Druckschrift 
9 (1864) [U - Z]
Entstehung
Seite
304
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

304

vulc anisirter

Vulcanit. Vulpinsäure.

3. Aufl. Bd. II, 2, S. 847). Auch die Oele gebenbeim Erhitzen mit Schwefel mehr oder weniger zähe oder elastischeMassen (s. unter Fette Bd. III, S. 94 u. d. Art. Bdlsamum sulphurissitnplex 2. Aufl., Bd. II, 1, S. 640). Perra 1 ) hat nun gezeigt, dasssich auch beim Erhitzen von Leinöl mit Chlorschwefel solche elastischeProducte bilden, die er als vulcanisirtes Oel bezeichnet. 100 Thl.Leinöl mit 25 Thln. Chlorschwefel (mit Schwefel gesättigter Chlor-schwefel ist am tauglichsten) gemischt und erhitzt geben ein möglichsthartes Product, das aber nicht so hart ist wie gehärteter Kautschuk.Die Masse ist undurchsichtig, verändert sich nicht an der Luft, ist inder Kälte hart und zerbrechlich, widersteht der Einwirkung von ver-dünnten Mineralsäuren und Alkalien; bei 120°C. bräunt sie sich undschmilzt bei etwas höherer Temperatur; sie wird beim Reiben starkelektrisch. Durch Einwirkung von starken Alkalien und Säuren wirddie Masse zersetzt. Fe.

\ ulcanit ist der gemeine und rnuschlige Augit wegen seinesVorkommens in vulcanischen Gesteinen genannt worden. K.

Vulkanit oder Ebonit (s. 2. Aufl. Bd. II, 3, S. 537) hat manauch den sogenannten gehärteten Cautschuck genannt (s. d. Art. 2. Aufl.Bd. II, 2, S. 847).

Vulpinit, syn. Anhydrit,

Vulpinsäure, Vulpulinsäure. Eine Fleehtensäure. For-mel: C 38 H 1 4O 10 oder HO.C 38 H J3 0 9 . Diese Säure findet sich in derCetraria vulpina {Liehen vulpinns L.) einer Flechte, welche in Norwe-gen vorkommt und dort gesammelt wird, um mit Krähenaugen vermischtals Wolfsgift verwendet zu -werden. Die Flechtensäure ward von Be-bert 2 ) zuerst abgeschieden und Vulpulin genannt, aber unvollständiguntersucht, so dass Berzelius sie für identisch mit dem Farbstoff' vonParmelia parietina hielt, und dass sie deshalb für Chrysophansäure ge-halten ward, bis Strecker und Möller 3 ) zuerst genauer Zusammen-setzung und Eigenschaften derselben feststellten, sie danach als eigen-thümlich erkannten und dann Vulpinsäure nannten. Sie ist der Usnin-säure C 38 H 18 0u sehr ähnlich und hat aueb Aehnlichkeit in der Zusam-mensetzung.

Zur Darstellung der Säure wird die Flechte mit 20 Thln. lauwar-mem Wasser (sehr heisses Wasser ist durchaus unzweckmässig) undetwas Kalkmilch Übergossen und nach 6 Stunden colirt; der Rückstandwird nochmals mit 10 Thln. warmem Wasser ausgezogen. Die verei-nigten Auszüge werden mit Salzsäure schwach übersättigt; der gelbeflockige Niederschlag wird gesammelt und mit kaltem Wasser abge-waschen; er besteht aus Vulpinsäure, die durch Chlorophyll und Harzverunreinigt ist. Durch Umkrystallisiren aus kochendem starken Spi-ritus oder aus Aether wird die Vulpinsäure rein erhalten.

100 Tide. Flechten enthalten etwa 12 Tille. Vulpinsäure.

Die Säure scheidet sich beim Erkalten der ätherischen Lösung indurchsichtigen gelben Nadeln ab; durch langsames Verdampfen der

!) Coinpt. rend. T. XLVII, p. 878; Jouru. f. prakt Ohem. Bd. LXXVI, S. 477.2 ) Annal. d. Pharm. Bd. II, S. 342 ; Berzelius' Jaliresber. Bd. XII, S. 256.s ) Annal. d. Chem. u. Pharm. Bd. CXIII, S. 50 ; Ohem. Centralbl. 1860, S. 225 jJaliresber. v. Kopp 1859, S. 297.