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Der aufrichtige Materialist und Specerey-Händler : oder Haupt- und allgemeine Beschreibung derer Specereyen und Materialien, worinnen in dreyen Classen, der Kräuter, Thiere und Materialien, alles und jedes, womit die Physica, Chymia, Pharmacia und andere hoch-nützliche Künste pflegen umzugehen, begriffen und enthalten ist
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599-600
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DerSpezcreyen und Materialien

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Wie die Schildkröten gefangenwerden.

Die Schildkröten werden auforcy-erley Weise gefangen, wenn sie sich be-gatten , mit dem Harpon, und wenn sieaufs Land konunm.

Die Schildkröten galten sich vomAnfang des Mertzcns bis mitten in denMay. Alle Umstände, die dabey vor-gehen , lasse ich mit Willen aus, und sa-ge nur, daß es aufdemWassergeschehe,dergestalt, daß sie gar leichtlich könnenentdecket werden. Alsdann fallen ge-schwind zwey oder drey Mann in einKahn, fahren ihnen behende nach, undkommen gantz leichtlich an sie. Drauflegen sie ihnen eine Schlinge um denHals, oder an eine Pfocc, oder ergrif-fen sie, im Fall sie keinen Strick bey sichhaben, mit der Hand, oben beym Hal-se , wo sich die Schale endiget. Bis-weilen bekommt man sie allebeyde,ins-gcmsin aber entwischet das Weiblein.Allein die Männlein sind um dieselbeZeit mager und harte, hingegen dieWeiblein sehr fett.

Die Jagt der Schildkröten mitdem Harpon geschichtaufebmöieArt,wie sie die SceMber zu iagen Pflegen,ausgenommen, daß an statt des Har-pons, unten in die Stange, welcheVarre genenntwiro, ein viereckter sehrWitziger Nagcl, des halben Fingerslang, geschlagen, und an diesen die Lei-ne feste gcmachet wird. Wenn nundie Varrc oder die Stange der Schild-kröte auf den Buckel geworffen wird,tringet der Naqel bis in die Helftc derSchale, die aus lauter Bein bestehet,hinein, und halt darinne, als ob er ineine Eiche geschlagen wäre. Die Schild-krötesosichgetrossenelnpfindet,wendeteben soviel Kräfte an, als wie der La-mantin, und der so sie geschossen, undn,^^ genennet wird, gleichen Fleiß.Nun sagen wohl etliche, der Schildkrö-te encgiengen die Kräfte, von wegen desvergossenen Blutes; dieselben aber wis-sen nicht, daß sie keinen einigen Tro-pfen Bluts aus dem verwundeten Or-te, ehe und bevor der Nagel herausge-zogen worden, vergiesset.

VomApril an bis auf den August-monat kommen die Schildkröten zuLande: dann um dieselbige Zeit befin-

den sie sich ihres Wachsthums halber,und wegen der grossenMenge Eyer, de-rer zuweilen bis auf 2202. sind , be-schweret, und also von Natur genöthi-get, daß sie ohnverzüglich bey der Nachtdie See verlassen, und einen Ort amStrande aussuchen müssen, andemsiesich ihrer Bürde,wenigstenszum Theil,entledigen mögen. Wenn sie nun ei«nen Ort ausgefunden, der zu ihremVorhaben dienlich und beqvem, undjederzeit sandicht ist, so lassen sie es die-selbe Nacht dabey bewenden, daß sieden Platz erkundiget, kehren gantz ge-machsam zurücke nach der See, undverschieben das übrige auf die folgendeNacht, oder auch auf eine andere; denTag über weiden sie in dem Grase anden Steinklippen, und schwimmen hinund her, sonder Zweiffel, damit sie sichvon demjenigen Orte, dahin sie legenwollen, nicht allzuweit entfernen mö-gen.

Wann dann die Sonne wiederumwill zu Rüste gehen, lassen sie sich gantzoben auf den Wellen sthen, und schalt'en auf allen Ecken um, gleich als ob siesich emt'ger NachMlm^ befürchteten.Wann sie nun iemand am Strande ge-wahr werden, denn sie ein überausscharsses Gesichte haben, suchen sie also-sorc einen sicherern Ort. Merckcn sieaber niemand, so kommen sie bey derNacht aufs Land, und nachdem sie sichüberall wohl umgesehen, heben sie anzu arbeiten, und mit den Vorderpfotenein rundes Loch zu graben, welches sieeines Fusses breit und anderthalbSchuh liess machen. Darauf setzensiesich drüber, und legen aufeinmahl,hintereinander, zwey oder drey hun-dert Eyer, welche so groß und rund sind,als wie ein Spielball.Die Schale dieserEyer ist zähe, wie ein feuchtes Perga-ment : das weisse kan niemahls gargekochet werden, ob schon das gelbeleichtlich harte wird. Die Schildkröteverharret länger als eine Stunde überdem legen, und zn solcherZeit tönte eingeladener Wagen über sie hinfahren,ohne daß sie von der Stelle weichenwürde. Nachdem sie nun ihr Werckvollbracht, verstopft sie das Loch soge-schicklich, und scharret so viel Sanddrum herum, daß einer alle Mühe hat

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