I
18
Abänderungen: Man trifft diese Pflanze, öfters in Gärten, seltner wild, mit feinerzerlheilten und gekrausten Blättern an: varietas crispa.
Synonyme: Tanacetum vulgare L. und aller Schriftsteller. — Deutsche: Wurm-kraut, Wurmi'arm, Rainfarrn, RainfaJlkraut, Revierkraut, Reyierblume, Räuber, falscher Wunn-saaine u. s. w.
Vaterland: An xAxkerrändcrn, Feldrainen, Hecken und Zäunen, an den Rändern derGraben so wie an den Ufern der Flüsse, besonders in lehmigem Boden durch einen grossenThcil von Europa, vom südlichen Lappland und Schottland bis Oberitalien und von Russlandbis Frankreich. Blüht im Spätsommer.
Beschreibung: Wurzel vielköpfig mit vielen starken und ästigen Wurzelfasern, braun,etwas kriechend. Stengel gewöhnlich mehrere, rund, kahl, hebläUert, unten einfach, nachoben traubendüldig-verästelt, 2—5 F. hoch. Blätter wechselsländig, doppelt oder nachoben einfach fiederspaltig, die Fiederzipfel spitz-sägezähnig, auch wold eingeschnitten, dieuntern gestielt, die obern sitzend, die obersten die Blüthenstandäste unterstützenden endlichsehr klein linealisch kaum noch etwas sägezähnig, alle punetirt und kahl, nur in der Jugendmit schwacher leicht abreibbarer Wolle liier und da belegt. Köpfchen halbkugelig, \on3—i Lin. Durchmesser in einer zusammengesetzten (2-mal äsfigen) Doldentraube. IIüll-schuppen (ungefähr 2 Lin. lang) lanzettlich, etwas stumpf gekielt, etwas behaart, mit häu-tigem trocknen etwas bräunlichen Rande, welcher an den innern nach oben breiter ist undsie stumpf macht, während die äusseren mehr spitz sind. Blumen goldgelb, klein, kaum 2Lin. lang, eine etwas convexe Fläche bildend, röhrig, die weiblichen randständigen stumpf3-lappig, die zwitterlichen scheibensländigen fast bis zur Hälfte 5-spaltig, die Abschnitte stumpf-lich zusammenneigend, Staubgel'ässe haarförmig, Staubbeutel gelb, eine Röhre bildend;Griffel bei der zwitterlichen Bl. hervorragend, beider weiblichen eingeschlossen, mit 2-thei-liger Narbe, deren Theile bei der zwitterhehen Bl. von einander stehend etwas nach untengekrümmt, au der Spitze mit Härchen besetzt sind, bei der weiblichen aber kürzer aufrecht-abstehend und stumpf, etwas keulenförmig sind. Achaenien aschgrau, 5—G-rippig und ek-kig mit einem ganz schmalen häutigen Rande gekrönt.
Off. Flores Tanaceti — Herba Tan. — Oleum Tan. — Die goldgelben Köpfchendes Rainfarren werden, wenn sie sich entwickelt haben, gesammelt und getrocknet; sie sindvon starkem aromatischem etwas widrigem Geruch und bitlerm Geschmack. Die Blätter oderdas Kraut muss vor dem Blühen, im Juli gesammelt werden, es ist von ähnlichem Geschmackund Geruch Avie die Blumen. Das aus der blühenden Pflanze durch Destillation gewonneneaetherische Oel ist von starkem aromatischem widrigem Geruch, von gelblicher Farbe undeinem specilischen Gewichte von 0,ü32.
Chemische Beschaffenheit: Die Blätter enthalten nach Frommherz Analyse: Aethe-risches Oel: harziges Blattgrün; eisengrünenden Gerbstoff; Bitlerstoff, flüssigen Zucker,Gummi, wenig Eyweiss; Holzfaser, freie Apfelsäure. apfelsauren Kalk, Kali, INlagnesia; salz-saures Kali, schwefelsauren Kalk, Eiscnowd und Kieselerde. Die frischen Blüihen gebengleiche Bestandteile, nur statt des Chlorophylls; Wachs und Weichharz und eine grössereMenge Bitterstoff. Die Saamen hatten dieselben Bestandteile wie die Blätter bis auf denZucker, welcher fehlte und wofür etwas fettes Oel vorhanden war. Peschier fand die Blüthenbestehend aus: flüchtigem und fettem Oel, einer zwischen Stearin und Wachs stehendenSubstanz, Chlorophyll, Gummi, gelbem Farbstoff, Extractivstoff, einem gelblichen klebrigenbittern Sloff, der alcalisch sein soll, einer eigenthümlichen Säure (Tanacetsäure) und phos-