Viertes Capitel.^Vün der Untätigkeit der Seelenverrichtungeu.
Ich drucke mit diesem allgemeinen Worte die Apathie,Gleichgültigkeit und Muthlofigkeit der Kranken, ferner denMangel des Gedächtnißes und den völligen Aberwitz aus,die wir alle als Symptome von Krankheiten häufig genugbemerken, und die durchgehends eine Unthatigkeit der Ver-richtungen des gemeinschaftlichen Emvsindungswerkzeuges
voraussetzen.
717.
Die völlige Gleichgültigkeit des Kranken gegen alle Per-sonen und Dinge, für die er sich sonst noch so sehr interes-sirte, ist immer ein Zeichen von großer Heftigkeit seinerKrankheit, wodurch die Kräfte der Seele selbst unterdrücktoder erschöpft werden. Es gehört mit den übrigen Zeichender Erschöpfung diese Erscheinung zu den tödtlichen Zeichen,aber auch zugleich zu den Wohlthaten der Euthanasie, oh-ne welche der Tod noch viel bitterer seyn müßte.718.
In vielen Fällen aber entstehet diese Gleichgültigkeit
bloß von Unterdrückung der Geisteskräfte durch heftigen
Andrang des Blutes, durch Krampst und andere Ursachen.
Daher darf sie im Anfange emer hitzigen Krankheit, und
wenn keine andere bedenkliche Zeichen dabey sind, nicht so
sehr schrecken.
719.
Der Verlust des Gedächtnißes ist in hitzigen Krank-heiten, wenn er plötzlich entstehet, meistens ein Verbothe desWahnsinns und der Schlummersucht. Folgen diese nichtbald, und bleibt die Vergessenheit des Kranken, so zeigtsie größere Gefahr an; es pflegen sich dann Lähmungeneinzelner Gliedmaßen leicht dazu zu gesellen.