880 Zeugdruck.
Die Fertigung der Model zur Vervielfältigung des Musters aufdem Wege des Druckes richtet sich zunächst nach der Grösse und demGenre des Musters. Einzelne werden sich nur durch Handdruck ver-vielfältigen lassen, während andere sich besser für continuirlichen Druckeignen. Eine andere wesentliche Rücksicht ist aber die: ob von derArt des Musters, von der Art des Stoffes, auf den es gedruckt wird,oder von der Ausdehnung der Fabrik erwartet werden kann, dass einehinlänglich grosse Stückzahl davon abgesetzt werde, um die Herstel-lungskosten theurer Model z. B. auf Metallwalzen zu lohnen.
Es fallen beim Druck den Modellen zweierlei Functionen zu, die,Farbe aufzunehmen und die, dieselbe an das Zeugstück wieder ab-zugeben. Die dazu nöthigen Bewegungen werden entweder von derMenschenhand vermittelt (Handdruck) oder maschinenmässig hervor-gebracht. Der Handdruck ist das ältere, jetzt noch in kleinerenGeschäften übliche, aber auch in bedeutenderen Fabriken dann an-gewendete Verfahren, wenn die Natur der Muster ein anderes nichtzulässt.
Das Zeugstück liegt auf einem länglichem starken Tisch, auf wel-chen eine grobe wollene Unterlage — das sogenannte Drucktuch —ausgebreitet ist, ausgespannt, man heisst daher das Verfahren auchTafeldruck. Ueber diesem Tische befindet sich der Farbrahmen,das „Chassis". Dies ist ein kleiner Tisch, auf dem ein quadratischerflacher Holzkasten steht, der mit einer dicklichen Masse bis auf etwaYs Zoll Höhe vom Boden aufwärts gefüllt ist, diese besteht gewöhnlichaus alter mit Gummi verdickter Farbe. Auf dieser Breischicht schwimmtdas „Chassis", ein Holzrahmen auf der unteren Seite mit Flanell be-spannt. In diesen Rahmen wird die mit Gummi oder Stärkekleisterverdickte Farbe in nicht zu grosser Menge gebracht. Ein Hülfsarbeiter,der neben dem Drucker steht, vertheilt mit einer Bürste die Farbe aufdem Flanell möglichst gleichmässig in ganz dünner Schicht, und ver-richtet diese Arbeit so oft als mit dem Model wieder Farbe weggenom-men wurde. Der Drucker senkt den Holzmodel, die Seite der Zeich-nung nach unten gekehrt, auf die nachgiebige mit Farbe überstricheneFläche, drückt auf, und der Model hat Farbe aufgenommen. Denfarbebeladenen Model führt er dann zu dem Zeugstück, legt ihn aufund giebt auf die obere Seite einen Schlag, damit die Farbe abgegebenwerde. Die Unterlage, das Drucktuch verleiht dem zu bedruckendenZeuge Nachgiebigkeit, damit der Model kräftiger aufgeschlagen wer-den könne, um die Farbe vollständig und lückenlos abzugeben. DiesGeschäft wiederholt sich so oft als der Flächeninhalt des Models indem Flächeninhalt des Stückes enthalten ist, wonach das ganze Stückmit einer Farbe des Musters bedeckt erscheint. Die übrigen Modelmüssen genau rapportiren, zu welchem Ende sie an den Ecken mitscharfen Drahtstiftchen versehen sind, die in dieselben Stellen eingesenktwerden, in welche die Stifte des vorangegangenen Models einstachen.Das Zeugstück passirt also unter der Hand des Druckers so oft vorüber,als das Muster Farben enthält, die bedruckten Stellen werden lockerüber einen Hängerahmen gehängt, damit sie in der gutgewärmtenDruckstube trocknen, oder sie sind durch eine Vorrichtung unter derDrucktafel, wie es bei Wollstoffen namentlich geschieht, angespanntgehalten. Einzelne grössere Stücke Chales z. B. sind zuweilen jederauf einen Rahmen gespannt.