine grosse Stückzahl fortgearbeitet werden könne,oder ob bald andere Model eingesetzt und in Gang gebracht werdenmüssen, was sehr zeitraubend ist. Zweitens hängt es davon ab, obwenige oder viele Walzen gleichzeitig arbeiten. Wenn z. B. ein StückCalico mit einem einfarbigen Muster in 20 Minuten durch die Walzen-druckmaschine fertig gemacht werden kann, während dasselbe bei Hand-druck zehnstündige Arbeit des Druckers und seines Gehülfen erfordert,so steht die Arbeit des einzelnen Menschen zur Maschinenarbeit wie1 : 60. Werden aber gleichzeitig und mit nicht grösserem Zeitaufwand5 Farben aufgedruckt, so übertrifft die Maschinenarbeit die des Men-schen hinsichtlich der Quantität um das Dreihundertfache.
Der Walzendruck eignet sich indess nicht für alle Genres desZeugdrucks. Muster z. B. deren Wiederholung der Länge des Stückesnach grössere Strecken misst als der Peripherie einer 5 bis 6 Zolldicken Walze entspricht, lassen sich nicht in dieser Manier ausführen,
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