Vulpulin. — Wachholder. 307
Vulpulin nannte Bebert die von ihm aus Cetraria vulpinadargestellte unreine Vulpinsäure. Da Robiquet und Blondeau 1 )fanden, dass dieser Körper eine Säure ist, ward er Vulpulin s äureoder Vulpinsäure genannt.
Vulpulinsäure s. unter Vulpulin.
w.
Waad, syn. TT ad.
Wachholder, Juniperus. Von dieser zu den Coniferen ge-hörenden Familie ist hauptsächlich der gemeine Wachholder Juni"perus communis L., in Anwendung. Der phönizische Wachholder J.plioenicea L. ist in Griechenland, Syrien und anderen Theilen desOrients einheimisch und findet hier wohl Anwendung; dieser Strauchsoll nach Landerer das Rhodiserholz Lignum rhodium liefern. Dervirginische Wach hol der, J. virginianaL. liefert Cedeinöl (s. 2. Aufl.Bd. II, 3, S. 834). Von dem gemeinen Wachholder sind das HolzLignum juniperi und die Beeren Baecae juniperi in Gebrauch. DasWachholder holz ist ofticinell und wird namentlich zu Räucherungen ge-braucht. Die WachholderbeerenKaddigbeeren Baecae juniperi sinddie fleischig gewordenen weiblichen Zapfenschuppen; sie werden im erstenJahr grün, im zweiten erst schwarz; sie sind kugelförmig und mit einemsaftlosen Mark gefüllt, sie riechen gewürzhaft und schmecken süsslich.Nach Trommsdorff enthalten die Beeren 1 Proc. ätherisches Oel,4 Wachs, 10 Harz, 33 Zucker mit essigsaurem Kalk, 12 Wasser, ler-ner Gummi. Nach Aschoi'f enthalten die unreifen Beeren Stärkmehl,das beim Reifen verschwindet. Am genauesten sind die Wacbholder-beeren zuletzt von Steer 2 ) untersucht; nach ihm enthalten 100 Wach-holderbeeren 0,7 ätherisches Oel, 13,0 Traubenzucker, 0,2 Aepfel-säure, 0,2 grünes Harz, dann etwas Pektin, Wachs (Cerin) und einennach Steer eigonthümlichen Stoff das Juniperin (s. unten).
Nach Steer erhält man durch Ausziehen von 100 Pfd. zerquetsch-ten Wachholderbeeren in einem passenden Apparat mit wenig Wasseretwa75Pfd. einer süssen Flüssigkeit, die in damit gefüllten Fä=sern unterAbscheidung von Pektin gährt; wird die Flüssigkeit dann sogleich zumSieden erhitzt, mit Kreide entsäuert und nach dem Entfärben mitKnochenkohle eingedampft, so erhält man 12 Pfd. klaren Trauben-zuckersyrup, der nach einigen Monaten krystallinisch erstarrt.
Durch vollständige Vergährung lässt sich aus den Wachholderbee-ren leicht Branntwein darstellen; in Ungarn stellt man daraus einenBranntwein Boro vi es ka dar; man wäscht 100 Pfd. zerquetschte Wach-holderbeeren mit so viel Wasser aus, dass man etwa 150 bis 160 Pfd.Flüssigkeit bekommt, die leicht gährt und danach destillirt wird, wo 6bis 6V2 Liter Branntwein von eigenthümlichen Geruch erhalten werden.
Die Wachholderbeeren enthalten einen harzartigen der Chryso-phansäure ähnlichen Körper, dein Steer den Namen Juniperin giebt.Man erhält dieses Juniperin aus dem Sediment, welches sich beim
1) Journ. de pharm. T. XVII, p. 696; Aimal. der Pharm. Bd. II, S. 342.
2) Ber. d. Wien. Akad. Bd. XXI, S. 383; Chem. Centralis. 1856, S. 949.
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